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Museum für Outsiderkunst : Kunst am Rande der Gesellschaft

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Morgen öffnet im Museum für Outsiderkunst die Ausstellung „Wunderbar verrückt nach Farbe – lass uns mal dahintreiben!“.

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2017 | 07:00 Uhr

Roh und unverfälscht sollen die Werke sein, die ihren Weg ins Museum für Outsiderkunst finden. Kuratorin Barbara Leonhard kann mit Begeisterung über die speziellen Werke und ihre Erschaffer sprechen, noch lieber aber lässt sie die Kunst für sich selbst sprechen. Sie versteht ihre Ausstellungsräume im Präsidentenkloster als Bühne für das Abseitige, das Schräge und häufig Unverstandene. „Je verrückter, desto besser. Manchmal wirken Werke unserer Ausstellungen erst auf den zweiten oder dritten Blick“, sagt Leonhard. Dabei möchte sie sich absetzen von den etablierten Institutionen des Kunstbetriebs, in denen vermeintlich die Konvention regiert. „Bei uns gibt es keine akademischen Vorgaben, sondern noch Raum für Experimente. Häufig sehen unsere Künstler in ihren Werken die letzte Möglichkeit, sich wahrhaftig zu äußern“, so Leonhard.

So speziell wie die Ausstellungsstücke sind auch die Künstler, mit denen das Museum zusammenarbeitet. Radikal anders in ihrer Sichtweise und ihrem Schaffen, teils mit gebrochenen Biografien und persönlichen Handicaps. Es sind nämlich die Ursprünge der Outsiderkunst, die sie bis heute prägen. Mit seiner Abhandlung „Bildnerei des Geisteskranken“ holte der Psychiater Hans Prinzhorn im 19. Jahrhundert die psychopathologisch inspirierte Kunst in den Fokus der Öffentlichkeit. Sein Werk setzte ganz neue Maßstäbe und prägte Künstler wie den allgemeinen Kunstgeschmack. Zwar sind es auch immer wieder Patienten der Schleswiger Kliniken, die im Museum ausstellen, aus der Nische des Pathologischen ist die Outsiderkunst aber inzwischen herausgetreten. Überhaupt spiele es gar keine Rolle, ob ein Künstler in irgendeiner Weise gehandicapt sei oder nicht, so Leonhard. Relevant seien allein seine Werke, die durch Originalität und Intensität überzeugen müssten.

Solche gibt es nun wieder zu sehen in der Ausstellung „Wunderbar verrückt nach Farbe – lass uns mal dahintreiben!“, die morgen Abend eröffnet wird. Drei Künstler zeigen ganz unterschiedliche Werke, die diesen Slogan aufgreifen. Antje Fuchs aus Flensburg etwa schafft Installationen aus Plastiktüten, die in ihrer Form variieren, dabei immer bunt und raumgreifend sind. Ganz offensichtlich schön anzusehen sind sie, wirken fast ein wenig verspielt, tragen aber auch einen gesellschaftskritischen Subtext.

Ebenso gesellschaftskritisch sind die „Patience Bottles“ von Steve Moseley aus den USA. Detailreich in Szene gesetzt ist in einer Flasche beispielsweise das letztes Abendmahl, das von den Protagonisten aus den Tüten einer Fast-Food-Kette genommen wird.

Die Bilder von Petra Griesert zeichnen sich aus durch ihre Entrücktheit und frei spielende Fantasie. So gibt es ebenso bunte Bilder zu sehen wie etwa einen Fließtext, der Schwarz auf Weiß Form und Inhalt gewinnt und wieder verliert.

Das verbindende Element aller Exponate sei das zugrunde liegende archaische Gefühl ihrer Künstler, sich irgendwie mitteilen zu müssen. „Wer sich auf die Kunst des Museums einlässt, dem können sich ganz neue Türen öffnen“, ist Barbara Leonhard überzeugt. Sie hofft, dass zukünftig noch mehr Menschen diese Entdeckung machen.

> Die Ausstellung „Wunderbar verrückt nach Farbe – lass uns mal dahintreiben!“ ist bis zum 26. August im Museum für Outsiderkunst (Präsidentenkloster), Stadtweg 57, zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14.30 bis 17.30 Uhr, Sonnabend 11 bis 14 Uhr.

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