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Böklund : Lautstarker Protest gegen die Schulpolitik

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Elternvertreter aus dem ganzen Kreis kritisieren die unzureichende Unterrichtsversorgung ihrer Kinder. Sogar zahlreiche Schulleiter gehen in die Offensive. In Böklund mussten sich zwei SPD-Landespolitiker den Unzufriedenen stellen.

In der Schullandschaft im Kreisgebiet brennt es lichterloh: Wenn es dafür eines eindringlichen Hinweises bedurft hätte – Eltern und Schüler gaben ihn am Donnerstagabend in Böklund. Hunderte Protestteilnehmer säumten die Straßen im Ort, um ihrem Unmut Luft zu machen und ihrer Forderung nach mehr Unterrichtsqualität und einer besseren Lehrerversorgung Verhör zu verschaffen. Anlass war ein Besuch der SPD-Landtagsabgeordneten Birte Pauls und des schulpolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion, Kai Vogel. Sie verließen Böklund mit der sicheren Erkenntnis, dass der Landesregierung der Wind scharf ins Gesicht bläst. Ein offener Brief der Kreiselternvertreter der Grundschulen an Bildungsministerin Waltraud Wende sowie ein Elternbrief zahlreicher Gemeinschaftsschulleiter im Kreis sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache.

Begonnen hatte der Besuch der beiden Politiker in der Auenwaldschule, wo sie erst in Klausur die Schulleitungen und die Elternvertreter über die Auswirkungen der neuesten Kürzungen bei der Lehrerzuweisung informierten. Alleine an der Auenwaldschule müssen zum Jahresende fünf Lehrer gehen. In einem anschließenden Gespräch mit Lehrern und Eltern verdeutlichten diese ihre Kritikpunkte: Lehrkräfte ohne langfristige Verträge, die in andere Bundesländer abwandern, unzureichende Vertretungsregelungen, Schulen, die aus Krankheitsgründen kurz vor der Schließung stehen, Überlastung der Lehrer durch Inklusionsvorgaben und Burn-Out bei Lehrern. Es gipfelte in der Feststellung einer Schulleiterin: „Wir sind nicht mehr in der Lage, den Minimalunterricht zu leisten!“

Die Kritikpunkte decken sich mit jenen, die die Kreiselternbeiräte der Grundschulen in einem offenen Brief vor wenigen Tagen an Ministerin Wende geschickt haben. Ihnen diente eine Befragung von 54 Schulen als Grundlage. Nur vier hätten angegeben, dass der Schulbetrieb trotz jahrgangsübergreifendem Unterricht und Inklusion reibungslos funktioniere. 50 sehen demnach zum Teil gravierende Probleme, unter anderem: Verlässlichkeit nicht mehr gewährleistet; Stillarbeiten, um Ausfallstunden zu umgehen; Klassenzusammenlegungen; Eltern müssen einspringen, um die Verlässlichkeit zu erhalten und Lehrerstunden-Defizite aufzufangen. Zum Teil übernehmen Eltern demnach auch Unterricht in Kunst, Musik und Sport. Schließlich erreichten die Klassen als Folge der sinkenden Stundenzuweisungen eine Größe von bis zu 38 Kindern. „An solchen Stellen werden unter dem Deckmantel der verlässlichen Grundschule unsere Kinder lediglich aufbewahrt“, heißt es in dem Schreiben.


Rechnerisch ein halbes Jahr weniger Unterricht


In Böklund begründete Schulpolitiker Vogel die Lehrerkürzungen mit der Schuldenbremse des Landes, in der eine 20-prozentige Personalreduzierung vorgesehen sei. Er verwies auf die Schulrätinnen im Kreis, die die Lehrerstunden aus einem Gesamtpool zu verteilen haben, gab aber zu: „Dieser Pool ist zu klein.“ Eine Lösung des Problems konnte er auch nicht geben. Aber er wies darauf hin, dass auch andere Interessengruppen an den Steuergeldern interessiert seien – insbesondere die Autofahrer, die funktionsfähige Straßen wollten. Gleichzeitig versprach er, sich intensiv für eine höhere Lehrerkapazität an den Schulen einzusetzen.

Von der Auenwaldschule ging es für Pauls und Vogel zu einem weiteren Gespräch mit Bürgermeistern und Schulleitern im Amtshaus. Auch dort lautstarker Protest. Selbst mit einem Megafon konnte sich Pauls dort kaum gegen Pfiffe, Hupen und Geschrei verständlich machen. Jürgen Steffensen, Vorsitzender des Elternbeirats der Auenwaldschule, schaffte es, des Geräuschpegels Herr zu werden. Er versprach: „Sie können sicher sein, dass unser Kampf um die 100-prozentige Schulausbildung unserer Kinder noch nicht zu Ende ist und wir uns weiter dafür einsetzen!“

Die wollen auch 14 Gemeinschaftsschulleiter gewährleisten. In einem Elternbrief weisen sie jedoch darauf hin, dass die Stundenzuweisung für das kommende Schuljahr erneut reduziert wurde – mit der Folge, dass der Stundenplan aller Klassen zwei bis drei Stunden pro Woche weniger aufweisen werde. Das bedeute pro Jahr rund 100 Stunden oder drei Wochen, gerechnet auf die Zeit von der fünften bis zur zehnten Klasse sogar ein halbes Jahr weniger Unterricht – bei gleich hohen Anforderungen. Das Fazit der 14 Schulleiter: „Diese Entwicklung sehen wir mit großer Besorgnis in Bezug auf die schulische Entwicklung ihrer Kinder.“

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