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Ulsnis : Landarzt-Café: In einem Jahr ist Schluss

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Betreiberin Hedda Krog kündigt ihren Ruhestand an. Am 21. Oktober 2015 schließt das beliebte Café für immer seine Türen. Krog will das aus dem TV bekannte Gebäude in Ulsnis privat nutzen.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Das Café Krog ist in Angeln eine Institution. Die Qualität der Torten hat den Ruf des Hauses geprägt, die überregionale Bekanntheit indes rührt woanders her: Denn am wöchentlichen Ruhetag – dem Montag – stand hin und wieder an Stelle von Betreiberin Hedda Krog die Schauspielern Caroline Scholze hinter der Kuchentheke – als Maren, die in der ZDF-Serie „Der Landarzt“ nicht nur Hauptdarsteller Wayne Carpendale mit Leckereien umsorgte. Die beliebte Fernsehserie wurde Ende 2012 nach 25 Jahren und 297 Folgen eingestellt, und nun kündigt Hedda Krog auch das Ende ihres Kult-Cafés an. In einem Jahr werden Fans und Touristen auf den Spuren von Dr. Bergmann und Co. in Ulsnis vor verschlossenen Türen stehen. Dann ist nach dem Film-Café Janzen auch das Original verschwunden.

Am 31. Oktober 2015 ist Schluss, sagt Hedda Krog. „Bis dahin werden wir mit Vollgas weiterarbeiten“, erklärt die Wirtin. Sie wolle den Schließungstermin dennoch möglichst früh bekannt machen, um ihren Gästen Planungssicherheit zu geben, sagt sie. Denn es gäbe bereits Buchungsanfragen, die über diesen Zeitpunkt hinaus gingen.

Doch was bringt eine Geschäftsfrau dazu, ein Erfolgsmodell wie das Café Krog zu schließen? „Weil wir Rentner werden“, ist Krogs Antwort. Sie habe bereits bei Gründung des Cafés gesagt, dass sie mit 63 Jahren aufhören wolle. Sie sei selbst ein wenig überrascht, dass es im nächsten Jahr schon soweit ist. Und da kein Nachfolger in Sicht sei, werde eben geschlossen. Und das unwiderruflich, denn das Gebäude wird nicht als Café weiterbetrieben. Es sei von Anfang an geplant gewesen, dieses Haus zu einem Ruhesitz für sich und Ehemann Peter herzurichten.

„Nie im Leben werden wir dieses Haus verkaufen“, erklärt sie. Denn es sei für sie und ihren Mann immer ein „Herzensobjekt“. Lukrative Angebote habe es bereits gegeben. Sogar ein Casinobetrieb habe sich für das Gebäude an der Schlei interessiert. „Ich hoffe, dass ich dieses Haus noch lange Jahre genießen kann, denn bisher habe ich hier immer nur gearbeitet“, sagt die baldige Rentnerin.

Die notwendigen Umbauarbeiten sollen direkt im Anschluss an die Schließung beginnen und nur bis zum Mai 2016 andauern, sagt Hedda Krog. Die Änderungen seien nicht übermäßig umfangreich. Sie würden im wesentlichen Toiletten und Küche betreffen. Die „Kleinstubigkeit“ habe man bereits bei der großen Sanierung nach dem Kauf des ehemaligen Armenhauses der Gemeinde erhalten.

Das Café Krog – was so erfolgreich enden wird, hatte einen holprigen Start. So habe sie die fürchterlichste Erinnerung an den Eröffnungstag am 7. Juli 2001, sagt Hedda Krog. „Am Abend dieses Tages saß ich heulend im Café und habe geglaubt, dass nie wieder jemand zu uns kommen würde.“ Sie hatte ohne Ankündigung geöffnet und war mitsamt Personal von der Kundschaft einfach überrannt worden. Nur drei Torten waren vorbereitet worden, und alle waren vorher sicher, dass davon noch eine Menge übrig bleiben würde. Doch schon bald musste ihr Mann zum Bäcker und zum Erdbeerhof fahren. Und im späteren Verlauf des Nachmittags konnte man nur noch Erdbeertörtchen mit Schlagsahne bekommen, die in der Küche wie am Fließband hergestellt wurden. „Das Café und der Garten waren voll, und wir kannten keine Maschine, hatten kein System und keine Tischnummern“, erinnert sie sich. Es sei das „Chaos in Potenz“ gewesen. Doch angesichts der Qualität ihrer Torten hätten die Kunden ihnen das verziehen und sogar die gelegentlich etwas längeren Wartezeiten akzeptiert.

Die Torten, die auch von den Medien neben dem Ambiente in den Vordergrund gestellt wurden, haben eine bestimmende, aber gar nicht so geheime Zutat: Schlagsahne. „Es sind richtige Torten“, verrät die kreative Bäckerin, die für das Café Rezepte ihrer Großmutter umgeschrieben hat. In einer Zeit, in der alles auf die schlanke Linie achte, seien diese köstlich schmeckenden Kalorienbomben die richtige Alternative.

Die Erweiterung des Cafébetriebs auf Gesellschaftsbeköstigung verlief ähnlich grausig wie die Eröffnung. Denn bei 50 Gästen im Lokal fielen fast alle Küchengeräte aus. „Der Monteur lag unten auf dem Küchenboden und wir tobten alle über ihn hinweg, haben gekocht und serviert“, hat Krog noch gut im Gedächtnis. Aber die Gäste hätten nichts davon gemerkt.

Denn Qualität ist das Kriterium, das die Caféwirtin über alles stellt. Das änderte sich auch nicht, wenn das Landarzt-Team dort drehte. Die Dreharbeiten mussten sich auf den Ruhetag beschränken, das Café durfte nicht umgebaut werden. „Mehr hätte unsere Gäste verunsichert – und das darf nicht sein“, sagt die Wirtin resolut. Als später Busunternehmen Gäste herankarrten, die das Landarzt-Café besichtigen wollten, legte sich die Chefin mit diesem Unternehmer an. Zu viel ist zu viel.

Ihren Gästen empfiehlt Hedda Krog, nicht traurig zu sein. Denn die Café-Landschaft an der Schlei gebe es mit Lindauhof, Gut Stubbe, dem Missunder Fährhaus und dem Brodersbyer Kuchenhaus tolle Alternativen, und auch Neuanfänger hätten in Angeln gute Chancen, wenn sie ein gutes Konzept hätten. Ihre Immobilie allerdings stehe dafür nicht zur Verfügung.

Das Café Krog in Ulsnis ist bis 31. Oktober durchgehend geöffnet (montags Ruhetag). Im November und im Februar wird nur an den Wochenenden geöffnet. Und vom 1. Dezember bis Anfang Februar ist Winterpause. Ab März wird der normale Betrieb wieder aufgenommen bis zum 31. Oktober. Dann wird das Café Krog für immer geschlossen.

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