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Baugebiet : „Landesplanung blockiert Silberstedt“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Erweiterung des Neubaugebiets steckte in der Warteschleife. Bürgermeister Peter Johannsen ärgert sich über lange Bearbeitungszeit

von
erstellt am 21.Dez.2016 | 11:27 Uhr

Eigentlich ist Silberstedt als zentraler Ort in einer vergleichsweise privilegierten Position. Da der Ort an der Bundesstraße 200 aufgefordert ist, überörtliche Verpflichtungen wahrzunehmen, darf er im Gegensatz zu seinen Nachbarn ohne große Auflagen wachsen. Bürgermeister Peter Johannsen ist dennoch frustriert. Immer wieder melden sich bei ihm Interessenten mit der Frage nach Bauplätzen, er kann zurzeit aber nicht weiterhelfen. Die Landesplanung, so der Bürgermeister, blockiert die Entwicklung des Ortes.

Dabei ist in Silberstedt selbst alles so weit geregelt, wie es auf dieser Ebene möglich ist. Vor zwei Jahren gab es die letzte Erweiterung des Baugebietes „Sicht“ mit 26 Baugrundstücken. „Da ist schon längst nichts mehr zu haben“, sagt Johannsen, „deshalb haben wir auch sehr bald die nächste Erweiterung geplant“. Diesmal sollen es im Westen des Dorfes 35 Grundstücke werden, auf denen 55 Wohneinheiten entstehen können. „Auch dafür gibt es schon Anfragen genug, aber ich muss die Interessenten leider vertrösten. Wir können mit der Erschließung leider noch nicht beginnen“, beklagt sich der Bürgermeister. Das Problem ist seiner Meinung nach die Landesplanung. „Die schleppende Bearbeitung dort ist eine echte Investitionsbremse.“

Die Gemeinde selbst steht nach Aussagen des Bürgermeisters schon seit einiger Zeit in den Startlöchern. Die Landesplanung wurde im Oktober um eine Stellungnahme gebeten, im Winter sollte die Ausschreibung für die Erschließungsarbeiten erfolgen. Da bisher immer noch kein Bescheid aus Kiel vorliegt, hat die Gemeindevertretung den Bebauungsplan zuletzt schon mal ohne diese notwendige Auskunft beschlossen. „Möglich, dass wir später nacharbeiten müssen, aber wir sind jedenfalls soweit“, sagt Johannsen.

Eine höfliche Nachfrage in der Landesplanung brachte kein greifbares Ergebnis, dafür aber interessante Einblicke in das, was in der Behörde so vor sich geht. „Es wurde mitgeteilt, dass sich die Stellungnahme in der Bearbeitung befinde, erklärt der Silberstedter Bürgermeister, es werde noch einige Tage dauern, bis diese versendet werden könne. Eine genauerer Einschätzung wollte der Sachbearbeiter nicht abgeben. Er wies allerdings darauf hin, dass sich auf seinen Schreibtisch etwa 100 Anzeigen stapeln. Er sei bemüht, diese zeitnah abzuarbeiten, dies gelinge jedoch „aufgrund zunehmender Arbeitsverdichtung“ leider immer seltener. „So können aus Tagen auch Monate werden“, kommentiert Johannsen trocken.

An der langen Leitung des Ministeriums hängt aber nicht nur die Wohnbebauung in Silberstedt. Gleiches gilt für den Bebauungsplan des ehemaligen Depots – der Eigentümer will dort unter anderem Lager, Großhandel, Gewerbe, Wohnmobilstellplätze, eine Festhalle und ein Hostel einrichten. Aber das kann noch dauern.

Kompliziert gestaltet sich nach den Erfahrungen des Silberstedter Bürgermeisters auch die Bereitstellung der Infrastruktur, die notwendig ist, um den Ort für Neubürger interessant zu machen. Dafür wird im Amt ein so genannter Masterplan erarbeitet, in dem unter anderem die medizinische Versorgung sichergestellt werden soll. „Es ist absehbar“, so Johannsen, „dass einige Ärzte in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen“. Was ein gemeinsames Vorgehen der Kommunen betrifft, ist er sehr skeptisch: „Ich bin mir sicher, dass jeder Bürgermeister versucht, die beste Lösung für seinen Ort zu erreichen. Diese Art von Kirchturmdenken haben wir zuletzt auch in der Diskussion über die Grundschulstandorte beobachten können.“

Im Vordergrund steht aber der Ärger über die schleichende Bearbeitung in Behörden. „Manchmal hat man den Eindruck, Deutschland behindert sich selbst in diesem Verwaltungslabyrinth. Das macht mich wirklich unfroh.“

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