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Erinnerungsstätte ohne Pflegebedarf : Landesweit erster „Memoriam-Garten“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der erste „Memoriam-Garten“ in Schleswig-Holstein wurde jetzt auf dem Friedhof in Grundhof eingeweiht. Mit diesem Angebot will die Kirche gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung tragen.

Der erste „Memoriam-Garten“ in Schleswig-Holstein wurde jetzt auf dem Friedhof in Grundhof mit einer Feierstunde seiner Bestimmung übergeben. Mit diesem Angebot will die Kirche gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung tragen.

Pastor Arne Gerundt wies darauf hin, dass sich auch auf dem Land das Friedhofswesen verändere und neue Lösungen erforderlich seien. Das seit Generationen genutzte Familiengrab verliere zunehmend an Bedeutung. Vielfach wohnten Angehörige nicht mehr in der Nähe und übernähmen die Grabpflege. Die seit einigen Jahren verstärkt praktizierte anonyme Bestattung lasse allerdings außer Acht, „dass Erinnerung an einen Verstorbenen einen bestimmten Ort braucht. „Der Tod ist ein öffentliches Ereignis und darf in der Öffentlichkeit nicht vergessen werden.“

Die neue Form der Beisetzung biete eine gute Möglichkeit, einerseits den geänderten gesellschaftlichen Gegebenheiten Rechnung zu tragen und andererseits trotzdem einen Ort der Trauer zu schaffen.

Der Memoriam-Garten (memoria = Gedenken, Erinnerung) wurde von der örtlichen Gärtnerei Müller bereits hergerichtet und bepflanzt. Dazu gehören vom Flensburger Steinmetzbetrieb Höch gestaltete Granitstelen und -würfel für die Namen der Toten. Unterschiedliche Felder sind vorgesehen für Erd- oder Urnenbestattungen, einzeln oder mit Partner. Die besonders eingefasste „Insel unter den Linden“ bietet ein Mehrfachgrab nur für Urnenbeisetzungen.

Die neue Anlage an der östlichen Friedhofsmauer stellt eine Alternative zu anonymen Bestattungsformen dar. Dabei ist die Pflege des Grabes für die Dauer der gesamten Ruhefrist sichergestellt. Zu diesem Zweck wird mit der Gärtnerei und der Treuhandstelle für Dauergrabpflege Schleswig-Holstein in Kiel ein Dauergrabpflege-Vertrag zu festen Preisen abgeschlossen.

Geschäftsführerin Nadia Reumann bezeichnete den Memoriam-Garten als „kostengünstige und pietätvolle Ruhestätte, die bereits vorher komplett hergerichtet ist“. Die Hinterbliebenen seien von der Grabpflege völlig entlastet. Der Garten werde dreimal jährlich mit der Jahreszeit wechselnd bepflanzt und regelmäßig von der Treuhandstelle überprüft.

Das Friedhofswesen ist grundsätzlich eine kommunale Aufgabe, die die politischen Gemeinden vor Ort der Kirchengemeinde übertragen haben. Grundhofs Bürgermeister Bernd Wunder lobte den besonderen Charakter der neu geschaffenen Anlage. Sein Langballiger Kollege Peter Dietrich Henningsen sah in ihr einen gelungenen Ort der Trauerbewältigung und Erinnerung. Dieser fehle, wie mehrfach an ihn herangetragen worden sei, bei den Seebestattungen, die von Langballigau aus erfolgen.

Bei der Begrüßung hatte Gärtner Torsten Müller dem Kirchengemeinderat für seine Offenheit gegenüber dieser neuen Bestattungsform gedankt. Im Vorfeld der Einweihung habe es bereits eine große Nachfrage gegeben.

Die Kostenspanne im „Memoriam-Garten“ reicht von 1176,15 Euro für ein Urnengrab bis zu 8194,48 Euro für ein Partnerwahlgrab mit Erdbestattung.

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