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Streit um Schleswiger Lollfuss : Landestheater: CDU fordert Prüfstatiker

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Union präsentiert neue Erkenntnisse zum alten Theatergebäude. Ingenieur Günther Harenberg: „Das statische Problem wäre für 200.000 Euro zu lösen“.

shz.de von
erstellt am 22.Feb.2014 | 12:45 Uhr

Schleswig | In der Theaterfrage will die Schleswiger CDU nun schwerere Geschütze gegen den strikten Kurs von Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) auffahren. Und damit trifft sie offenbar den Nerv ihrer Mitglieder ebenso wie den vieler Schleswiger. Das jedenfalls zeigte die fast kämpferische Anti-Hesterberg-Stimmung in der CDU-Versammlung am Donnerstag im voll besetzten Hohenzollern-Saal. Da hatte auch Bürgermeister Arthur Christiansen, der seine Verwaltungsvorlage zum Theaterbau auf dem Hesterberg für den Ratsbeschluss am 27. Februar erläuterte, keinen leichten Stand.

Geradezu einen elektrisierenden Effekt hatte auf viele Zuhörer die Mitteilung von CDU-Fraktionschef Holger Ley, dass man nach neuesten Erkenntnissen das alte Theaterhaus am Lollfuß vielleicht doch noch sanieren könnte, und zwar zu einem Bruchteil der bisher veranschlagten Kosten. Ley: „Wir werden einen Antrag stellen, um diese Option prüfen zu lassen.“ Sollten amtliche Prüfstatiker doch zu dem Ergebnis kommen, eine Sanierung sei auszuschließen, will sich die CDU-Fraktion weiterhin für ein neues Bühnenhaus am alten Standort Lollfuß einsetzen. Ein entsprechender Antrag werde gestellt, kündigte er unter starkem Beifall an. Leider sei unter dem Vorgänger des jetzigen Bürgermeisters trotz mehrmaliger Aufforderung durch die CDU der Standort Lollfuß nie geprüft worden. Voraussetzung für den Neubau sei aber: „Es darf nicht mehr als fünf Millionen kosten.“

Ob die CDU in der kommenden Ratsabstimmung am 27. Februar die Grünen, die Ein-Mann-FDP sowie die beiden Wählergemeinschaften wiederum zu ihren Verbündeten zählen kann, ist noch nicht bekannt. Wenn ja, würde es erneut zu einem Patt (13:13) kommen – und damit zu einer Ablehnung des Theaterprojekts auf dem Hesterberg.

Tatsache ist, dass die Grünen-Fraktion um Johannes Thaysen, FDP-Mann Jürgen Wenzel und die Vertreter der Wählergemeinschaften zu der CDU-Veranstaltung erschienen waren. Dass außerdem Abgesandte der SPD sowie einige SSW-Getreue, die die Spoorendonk-Linie mittragen, in den Besucherreihen zu sehen waren, zeigt die Brisanz des Themas im Vorfeld der Ratssitzung.

Und einer war auch gekommen: Der von der CDU zitierte Bauexperte. Es ist Günther Harenberg aus Boren, Diplom-Ingenieur und zugelassener Statiker. Am Ende der Veranstaltung war er umringt von Fragestellern aus dem Publikum, die mehr über die Chancen wissen wollten, das alte Schleswiger Stadttheater „wieder auf die Beine zu stellen“. Harenberg hatte in diesen Tagen nach einigen vergeblichen Anläufen eine Erlaubnis durch Bürgermeister Christiansen erhalten, das leer stehende Theaterhaus im Lollfuß inspizieren zu dürfen. Anschließend habe er noch einen Experten aus Hamburg zu Rate gezogen, sagte er. Vor der CDU-Versammlung zeigte sich Harenberg überzeugt davon: „Für einen Kostenaufwand von bis zu 200 000 Euro ließe sich das statische Problem beheben.“ Seine Expertise wolle er der Stadt kostenlos zur Verfügung stellen. „Denn wenn das Theaterhaus im Lollfuß nicht zu retten wäre, dann wäre ja wohl auch fast jedes zweite alte Haus in Schleswig einsturzgefährdet.“

Die CDU will nun wissen, wer Recht hat: Der von der Stadt beauftragte Statiker Günter Korsch (er hatte vor zwei Jahren die Sperrung des Theaterhauses dringlich gemacht) oder Günther Harenberg, der eine Sanierung für durchaus machbar hält. Wie Holger Ley und Ortsvorsitzender Helge Lehmkuhl erklärten, möchten sie beide Meinungen durch einen unabhängigen amtlichen Prüfstatiker (möglichst nicht aus Schleswig-Holstein) bewerten lassen. Den Vorschlag von Bürgermeister Christiansen, Pro und Contra von beiden Statikern in einer Bauausschusssitzung auszutragen und danach durch die Politiker ein Urteil fällen zu lassen, lehnt die CDU ab. Lehmkuhl: „Ein Laiengremium wie wir kann über die baulichen und technischen Dinge nicht entscheiden. Das kann nur ein Prüfstatiker.“

Empörung kam auf in der Versammlung bei der Schilderung Harenbergs, dass das Theatergebäude schon regelrecht „ausgeschlachtet“ worden sei. Nicht nur 162 Sitze, sondern auch Geländer, Garderoben, Messingtürknöpfe und Teile der technischen Anlagen seien abmontiert worden. Frank Neubauer, früherer Ortsverbandsvorsitzender, forderte daraufhin Arthur Christiansen auf, Strafanzeige gegen die Personen zu stellen, die das getan hätten: „Sonst übernehme ich das!“ Denn auf diese Weise „haben wohl einige Leute Tatsachen schaffen wollen“, bevor der Abbruch im Juni vorbereitet werden soll.

Zum 14,1-Millionen-Projekt auf dem Hesterberg sagte Steffanie Hildebrandt (Finanzausschussvorsitzende): „Eine Schlei-Philharmonie muss vermieden werden.“ Der Investitionsanteil der Stadt für das neue Bühnenhaus dürfe auf keinen Fall die Fünf-Millionen-Grenze überschreiten. Allerdings befürchte sie weitaus höhere Kosten, die auf Schleswig zukommen könnten: „Denn die üblichen Kostensteigerungen, die bei einem Bau dieser Größe auftreten werden, sehe ich in der Kalkulation nicht berücksichtigt.“

Ley und Lehmkuhl kritisierten mehrmals das Vorgehen von Spoorendonk. „Sie übt Druck auf die Schleswiger Ratsmitglieder aus, um ihr Projekt auf dem Hesterberg durchzusetzen – gegen den Willen vieler Schleswiger.“

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