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Langballig : Lauert ein Tigerpython im Unterholz?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Exotisch: Ein 16-Jähriger aus Langballigholz im Kreis Schleswig-Flensburg entdeckt in der Nähe seines Zuhauses die abgestreifte Haut einer Würgeschlange. Das Fundstück ist drei Meter lang.

Langballig | Im Norden Deutschlands sind drei Schlangenarten heimisch – eine Riesenschlange gehört nicht dazu. Umso ungewöhnlicher ist, was Phillip Gronski beim Spaziergang entlang eines Knicks zufällig in der Nähe seines Elternhauses in Langballigholz entdeckte: die abgestreifte Haut einer ausgesprochen großen Schlange. Das Fundstück breitete der 16-jährige Schüler auf der heimischen Terrasse aus und maß eine Länge von 3,11 Metern. Von Schling-, Ringelnatter oder Kreuzotter, soviel war ihm sofort klar, kann diese Haut nicht stammen – eher von einer ausgewachsenen Würgeschlange.

Mutter Alexandra Gronski sorgt sich: „Das ist eine Größenordnung, die ich schon bedenklich finde.“ Die Schlange sei hier nicht heimisch, könne Säugetieren gefährlich werden. Zudem hält sie es für verantwortungslos, sich solche Exoten anzuschaffen, sie aber nicht sicher zu halten oder gar auszusetzen. Im Winter hätten die wechselwarmen Reptilien keine Chance zu überleben.

Das bestätigt auch Martin Tietz, Vorsitzender der Regionalgruppe Neumünster der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT). Der Schlangen–Experte gibt vor diesem Hintergrund Entwarnung. „Für die Bevölkerung besteht keine Gefahr, da die Tiere bei den jetzigen Temperaturen verenden“, sagt er. Sie seien tropische Temperaturen um die 30 Grad gewöhnt.

Aufgrund von Größe und Schuppenform vermutet Tietz, dass die Schlangenhaut von einem Tigerpython stammt. „Eine Boa wäre vom Umfang her massiger.“ Gerade Albino-Formen des „vom Gemüt her friedlichen“ Tigerpythons – gelb-weiß gemusterte Varianten ohne schwarze Pigmente – seien beliebt bei Schlangenhaltern. Tietz vermutet, dass mehr als 1000 dieser registrierungspflichtigen Tiere in Schleswig-Holstein gehalten werden. Wie die Haut an den Knick in Langballigholz gelangt ist – ob sie tatsächlich von einer Schlange stammt, die sich dort gehäutet hat, oder nur unaufmerksam entsorgt wurde –, mag er nicht beurteilen.

Nach Ansicht von Rüdiger Albrecht vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) spricht einiges für Letzteres. Die abgestreifte Haut sei weitgehend unversehrt. Das sei angesichts der hiesigen Witterung ungewöhnlich, denn normalerweise häute sich ein Python bei tropisch-hoher Luftfeuchtigkeit. „Bei unserer Trockenheit hätte die Schlange echte Schwierigkeiten, so glatt aus der Haut zu fahren“, sagt er.

Tietz weist überdies darauf hin, dass unter Schlangenliebhabern so eine Haut auch durchaus Trophäencharakter habe. So werden beispielsweise auf der regelmäßig in den Holstenhallen in Neumünster stattfindenden DGHT-Ausstellung „Exota“ Schlangenhäute als Mitbringsel an Kinder, die die Veranstaltung besuchen, verschenkt. „In diesem Jahr hatten wir aber, so weit ich weiß, keine Häute in dieser Größenordnung“, sagt Tietze. Grundsätzlich sei die Haut auch immer etwas länger als das Tier selbst, da sie beim Häuten gedehnt werde. Die über den Vorfall informierten Ordnungsbehörden des Kreises halten ein Einschreiten nicht für erforderlich.

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erstellt am 25.Okt.2013 | 12:00 Uhr

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