Silberstedt : Leben im Gesundheitszentrum

Der Neubau ist fertig: 2019 soll hier eine gemeinnützige GmbH für die Patientenversorgung gegründet werden. Fotos: Frischkemuth
1 von 2
Der Neubau ist fertig: 2019 soll hier eine gemeinnützige GmbH für die Patientenversorgung gegründet werden. Fotos: Frischkemuth

Mediziner und Therapeuten stellen Räumlichkeiten in Silberstedt vor / Neues Konzept zur ärztlichen Versorgung auf dem Land – von Kerstin Frischkemuth

Avatar_shz von
25. Oktober 2018, 18:25 Uhr

In Silberstedts neues Gesundheitszentrum kommt Leben: Die Mediziner im „Doktorhuus“ haben ihre Arbeit aufgenommen. Unter ihnen auch Wolfgang Schulz, zugleich stellvertretender Bürgermeister im Ort. Er lobt, dass die Bauzeit nahezu eingehalten wurde und die Kosten im Rahmen blieben, mehr noch: Sie seien sogar unterschritten worden. Genauere Zahlen werde es Ende November vom Finanzausschuss-Vorsitzenden geben.

„Die mit 4,4 Millionen Euro veranschlagten Baukosten belaufen sich natürlich nicht nur auf das Gebäude hier“, erläutert Schulz, der neben den Kollegen Hans-Christian Brall (vormals Treia) sowie Christiane Schmitz-Boye (vormals Hollingstedt) im neuen Gesundheitszentrum praktiziert, während auf dem rund 1400 Quadratmeter großen Areal bereits die Arbeiten am zweiten Bauabschnitt begonnen haben. Dort entstehen eine Sozialstation mit Tagespflegeeinrichtung sowie ein „Garten der Generationen“ mit benachbarter Kindertagesstätte, die auch ausgebaut wird.

Zurück zum fertigen „Doktorhuus“: Rund 470 Quadratmeter ist es groß. Die Ärzte hier arbeiten nach einem neuen Konzept zur ärztlichen Versorgung von Patienten im ländlichen Bereich in barrierefreien und hellen Räumlichkeiten mit nordisch-maritim durchdachtem Farbkonzept von Zana Gosch. Junge Ärzte wollen die Verantwortlichen aufs Land bringen, erläutert Schulz (64). So sei die Idee der Gründung einer gemeinnützigen GmbH (gGmbH) entstanden. Mit ihr könnten Ärzte künftig arbeitsteilig als Angestellte der Gemeinde arbeiten. Das, sagt Schulz, sei ein „Leuchtturmprojekt“ im Land. Noch sind die drei Mediziner bis Anfang 2019 „ihr eigener Chef“ und nutzen vorhandene Ressourcen gemeinsam. Danach wird aus der derzeitigen Praxisgemeinschaft die gGmbH mit der Gemeinde Silberstedt als Gesellschafter.

Das Projekt sei nicht unumstritten (wir berichteten) und mit „sehr viel Mut der Gemeindepolitiker“ angeschoben worden. „Aber spätestens mit dem Einzug hier kehrte Ruhe ein“, sind sich Schulz und Brall einig. Brall (57) macht zudem deutlich: „Letztlich sind wir nur umgezogen. Wir wollen die Arbeitsstrukturen stabil halten, auch was das Personal angeht.“ Die neun Mitarbeiter hätten keine beruflichen Veränderungen zu befürchten.

Begeistert vom neuen Gesundheitszentrum zeigt sich auch Michael Nast. Der Apotheker, Inhaber der Dom-Apotheke in Schleswig, wird seinen Hauptsitz nach Silberstedt verlegen. „Wir freuen uns schon alle darauf, das Zentrum zu begleiten und zu fördern“, sagt der 47-Jährige und fügt hinzu: „Das gemeinsame Ziel, die Gesundheitsversorgung in der strukturschwächeren Region zu stärken, hat mich sofort überzeugt.“

Sechs Mitarbeiter werden Nast in seinen rund 180 Quadratmeter großen Räumlichkeiten zur Seite stehen und das klassische Apothekenportfolio anbieten. Dabei spiegeln sich die Öffnungszeiten mit den Sprechzeiten der Ärzte.

Abgerundet wird der Neubau durch die rund 200 Quadratmeter große Praxis für Physiotherapie und Osteopathie von Birgit Graw-Bilet, die durch die zusätzlichen Ressourcen in Treia und Silberstedt ein Mehrangebot leisten kann (wir berichteten).

Allerdings: Richtig durchstarten wird insbesondere Apotheker Nast voraussichtlich erst im November, denn: Noch fehlen den Akteuren funktionierende Telefon-Anschlüsse mit samt der dazugehörigen Internetverbindung. Und anders als seine Mitstreiter im Doktorhuus und in der Physiotherapie-Praxis, die mittels mobiler Anrufweiterschaltungen erreichbar sind, reichen kreative Behelfslösungen zur Übermittlung des Apothekenbestandes nicht aus. „Das ist wirklich ärgerlich.“, sind sich alle Betroffenen einig und hoffen nach viermonatiger Wartezeit auf eine schnelle Lösung der zuständigen Telekom.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen