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Schleswiger Nachrichten

23. August 2017 | 12:02 Uhr

Schleswig : Lange Straße: Falschparker nerven

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Altstadt ist trotz Verbots allabendlich von Autos zugestellt. Anwohner Peter Hartz klagt über versperrte Rettungswege und Lärm.

Er hat „einen total dicken Hals“. Das betont Peter Hartz gleich mehrfach. Allerdings könnte er auf diese Umschreibung seines Gemütszustandes auch verzichten. Denn man merkt es ihm auch so an. Sobald er anfängt, über das Thema zu sprechen, das ihm seit vier Jahren quer im Magen liegt, ist Hartz kaum noch zu stoppen. Die Falschparker im südlichen Teil der Langen Straße sind es, die ihn seitdem regelrecht um den Schlaf bringen – und die ihm den Spaß genommen haben am Wohnen in der Altstadt. „Eigentlich bin ich ganz bewusst vom Dorf aus hierher gezogen. Ich mag es, so zentral zu leben in einem dieser schönen Altbauten. Aber inzwischen frage ich mich, ob das nicht doch ein Fehler war“, sagt der 56-Jährige.

Was Peter Hartz so sehr aufregt, wird klar, wenn man bei ihm im Wohnzimmer sitzt. Erdgeschoss mit Fenstern direkt raus zur Langen Straße. Spätestens gegen 18 Uhr geht hier jeden Abend dasselbe Schauspiel los: Dann reiht sich dort, wo eigentlich ein Parkverbot gilt, ein Auto an das andere. Egal ob direkt vor seiner Wohnung oder auf der gegenüber liegenden Straßenseite. Die roten Streifen, die für Fußgänger zwischen Fahrbahn und Häuserzeilen freigehalten werden sollen, sind dann komplett zugestellt. „Da kommt keiner mehr dran vorbei. Manchmal ist es sogar kaum möglich, aus dem Haus zu kommen. Ich will nicht wissen, was passiert, wenn hier mal der Rettungsdienst oder die Feuerwehr in die Häuser muss“, klagt Hartz, der deswegen schon seit Jahren mehrfach im Rathaus vorstellig war. „Ohne dass außer leeren Versprechungen jemals etwas passiert wäre.“

Rund 30 Autos pro Tag, so schätzt er, sind es, die allein in dem Bereich rund um seine Wohnung falsch parken. Das mache 150 pro Woche und 600 im Monat. „Wenn die Stadt da mal Knöllchen verteilen würde, könnte sie sich ein goldenes Näschen verdienen“, sagt Hartz. Das wiederum habe man bereits versucht, um „dieses seit Jahren bekannte Problem“ zu lösen, erklärt Rathaus-Sprecherin Antje Wendt auf SN-Nachfrage. Allerdings ohne abschreckende Wirkung. Die Erfahrung habe gezeigt, „dass die Autofahrer dort, wo die Straße im verkehrsberuhigten Bereich eher breit ist, kein Unrechtsbewusstsein haben“. Dies sei besonders im südlichen Teil der Langen Straße der Fall. Die beiden für das Falschparken zuständigen Fachdienste, Bau- und Ordnungsamt, hätten sich nun jedoch darauf verständigt, demnächst bei einem gemeinsamen Termin nach weiteren Lösungsoptionen zu suchen. „Ziel ist es, einerseits eine möglichst dauerhafte Lösung zu finden, die andererseits das Problem nicht einfach auf andere Flächen verschiebt“, sagt Wendt.

Peter Hartz, der betont, auch im Namen seiner Nachbarn zu sprechen, kritisiert in erster Linie eine mangelhafte Beschilderung in der Altstadt. Tatsächlich gehört die Lange Straße zu einem großflächigen verkehrsberuhigten Bereich, der bereits in der Königstraße beginnt – und in dem man laut Straßenverkehrsordnung nur in gekennzeichneten Flächen parken darf. Das Problem: Bis auf ein blaues Schild, das in der Königstraße steht, gibt es keine weiteren Hinweise darauf. „Das reicht doch ganz offensichtlich nicht aus“, sagt Peter Hartz. „Die derzeitige Beschilderung ist aus Sicht der Straßenverkehrsbehörde ausreichend“, sagt Antje Wendt.

Dass dem wirklich so ist, zweifelt Hartz, als direkter Anwohner, derweil stark an. Nach zwei schweren Operationen an den Fußgelenken, nach denen er jeweils für längere Zeit auf einen Rollstuhl und Gehilfen angewiesen war, wisse er aus eigener Erfahrung nur zu genau, wie gefährlich ein Gang durch die Altstadt-Straßen sein kann, wenn links und rechts der Fahrbahn alles zugeparkt ist. Denn Schrittgeschwindigkeit fahre hier ja auch kaum jemand. Damit aber noch immer nicht genug: „Hinzu kommt auch noch der ganze Lärm. Fragen Sie mal die Anwohner, die hier direkt zur Straße raus wohnen, wie schön das ist, wenn den ganzen Abend über die Autotüren knallen oder beim Wegfahren noch fröhlich gehupt wird!“

 

 

 

 

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erstellt am 12.Mär.2015 | 07:56 Uhr

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