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Hilfstransport Schleswig-Türkei : Langes Warten auf den Lastwagen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Muazzez Demiryürek schickte ihren 16. Hilfstransport mit 500 Kartons voller Kleidung sowie Krankenhausausstattung in die Türkei. Diesmal gab es ungewohnte Startschwierigkeiten.

Nach außen bewahrte Muazzez Demiryürek Fassung und wirkte ruhig wie immer – doch „ich habe Herzklopfen“, gab die Deutschtürkin zu. Denn bei ihrem inzwischen 16. Hilfstransport, den sie am Dienstag von Schleswig aus in Richtung Türkei schicken wollte, kam es zu unerwarteten Verzögerungen. „Der Lastwagen sollte um 8.30 Uhr hier sein, aber das war er nicht und wir haben keinen Kontakt zum Fahrer“, erklärte sie am Vormittag, warum sie „nahe am Herzinfarkt“ war.

„Sonst war immer der Lastwagen schon da und ich musste Helfer zusammenrufen“, meinte sie. Diesmal war es genau andersherum: Ein Dutzend Helfer stand in den Startlöchern, nur der Lkw fehlte. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als abzuwarten, jede Menge Kaffee und türkischen Tee zu trinken oder als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme die Kartons aus dem ersten Stock des Lagers am Ilensee schon mal ins Erdgeschoss zu tragen. Dabei hatten sich die Helfer das ganz anders vorgestellt und wollten mit einer eigens gebauten Konstruktion die Kisten direkt auf die Ladefläche rutschen lassen. Der Rest, darunter zwölf Krankenhausbetten, Nachttische, Rollatoren, Rollstühle, Krücken sowie eine Nähmaschine, sollten dann per Hebebühne folgen.

Statt nach Kartons griff Muazzez Demiryürek immer wieder zu ihrem Handy, um abwechselnd bei der Spedition sowie beim Zollamt in Flensburg anzurufen. Letzteres machte um 16 Uhr zu. Als endlich Kontakt zu Fahrer Muammar Tekin hergestellt war – er war wohl zu spät am Abfahrtsort Berlin losgefahren und hatte dann noch das Ende seiner Ruhezeit verschlafen – war sofort klar: Der Termin war nicht mehr zu schaffen. „Sowas habe ich noch nie erlebt“, sagte Muazzez Demiryürek, die den Fahrer eigentlich mit einem Frühstück in Schleswig hatte begrüßen wollen.

Nun aber musste sie die Pläne ändern und die Abfahrt in Richtung Kahramanmaras, eine Millionenstadt im südöstlichen Teil Anatoliens, um einen Tag nach verschieben. Aber ein Unglück kommt selten allein: Als der Lastwagen gegen 19 Uhr am Abend endlich da war, stellte sich heraus: Er hatte keine Hebebühne. Also musste die Fracht, darunter 500 Kartons gefüllt mit gespendeter Kleidung sowie Paketen für Waisenkinder, mit Muskelkraft auf die Ladefläche gehievt werden. Als der Lastwagen voll war und die Klappe schloss, strahlte Muazzez Demiryürek über das ganze Gesicht und bedankte sich bei allen Spendern und Helfern „aus der Türkei und meiner zweiten Heimat Deutschland“ sowie beim Deutschen Roten Kreuz, Diako und Helios-Klinikum. „Von Herzen allen Danke schön!“ Bevor die Spenden auf die Reise in die Türkei gehen konnten, war noch eine Hürde zu überwinden: Das Flensburger Zollamt, wo der Lastwagen geröntgt und die Lieferpapiere überprüft werden mussten.

Während Fahrer Muammar Tekin auf der mehrtägigen Reise nach Kahramanmaras neben Deutschland fünf weitere Länder durchquert, nimmt Muazzez Demiryürek den Flieger. Sonnabend werde sie dann „erledigt“ ins Hotelbett fallen, sagte sie, denn das bange Warten auf den Lastwagen habe sie geschafft: „Heute bin ich um ein Jahr gealtert.“

 

 

 

 

 

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erstellt am 03.Sep.2015 | 07:50 Uhr

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