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3. Schleswiger Unternehmertag : Langsames Internet – fleißige Chinesen

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

170 Teilnehmer diskutieren beim 3. Schleswiger Unternehmertag in der A.P.-Møller-Schule über Chancen und Herausforderungen für die regionale Wirtschaft.

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erstellt am 14.Nov.2015 | 07:24 Uhr

Es geht um China. Immer wieder. Wer über die weltweite Verflechtung der Wirtschaft redet, kommt am Reich der Mitte nicht vorbei. Es war nicht das beherrschende Thema beim 3. Schleswiger Unternehmertag, aber es war eines, das wie ein roter Faden immer wieder auftauchte in der Veranstaltung in der A.P.-Møller-Schule, zu der die IHK, die Wireg, die Kreishandwerkerschaft und das Stadtmanagement eingeladen hatten. Es ging damit los, dass der in der Einladung angekündigte Kieler Wirtschaftsminister Reinhard Meyer seine Teilnahme abgesagt hatte, weil er in dieser Woche in China eine Niederlassung schleswig-holsteinischer Firmen eröffnet.

Als Ersatz hatte Meyer seinen stellvertretenden Staatssekretär Kurt-Christoph von Knobelsdorff geschickt, und auch der kam bald auf China zu sprechen, wo die Menschen erfolgshungrig und aufstiegsorientiert seien. „Wir sind zu satt, reif und träge geworden.“ Bedauerlicherweise finde in Deutschland derzeit überhaupt keine Reformdiskussion mehr statt.

Ein besonders plastisches Beispiel dafür, wie anders dies doch in Deutschland sei, nannte Jan Böttcher, Geschäftsführer des Hamburger Kran-Herstellers Kühnezug mit Produktionsstätte in Schuby. Er klagte über Auszubildende, denen man die grundlegenden Regeln des Zusammenlebens – wie zum Beispiel pünktlich zur Arbeit zu erscheinen – beibringen müsse. „Ich habe eine dreijährige Tochter, und die Gespräche, die ich da führe, sind oft sehr ähnlich.“

Doch die rund 170 Teilnehmer aus praktisch allen Wirtschaftsbranchen, die es in Schleswig und dem Umland gibt, waren nicht nur zum Jammern gekommen. Sie suchten nach Wegen und Ideen, den Standort und ihre eigenen Unternehmen nach vorn zu bringen. In einer Arbeitsgruppe mit Dierk Schmäschke, dem Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt, ging es zum Beispiel um die Frage, wie man Kunden aktiv ans eigene Unternehmen binden kann. Christoph Jahnke von einer Berliner Online-Marketing-Agentur sprach über die Chancen, die das Internet bietet.

Dass indes hierfür manchmal schlicht die technischen Voraussetzungen fehlten, das wurde in der Talkrunde zu Beginn des Unternehmertags deutlich, die SN-Redaktionsleiter Alf Clasen moderierte. Neben von Knobelsdorff und Böttcher nahm daran auch Iwer Jensen teil, der Vorstandsvorsitzende der Team AG aus Süderbrarup. „Wir überlegen, für unsere weitere Expansion die IT-Versorgung zu verlagern. In Süderbrarup kommen wir aus heutiger Sicht nicht weiter“, sagte er. Auch Kühnezug hat in Schuby mit 6000 mBit/s eine extrem langsame Internet-Verbindung. „Im Ort ist die Versorgung teilweise um ein Vielfaches schneller, aber uns im Gewerbegebiet hat man irgendwie vergessen.“ Da war Knobelsdorffs Hinweis, dass Schleswig-Holstein mit einer Breitband-Quote von 23 Prozent im bundesweiten Vergleich ganz gut abschneide, ein schwacher Trost. Der Regierungsbeamte räumte ein, dass es an einer einheitlichen Strategie bei diesem Thema fehle und jeder Ort seine eigene Lösung suche.

Immerhin: Es gab auch Positives zu melden. Zum Beispiel sorgt die Dauerbaustelle auf der A  7 für weniger Staus als befürchtet. „Das hatte ich mir schlimmer vorgestellt“, sagte Iwer Jensen. Knobelsdorff versicherte: „Der Landesbetrieb arbeitet unter Volllast. Bis 2018 müssen wir mit einer Dauerbaustelle leben, aber dann haben wir eine sechsspurig ausgebaute Autobahn.“ Böttcher indes sorgte sich vor allem um die Rader Hochbrücke. „Als die Brücke vor zwei Jahren gesperrt war, haben wir teilweise keine Lkw mehr bekommen, um unsere Kräne abzutransportieren.“ Trotz solcher Schwierigkeiten werde sein Unternehmen dem Standort Schuby aber treu bleiben und die Produktion nicht ins Ausland verlagern, versicherte er. „Wenn ich mich international als Herr Böttcher aus Hamburg vorstelle, dann spüre ich immer wieder, welch hohes Ansehen Waren aus deutscher Produktion auf der ganzen Welt nach wie vor haben.“

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