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Schleswiger Nachrichten

16. Dezember 2017 | 18:07 Uhr

Schleswig : Landwirte gehen in die Offensive

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Glaubwürdigkeit, Transparenz, Echtheit, Ehrlichkeit – mit neuer Strategie soll das Image des Berufsstandes verbessert werden.

von
erstellt am 18.Feb.2015 | 07:42 Uhr

Die Empfindungen vieler Berufskollegen brachte gegen Ende des Kreisbauerntages Hans Jürgen Harder auf den Punkt. „Die Gesellschaft tritt uns mit Füßen“, sagte der Landwirt. Und genau diese Grundstimmung war Thema der Veranstaltung gestern Vormittag im Schleswiger Hotel „Hohenzollern“. Wohl selten zuvor hatte es bei einem Bauerntag so viele nachdenkliche Gesichter gegeben wie bei dem Vortrag von Werner Schwarz, dem Präsidenten des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, zum Thema „Bauern unter Beobachtung – Wie man uns sieht und was wir tun können“.

Schwarz appellierte zunächst an das Selbstwertgefühl der Bauern. „Wir sind die Fachleute und erfüllen höchste Standards bei der Produktion von Lebensmitteln, und wir achten darauf, dass frische Luft, sauberer Boden und klares Wasser erhalten blieben. Was denn sonst – das ist doch unsere Arbeitsgrundlage“, sagte Schwarz. „Wir machen die Menschen statt, sorgen für erneuerbare Energien und pflegen die Kulturlandschaft – und das alles nachhaltig in unternehmerisch geführten Familienbetrieben.“

Dennoch stehe die Landwirtschaft immer stärker unter Beobachtung – und werde immer häufiger zur Zielscheibe von Kritik und Angriffen. Maisanbau, defekte Feldwege, Gammelfleisch, Tierhaltung und -transporte, die Nutzung von Antibiotika – in allen Bereichen gebe es heftige Kritik an der Landwirtschaft und an einzelnen Bauern, die häufig auch unter die Gürtellinie ziele.

Schwarz sprach damit ein Thema an, das den Bauern schon lange auf der Seele liegt und sie auch zermürbt. Und der Präsident präsentierte eine Strategie, mit der verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen werden soll. „Wir haben in den vergangenen 30 Jahren zu wenig getan, um die Bürger mitzunehmen“, merkte er selbstkritisch an. Es reiche einfach nicht aus, sich zurückzuziehen und Kritik auszusitzen. Die neue Strategie des Bauernverbandes ist es, nicht länger den Gegnern das Heft des Handelns zu überlassen, sondern selbst in die Offensive zu gehen. Basis dafür sind die Schlagworte Glaubwürdigkeit, Transparenz, Echtheit und Ehrlichkeit. Jeder einzelne Bauer müsse sich als Botschafter in dieser Sache verstehen, denn nur er sei in seiner Heimat anerkannt und könne Glaubwürdigkeit vermitteln. „Wir müssen den Menschen erklären, was wir tun und warum wir etwas tun“, forderte er.

Und dabei müssten auch kritische Themen angesprochen werden. Einige Beispiele nannte Sönke Hauschild, der beim Bauernverband für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist: Da gibt es einen kleinen Film, der Kinder im Schulbus und Schweine im Transporter zeigt – in kurzen Sequenzen im Wechsel und mit vertauschten Tonspuren. Oder die Webcam, die seit zwei Jahren im Schweinestall von Werner Schwarz hängt. Diese provozierenden und wirklichkeitsgetreuen Aktionen haben teilweise heftige Reaktionen hervorgerufen. Aber sie haben Diskussionen befördert, die sich der Bauernverband wünscht. „Wir dürfen die Bilder nicht unseren Gegnern überlassen“, heißt die Devise. Die Bauern wollen eine ehrliche Diskussion über ihre Arbeit anstoßen und gehen in die Offensive. Dafür sollen viele persönliche Gespräche, besonders aber die sozialen Medien im Internet wie Facebook und Whatsapp genutzt werden.

„Der Schritt in die Öffentlichkeit dient auch unserem Erfolg“, sagte der Bauernpräsident, räumte aber auch ein, dass es zehn Jahre dauern könne, bis ein echter Imagewandel sichtbar werde. „Wir dürfen uns die Themen nicht von außen aufdrängen lassen. Jeder Einzelne von uns muss daran arbeiten, dass wir endlich so gesehen werden, wie wir wirklich sind.“

Dass die neue Strategie auch mit lange geübten Verhaltensweisen bricht, ist Werner Schwarz bewusst: „Meine Vorgänger haben häufig laut auf den Tisch gehauen. Aber die Zeiten ändern sich. Mit Getöse kommen wir heutzutage nicht mehr durch.“

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