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Von Schleswig nach Rendsburg : Landestheater-Umzug: „Für Wehmut ist es noch zu früh“

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

80 Landestheater-Mitarbeiter bereiten sich auf den Umzug nach Rendsburg im Sommer 2016 vor. In Schleswig ist derweil die Diskussion über die Zukunft der Spielstätte im Slesvighus neu entfacht.

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erstellt am 29.Jun.2015 | 12:28 Uhr

Peter Grisebach wird nicht nach Rendsburg ziehen. Jedenfalls nicht privat. „Ich bin mit meiner derzeitigen Wohnsituation sehr glücklich“, sagt der Generalintendant des Landestheaters. Sein Weg ins Büro aber wird länger. Am Freitagabend beschloss die Gesellschafterversammlung des Landestheaters, im Sommer 2016 den Hauptsitz des Unternehmens nach mehr als 40 Jahren von Schleswig nach Rendsburg zu verlegen. Die Entscheidung hatte niemanden mehr überrascht. Doch für Schleswig ist dies ein historischer Einschnitt.

„Für Wehmut ist es noch zu früh“, meint Grisebach. Schließlich stehe noch eine komplette Spielzeit in Schleswig vor ihm und seinen 80 Mitarbeitern, die ebenfalls umziehen werden. Schauspieler, Maskenbildner, Schneider, Buchhalter – sie alle sind von der Entscheidung der Gesellschafterversammlung betroffen. „Dass es so kommen würde, habe ich vorhergesagt, als die Ratsversammlung im Frühjahr 2014 gegen den Theater-Neubau auf dem Hesterberg gestimmt hat“, sagt Grisebach. „Trotzdem freue ich mich nicht, dass ich Recht behalten habe.“ Der logistischen Herausforderung, die der Umzug bedeutet, sieht er gelassen entgegen. Schließlich habe man damit inzwischen Erfahrung. Grisebachs letzter Umzug liegt erst ein Jahr zurück. Bevor das einsturzgefährdete Stadttheater abgerissen wurde, musste er sein Büro im Lollfuß räumen und sich übergangsweise in der historischen Kommandantur auf der Gottorfer Schlossinsel einquartieren. Das denkmalgeschützte Gebäude der Generalintendanz steht zwar noch, ist aber sanierungsbedürftig.

Auch wenn in Schleswig ab dem kommenden Jahr kein Theater mehr produziert wird, soll die Stadt Spielort bleiben. Ob dazu die derzeitige Übergangsspielstätte im Slesvighus dauerhaft angemietet wird, entscheidet die Ratsversammlung frühestens auf ihrer Sitzung am 13. Juli. Der Hauptausschuss hat zwar eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen, das Votum stehe aber noch keineswegs fest, betont CDU-Fraktionschef Holger Ley. Das Slesvighus sei „die denkbarste, weil am ehesten zu finanzierende Lösung“. Es seien aber auch andere Lösungen vorstellbar. Aus Sicht der CDU komme weiterhin eine multifunktionale Halle auf dem Theatergrundstück im Lollfuß in Frage – oder die „Heimat“ auf der Freiheit. Diese Variante hatte die Freiheit-Entwicklungsgesellschaft Team Vivendi vor wenigen Tagen in einem offenen Brief ins Gespräch gebracht. Grisebach möchte das nicht kommentieren. Er sagt lediglich: „Ich bin sehr zufrieden mit der Entscheidung für das Slesvighus. Das sollte man nicht wieder in Frage stellen.“ Schwachstellen wie zum Beispiel die Belüftung im Saal wolle man nun beheben.

Indes betont auch SPD-Ratsfraktionschef Stephan Dose, dass eine Entscheidung für das Slesvighus nicht bedeute, dass alle anderen Varianten dauerhaft vom Tisch seien. „Die weitere Anmietung ist wichtig, um keine Lücke im Spielbetrieb entstehen zu lassen.“ Allerdings solle man sich nicht von vornherein für die gesamten nächsten zwölf Jahre festlegen. Auch Dose hält die „Heimat“ für einen möglichen Standort. „Die Aussagen aus dem offenen Brief sind jedoch überraschend, weil die SPD-Fraktion diese Möglichkeit erst vor wenigen Monaten gegenüber Team Vivendi thematisiert hat und die Antwort war, dass das Gebäude wohl bald abgänig sei“, sagt Dose, der in dem offenen Brief ein Druckmittel zur Rettung der „Heimat“ vermutet. „Das Verhalten von Team Vivendi ist dazu geeignet, auch das letzte Vertrauen in die dort handelnden Akteure zu verspielen“, meint Dose.

Nicht nur über die Spielstätte muss die Ratsversammlung noch entscheiden, sondern auch über Schleswigs Rolle als Gesellschafter des Landestheaters. Der Hauptausschuss hat empfohlen, den Vertrag – anders von Bürgermeister Arthur Christiansen im Frühjahr ins Gespräch gebracht – nicht zu kündigen. Holger Ley kritisiert das. Er meint, eine vorsorgliche Kündigung würde der Stadt die Möglichkeit geben, den eigenen Gesellschafterbeitrag zu günstigeren Konditionen neu auszuhandeln. Den Vertretern von SPD, SSW und Grünen wirft er vor, ihnen gehe es „nur noch darum, das Landestheater auf Kosten Schleswigs zu retten, damit Kulturministerin Anke Spoorendonk nicht im Regen steht“.

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