zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

20. November 2017 | 01:43 Uhr

Schleswig : Lärm macht Klinik-Nachbarn krank

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Anwohner des Dr.-Kirchhoff-Platzes klagen über dauerhaft hohen Geräuschpegel aus der Notaufnahme des neuen Krankenhauses.

von
erstellt am 20.Okt.2017 | 07:00 Uhr

Eigentlich schlafen die Fischers gerne bei offenem Fenster. So haben sie es viele Jahre lang gemacht. Inzwischen aber sei das unmöglich geworden, sagt das Ehepaar. Genauer gesagt seit Sommer 2016. Denn da eröffnete in direkter Nachbarschaft ihres Zuhauses am Dr.-Kirchhoff-Platz das neue Helios-Klinikum. Seitdem ist es mit der Ruhe vorbei – und mit dem erholsamen Schlaf.

Der Grund dafür ist nicht die Klinik an sich. „Gegen die haben wir ja gar nichts“, sagt Regina Fischer. Aber, dass die Notaufnahme nur einen Steinwurf von ihrem Haus entfernt liegt, das sei dann doch ein Problem. Denn die, beziehungsweise deren Betrieb, ist laut. Und zwar aus zweierlei Gründen: Einerseits sorgt das riesige Rolltor, das sehr oft am Tag hoch und runter fährt, für ordentlich Lärm. Andererseits besteht die Notaufnahme zum Großteil aus Stahl-Lamellen, zwischen denen kein weiteres Material verbaut ist – das heißt, die ist im Grunde offen. „Aus dem Gebäude schallt es so laut, dass alles nach draußen dringt. Man kann sogar die Gespräche mithören“, sagt Rico Fischer. Manchmal könne man Patientennamen verstehen und den Grund, warum diese ins Krankenhaus eingeliefert wurden, wenn sich die Rettungssanitäter unterhalten. Hinzu komme das laute Rolltor. Wie oft das auf und zu geht, hat er an manchen Tagen dokumentiert: Am 11. November 2016 sei das allein zwischen 16.45 und 17.30 Uhr 32 Mal der Fall gewesen. Da das Tor sich per Bewegungsmelder öffnet und viele Ärzte, Pfleger aber auch Patienten den direkt neben der Notaufnahme befindlichen Nebeneingang nutzen oder dort den ganzen Tag über und auch nachts (trotz Verbot) rauchen, sei das kein Wunder. „Das ist nicht zum Aushalten. Es macht einen krank. Im Sommer habe ich geheult, weil ich nicht mehr auf der Terrasse sitzen mochte“, sagt Regina Fischer.

Im Jahr 2009 hat das Paar eines der Häuser am Dr.-Kirchhoff-Platz gekauft. Das 1927 erbaute Ensemble steht unter Denkmalschutz. Früher war es durch hohe Bäume und Büsche vom ehemaligen Fachklinik-Gelände abgeschirmt. Inzwischen gibt es einen freien Blick auf den großen Krankenhausneubau. „Das ist zwar nicht schön, aber im Grunde haben wir kein Problem damit“, sagt Rico Fischer. Wenn da nicht der Lärm wäre.

Der geht nicht nur ihm und seiner Frau auf die Nerven, sondern auch den Nachbarn. So haben sie seit über einem Jahr schon etliche Briefe und E-Mails sowohl an die Klinikleitung als auch die Stadt verschickt. Hinzu kommen unzählige Anrufe und persönliche Gespräche. Wirklich passiert ist jedoch nichts.

Bei der Stadt ist das Thema allerdings sehr wohl angekommen, wie Sprecherin Antje Wendt auf Nachfrage erklärt. Man habe die Beschwerde zuständigkeitshalber an das LLUR (Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume), Außenstelle Flensburg, weitergeleitet. Deren Mitarbeiter hätten bereits Messungen vor Ort vorgenommen, die zurzeit noch ausgewertet werden. Das Verfahren selbst laufe schon seit Februar. Weiter erklärt Wendt: „Die Stadtverwaltung ist bezüglich der Lärmimmission im Konsens mit den Anwohnern. Es gibt eine Klausel im Vertrag mit Helios, die sich auf das Thema Lärmimmission bezieht. Demnach hat sich Helios verpflichtet, mit geeigneten Mitteln nachzubessern, wenn es zu einer Lärmbelästigung kommt.“ Das könne auch durch eine bauliche Maßnahme geschehen.

Das indes schließt man bei Helios zurzeit aus. „Die Halle der Notaufnahme ist von den Behörden so genehmigt worden. Sie ist offen, damit die Abgase der Rettungswagen entweichen können“, sagt Sprecherin Andrea Schumann. Man werde jetzt aber eine Schutzwand zwischen Klinik und Dr.-Kirchhoff-Platz bauen und auch weitere Bepflanzungen vornehmen. Zudem sei geplant, die Sensoren des Rolltores nachzujustieren, damit dies langsamer und somit leiser auf und zu ginge. „Und auch mit dem DRK-Rettungsdienst werden wir noch einmal reden, damit deren Fahrer für das Thema sensibilisiert werden“, sagt Schumann. Gleiches gelte für das Einhalten des Rauchverbotes an der Notaufnahme. Das müssten auch die eigenen Mitarbeiter unbedingt einhalten. „Wir arbeiten also daran, dass die Nachbarn etwas mehr Ruhe haben. Wir haben auch Verständnis für deren Sorgen. Aber ganz ohne Lärm funktioniert eine Notaufnahme nicht.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen