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Nach Theater-Abriss : Landestheater SH: Schleswig steigt aus

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kein Geld aus Kiel: Bürgermeister Christiansen kritisiert Ministerin Spoorendonk. Die Kündigung des Gesellschaftervertrages ist zum 31. Juli geplant.

Schleswig | Betretenes Schweigen herrschte Dienstagnachmittag im Schleswiger Rat, nachdem Bürgermeister Arthur Christiansen seine Ausführungen zum Theater-Drama beendet hatte. Die Stadt Schleswig als eine der Hauptgesellschafterin der angeschlagenen Landestheater GmbH werde zum 31. Juli die Kündigung einreichen, hatte der Bürgermeister den Mitgliedern des Bauausschusses erklärt. „Ich habe den Eindruck, dass nur noch Optionen ohne Schleswig geprüft werden sollen. Dann können wir leider nicht mehr zur Leistungsfähigkeit des Landestheaters beitragen.“

Christiansen reagierte damit auf die Äußerungen von Kulturministerin Anke Spoorendonk. Die SSW-Politikerin hatte am Vortag kategorisch ausgeschlossen, dass das Land Geld für einen Theater-Neubau im Lollfuß bereitstellt – und damit quasi den Sargnagel in das Projekt getrieben. Der Bürgermeister hatte Mühe, an sich zu halten, als er seine Stellungnahme vorlas, hatte Spoorendonk ihm doch vorgehalten, dass er zu hoch gepokert hätte.

„Ich bedauere die Aussagen der Ministerin sehr. Wir haben weder zu hoch gepokert, noch laufen wir einer Vision hinterher“, sagte Christiansen. Stattdessen habe man viel Geld in die Hand genommen, um eine Vielzahl von Szenarien zu prüfen, wie die Spielstätte Schleswig und damit das gesamte Landestheater überlebensfähig sein könnten. „Ohne Schleswig geht es nicht. Aber Schleswig darf es wohl nicht wollen“, betonte der frustrierte Bürgermeister.

Zwar hatten sich die Ereignisse längst überschlagen, dennoch durften am Dienstag wie zum Trotz zwei Architekten des Hamburger Planungsbüros DFZ im Rathaus ihre Machbarkeitsstudie zum Neubau eines „Kerntheaters“ am Standort des inzwischen abgerissenen Bühnenhauses präsentieren. Die vier Varianten hätten zwischen 17 und 19,5 Millionen Euro verschlungen.

Die Stadt selbst wollte fünf Millionen beisteuern, der Kreis Schleswig-Flensburg eine Million. Der Rest hätte vom Land und aus dem kommunalen Investitionsfonds kommen sollen. Wie Kiel haben jedoch auch die kommunalen Spitzenverbände dem Vorhaben eine Absage erteilt.

Spoorendonk hatte Schleswig empfohlen, mit eigenen Mitteln eine Stadthalle zu bauen, in der auch Theateraufführungen stattfinden könnten. Auch für Christiansen steht fest: „Schleswig benötigt ein Kulturhaus.“ Über Form und Standort seien aber erst zu gegebener Zeit zu beraten.

Die SPD hat sich schon Gedanken über Standorte für eine Multifunktionshalle gemacht. Fraktionschef Stephan Dose und der Bauausschussvorsitzende Klaus Bosholm brachten neben dem Lollfuß die Freiheit und das jetzige Krankenhaus ins Spiel. Zugleich gelte es aber, das Landestheater als Ganzes zu erhalten „denn wir als Stadt haben das Problem verursacht“, wie Bosholm mit Verweis auf die abgelehnte Hesterberg-Variante meinte. Daher gelte es zunächst, das Slesvighus weiter als Ausweichspielstätte nutzen zu können.

Die Kündigungsfrist für den Gesellschaftervertrag beträgt vier Jahre. Das heißt, bis Mitte 2019 muss Schleswig weiter seinen Gesellschafterbeitrag von 500.000 Euro pro Jahr leisten. Christiansen geht davon aus, dass Schleswigs Kündigung eine „Welle des Nachdenkens“ bei den anderen Gesellschaftern der Landestheater GmbH nach sich ziehen werde, die das gesamte Konstrukt in Gefahr bringen dürfte. „Das tut mir vor allem für die Mitarbeiter des Theaters sehr leid.“

CDU-Fraktionschef Holger Ley sieht die Schuld einzig und allein bei Kulturministerin Spoorendonk. Sie habe nicht nur das Theater in Schleswig beerdigt, sondern „gleichzeitig mit einem Federstrich auch das Schleswig-Holsteinische Landestheater“.

Spoorendonk erklärte am Mittwoch, die Empörung in Schleswig sei „nur bedingt nachvollziehbar“, es sei nichts Neues entschieden worden. „Niemand hat je erklärt, dass etwa für einen Neubau an alter Stätte die gleichen Finanzmittel zur Verfügung stünden.“ In einem laufenden Gutachten sollten Alternativen zum großen Neubau geprüft werden. Ihr Interesse gelte dem Landestheater. „Welche Rolle die Stadt Schleswig hierin spielen will und wird, werden die kommenden Wochen zeigen.“

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Landestheaters, Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast, zeigte sich am Mittwoch enttäuscht. Man hätte auch über eine Verlängerung der Kündigungsfrist reden können, auch ein geringerer Gesellschafterbeitrag oder ein Verbleiben als einfacher Gesellschafter könne diskutiert werden. „Ich verstehe das Vorpreschen nicht.“ Ergebnisse eines Gutachtens sollen Gilgenast zufolge Ende April in einer Sitzung von Aufsichtsrat und einer Strategiegruppe vorgestellt werden.

Für Generalintendant Peter Grisebach ist Schleswig „Verursacher des Problems“. Dass Christiansen offenbar nach einer Absage seiner Maximalforderungen nun „gar nichts mehr“ machen wolle, „das nehme ich dem Bürgermeister übel“, erklärte Grisebach. Sollte es zur Kündigung kommen, befürchtet er Nachahmer unter den anderen Gesellschaftern. Auch wenn es keine Erhöhung der Beiträge der übrigen Gesellschafter gibt, sei ein psychologischer Effekt möglich.

Als Spielort soll Schleswig erhalten bleiben, hofft Grisebach. Die Stadt möge „bitte zur Besinnung kommen“. Die finanzielle Bilanz für die laufende Spielzeit sieht ungeachtet aller Diskussionen gut aus. Er werde wohl ohne Minus abschließen, sagte Grisebach.

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erstellt am 01.Apr.2015 | 15:00 Uhr

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