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Landstrasse in Osterby : Kuriose Sparmaßnahme: Nur jedes zweite Schlagloch geflickt

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach jahrelangem Warten rückte endlich ein Bautrupp an, um die L1 in Osterby zu sanieren, doch beseitigt wurde nur jedes zweite Schlagloch. Bürgermeister Thomas Jessen ist entsetzt.

Osterby | Der Landesstraßen-Zustandsbericht, den Verkehrsminister Reinhard Meyer im Sommer vorgelegt hat, spricht eine deutliche Sprache: Längst nicht jede Landesstraße kann in absehbarer Zeit saniert werden, dabei ist das Streckennetz im Kreis Schleswig-Flensburg besonders stark betroffen, weil rund vier Fünftel aus dem Prioritätenraster des Landes fallen. Dass selbst dann, wenn eine Strecke verbessert werden soll, bei weitem nicht alles zum Besten steht, zeigt das Beispiel der Landesstraße 1.

Kaum zu glauben, was sich dieser Tage in der Ortsdurchfahrt Osterby abgespielt hat. Ein Reparaturtrupp des Landesbetriebes Straßenbau (LBV) kam ins Dorf und flickte die Fahrbahn – allerdings nur jedes zweite Schlagloch. Von Bürgermeister Thomas Jessen, vor dessen Haus auch gearbeitet wurde, angesprochen, meinte der Kolonnenführer, so laute sein Auftrag, für mehr wäre kein Geld vorhanden. Ungläubig wandte sich der Bürgermeister an das Bauamt in der Schafflunder Amtsverwaltung. Deren Leiter, Holger Sönnichsen, fragte beim LBV nach, wo der Sachverhalt bestätigt wurde.

Die kuriose Konsequenz: „Es sind nicht die tiefsten und größten Löcher gefüllt worden, sondern exakt jedes Zweite“, ärgert sich Bürgermeister Thomas Jessen. Nun müssen sich die Autofahrer auf der viel befahrenen Verbindung nach Dänemark und Süderlügum weiter durchschütteln lassen und im Slalom den vielen verbliebenen Schlaglöchern ausweichen. Werner Asmus, Bürgermeister von Wallsbüll, beklagte auf Nachfrage zudem die hohe Lkw-Belastung auf der L1, nachdem die K130 zwischen Ellund und Handewitt für Lastwagen gesperrt wurde. „Dadurch zittern mehrmals am Tage die Häuser, wenn der Lkw-Verkehr über die kaputte L1 durch Wallsbüll poltert. Risse und Schäden an der Bausubstanz sind die Folgen.“

Der Leiter des LBV Flensburg, Karl-Heinz Roos, widerspricht der Darstellung des Osterbyer Bürgermeisters und betont, ausschließlich fachliche Gründe seien für die Auswahl der zu sanierenden Schlaglöcher ausschlaggebend gewesen. Ob auch weitere Schäden beseitigt werden sollen, müsse er offen lassen, sagte er. Derzeit jedenfalls sei dafür beim LBV kein Geld vorhanden.

Im Widerspruch dazu die Reaktion aus dem Verkehrsministeriums. Das sei Unsinn, so ein Sprecher. „Hier geht es schlicht und einfach um zwei aufeinanderfolgende Arbeitsgänge. Weil die Löcher in der Fahrbahn unterschiedliche Ausmaße haben, wenden wir unterschiedliche Reparaturverfahren an.“ So seien in den letzten Tagen mit einem besonderen Verfahren größere Löcher geschlossen worden, die übrigen würden in einem weiteren Arbeitsgang mit Reparaturasphalt gefüllt.

Arno Asmus, Sohn von Bürgermeister Werner Asmus und CDU-Mitglied im für den Verkehr zuständigen Werkausschuss des Kreistags, indes kritisiert das gesamte Verfahren: „Es ist unverantwortlich, die L1 auf der Strecke von Wallsbüll bis Medelby nicht endlich zu sanieren. Außerdem ist es politisch und fachlich nicht nachvollziehbar, dass das Land dieser Lebensader die Netzfunktion abspricht.“ Dass der LBV jetzt offenbar nur einen Teil der Schlaglöcher auf der Landesstraße flickt, bezeichnet Asmus als „Gipfel der Gängelung unserer Region durch das Land“. Bei allem Verständnis für die Haushaltslage des Landes, sagt er, „werden wir uns hier nicht verblödeln lassen“.
 

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erstellt am 13.Nov.2014 | 08:00 Uhr

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