Demonstrationen : Lautstarker Ruf nach mehr Lehrern

In Süderfahrenstedt ließen die Eltern Luftballons mit ihren Ausbildungswünschen und -bitten steigen.
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In Süderfahrenstedt ließen die Eltern Luftballons mit ihren Ausbildungswünschen und -bitten steigen.

In Satrup, Kappeln und Süderfahrenstedt demonstrierten gestern fast 3000 Eltern und Schüler für bessere Unterrichtsversorgung. Sie wehren sich dagegen, dass das Bildungsministerium bei der Lehrerversorgung sparen will.

shz.de von
05. Juni 2014, 12:00 Uhr

Wer im Kieler Regierungsviertel keinen Gehörschaden hat, muss den lautstarken Protest gehört haben. Mehr als 2000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene machten im Mittelangler Ortsteil Satrup ihrem Unmut über die von Bildungsministerin Waltraud Wende angekündigte Streichung von Lehrerplanstellen Luft. In Kappeln zogen rund 800 Menschen mit Trillerpfeifen, Rasseln und Plakaten von der Klaus-Harms-Schule zum Hafen und in Süderfahrenstedt waren mehr als 300 Eltern – teilweise mit ihren Kindern – zum Protest gegen die Lehrerversorgung zusammengekommen.

Elternvertreter aller Schulen hatten die Initiative ergriffen und die Protest-Demonstration in Satrup organisiert. Waren es im Schulzentrum bereits über 1500 Protestierende kamen auf der Satruper Zentralkreuzung noch einmal über 500 große und kleine Protestierer der Regenbogen-Grundschule hinzu.

Die Schüler, mit allen möglichen Krachmachern und Transparenten ausgestattet, zeigten sich außerordentlich gut informiert über die Ziele der Protestaktion. Struensee-Schülerin Nina will nicht, dass die Unis bei der Geldverteilung so gut abschneiden und die Allgemeinbildenden Schulen das Nachsehen haben. „Wenn wir dumm bleiben, können wir nicht studieren“, lautet ihr Argument. Der elfjährige Finn bekennt: Schulfrei sei schon schön, aber nicht zum Preis von immer weniger Bildung. „Kein ordentlicher Schulabschluss, kein ordentlicher Beruf“, lautet sein Resümee. „Wie sollen wir bei verkürztem Unterrichtsangebot unser Leistungsspektrum schaffen?“, fragt sich Frauke Wohlenberg besorgt und befürchtet, dass Schleswig-Holsteins Schüler in Zukunft weniger Chancen haben.

„Im Ländervergleich werden unsere Kinder immer weiter absacken“, befürchtet Claudia Willers als besorgte Mutter und wird unterstützt von Petra Zimmermann, die anführt, ihren Kindern könne am Ende der Schulzeit ein halbes Jahr Unterricht fehlen.

Die Besorgnis der Handwerksbetriebe machte Kerstin Kramp deutlich. Bereits jetzt beklagen die Unternehmen den Bildungsstand der Schüler. Als Unternehmerin habe sie Angst, in Zukunft keine gut ausgebildeten Jugendliche für den Betrieb zu bekommen.

Die Befürchtung, im Bundesvergleich weiter nach hinten zu fallen, ging auch bei den Gymnasiasten um. Berit und Leni beklagten den schon jetzt erheblichen Unterrichtsausfall, der dazu führen könne, dass sie schlechte Chancen beim Zentralabitur haben.

„Wir fordern 100 Prozent Lehrer für unsere Schüler“, erklärte Elternvertreter Andreas König und warnte davor, die Klassenstärke zu erhöhen. Offensichtlich erwarten die Elternvertreter von Bildungsministerin Wende nicht mehr allzu viel. Sie forderten von Ministerpräsident Albig, die Lehrerversorgung der Schulen sicherzustellen.

Erheblichen Protest verursachte die Mitteilung von Allan Loges, Vorsitzender des Schulelternbeirates der Gemeinschaftsschule. Er berichtete von einem Sachstandsbericht, den 16 Schulleiter von Gemeinschaftsschulen erstellt haben, um die Eltern über die Unterrichtsversorgung zu informieren. Das Kieler Bildungsministerium prüfe nun, so Loges, ob dieser Info-Brief an die Eltern reiche, um disziplinare Maßnahmen einleiten zu können. Sanktionen fürchteten offenbar auch die Lehrer: Sie hielten sich bewusst von der Demonstration fern – offenbar hatte es deutliche Ansagen aus dem Hause der Bildungsministerin gegeben.

In Süderfahrenstedt hatten die CDU-Landtagsabgeordneten Johannes Callsen und Heike Franzen sowie die Bundestagsabgeordnete Petra Nicolaisen im Anschluss an die Protestveranstaltung zu einem Meinungsaustausch gebeten. Eine für den Vormittag in Böklund geplante Protestveranstaltung der Eltern musste wegen eines Verbots des Schulamtes abgesagt werden.


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