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Image-Kampagne : Landwirte wagen Flucht nach vorn

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Drei konventionell arbeitende Bauern kämpfen mit einer außergewöhnlichen Plakataktion für den guten Ruf ihres Berufsstandes.

Eines wird ganz schnell deutlich, wenn man mit Landwirt Peter Albrecht Nissen in diesen Tagen über seine Arbeit spricht: Er hat die Schnauze gestrichen voll. Nicht, dass er seinen Beruf an sich in Frage stellen würde. Aber in der Öffentlichkeit ständig an den Pranger gestellt zu werden, darauf hat der Tolker Schweinemäster „einfach keinen Bock mehr“, betont er und legt nach: „Seit Jahren werden wir konventionell arbeitenden Landwirte von Vorurteilen überrannt, und zu allem Überfluss wird dann auch noch von den Grünen Wahlkampf auf unserem Rücken gemacht“, sagt Nissen, spricht weiter von einer „Menschenjagd“ und schließt mit einer rhetorischen Frage: „Hat denn heute noch jemand Lust, so einen Job zu machen?“

Zumindest für sich selbst beantwortet der Landwirt diese Frage weiterhin mit einem klaren Ja. Gleiches gilt für seinen Kollegen Thomas Asmussen aus Gelting. Und deshalb kämpfen die beiden nun gemeinsam für den guten Ruf ihres Berufsstandes. „Wir wollen den Menschen zeigen, was Landwirtschaft wirklich bedeutet. Sie sollen erfahren, dass das, was wir in unseren Ställen machen, Gründe hat“, sagt Asmussen. Deshalb hat er sich der Initiative „Bauernhöfe statt Bauernopfer“ der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) angeschlossen. Deren Ziel ist es, das Image insbesondere von Mastbetrieben in der öffentlichen Wahrnehmung zu verbessern. Mitmachen kann jeder, ganz individuell.

Seit gut einer Woche hängen nun verteilt im Kreisgebiet zehn Plakate, auf denen einige Landwirte aus der Region Werbung für ihre Arbeit machen – und gleichzeitig die Verbraucher einladen, ihnen bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Titel der Plakataktion: „Glauben Sie keine Schauermärchen über unsere Tierhaltung. Wir Landwirte zeigen Ihnen gerne die Realität – kommen Sie vorbei!“ Auf Fotos gewähren Asmussen und Nissen passend dazu erste Einblicke in ihre Ställe. Gleiches gilt für Milchviehhalter Knud Johannsen aus Munkwolstrup. Auch er ließ sich gerne von Thomas Asmussen dazu überreden, bei der ungewöhnlichen Image-Aktion mitzumachen. „Viele Menschen haben heute noch immer eine Bilderbuch-Landwirtschaft im Kopf. Es wird höchste Zeit, dieses Bild einmal der Realität anzupassen“, sagt er.

Kämpfen müssen die Landwirte dabei allerdings gegen eine ganze Reihe von Vorwürfen, mit denen die moderne Massentierhaltung seit Jahren konfrontiert wird: Lebensmittelskandale, Tierquälerei, Medikamentenmissbrauch, Genfutter, Güllemassen. Die Liste ist lang, wie auch Thomas Asmussen weiß. „Aber Fakt ist auch, dass die Tierhaltung, egal ob bei der Ernährung, der Stalltechnik oder auch im Bereich der medizinischen Versorgung, nie so gut war wie heute“, meint er voller Überzeugung. Genau deswegen könnten sich interessierte Menschen gerne bei ihm melden, um einmal einen Blick hinter die Kulissen seines Mastbetriebes zu werfen. „Ich möchte moderne Landwirtschaft gern einmal neutral, das heißt fern von Vorurteilen, präsentieren. Letztlich sitzen Verbraucher und Erzeuger doch in einem Boot. Schließlich stellen wir uns mit unserer Arbeit auf das ein, was im Supermarkt nachgefragt wird“, sagt der Geltinger und beklagt, dass Fleisch heutzutage viel zu oft verramscht werde. Und was im Laden wenig Geld koste, müsse leider in der Produktion möglichst kostengünstig sein. „Am Ende aber schiebt man uns den Schwarzen Peter zu“, wirft Peter Albrecht Nissen ein, „dass man nicht einmal mehr guten Gewissens sagen kann, dass man Landwirt ist, ist doch traurig.“

Genau das soll sich mit Hilfe der regionalen Image-Kampagne, deren Umsetzung durch Spenden unter anderem aus der Futter- und Pharma-Industrie sowie von einzelnen Landwirten finanziert wird, nun ein Stück weit verbessern. „Denn wenn man Dinge vernünftig erklärt, gehen den meisten Menschen ja doch die Augen auf“, hofft Thomas Asmussen.

>bauernhoefe-statt-bauernopfer.de

 

 

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erstellt am 09.Okt.2013 | 15:00 Uhr

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