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Schleswiger Nachrichten

16. Dezember 2017 | 16:32 Uhr

Schleswig : Kunden bleiben dem Wochenmarkt treu

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Heftiger Preisanstieg beim Gemüse nach Wetterchaos in Südeuropa: SN hören sich bei Käufern und Verkäufern auf dem Stadtfeld um.

Die Stimmung auf dem Schleswiger Wochenmarkt war am Sonnabend so gut wie eh und je. Zwar kostet der Eisbergsalat hier zurzeit etwa dreimal so viel wie sonst, und auch Paprika, Zucchini und Broccoli sind – blickt man auf den Preis – fast zu Luxusgütern mutiert. Aber wer sein Gemüse am Wochenende auf dem Stadtfeld kauft, der möchte gerne regionale Händler unterstützen und liebt frische Ware – auch dann, wenn er dafür noch einmal mehr bezahlen muss als sonst schon.

Extreme Wetterbedingungen in Südeuropa haben zu einem spürbaren Preisanstieg beim Gemüse geführt (wir berichteten). Überschwemmungen, Schneefälle und Hagel haben in vielen Erzeugerländern große Teile die Ernte vernichtet. „Aber ich denke, in drei Wochen wird sich der Mark erholt haben“, meint Händler Rüdiger Hella aus Husum, der auch an diesem Wochenende alle seine Stammkunden begrüßen konnte. „Rote Bete, Weißkohl und Steckrüben sind sowieso nicht teurer geworden, denn sie kommen aus der Region. Ich verkaufe davon zurzeit etwas mehr als sonst.“ Dabei sind die regionalen Gemüsesorten eigentlich nicht mehr so beliebt beim Kunden, „da sie bei der Zubereitung mehr Arbeit machen“, weiß Anna Hella und fügt stolz hinzu, dass sie seit über 60 Jahren in Schleswig Obst und Gemüse verkauft.

Auch Catrin Lange und Oke Schweder müssen die hohen Ankaufspreise an ihre Kunden weitergeben. „Feldsalat kaufen wir zurzeit nicht in großen Mengen ein, da der Kilopreis von 28,50 Euro doch einige Leute abgeschreckt hat. Normal wäre ein Preis von 11,90 Euro. Allerdings versuchen wir, unseren Kunden Portulak als Alternative schmackhaft zu machen. Dieser Salat kostet sehr viel weniger als Feldsalat und schmeckt dabei fast genauso gut, nur etwas nussiger“, sagt Oke Schweder. Auch Familie Hella hat für ihre Kunden übrigens ein besonderes Bonbon im Angebot: drei Pfund Spargel aus Peru für sechs Euro. „Der Spargel stammt von einem verunfallten Laster. Den haben wir günstig bekommen und geben ihn auch günstig an unsere Kunden weiter“, sagt Anna Hella.

Marie Clasen aus Neuberend hat ihr Kaufverhalten aufgrund der gestiegenen Preise nicht verändert. „Rote Bete habe ich selbst im Garten, vieles andere kaufe ich seit Jahren jede Woche hier. Der Preis spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Denn frische Ware und kurze Wege ohne viele Zwischenhändler sind mir wichtig“, sagt sie. Diesmal kauft sie einen Broccoli für über drei Euro. Dass sie dafür jemals so viel Geld ausgegeben hat, daran kann sie sich allerdings auch nicht erinnern. Selbst die Verkäuferinnen des Biolandbetriebes „Gemüsegärtnerei Breklingfeld“ sind überrascht, was sie in diesen Tagen den Kunden für einen Korb Gemüse abnehmen müssen. Ein Kilo Zucchini etwa wird derzeit für 11,80 Euro angeboten. Zum Vergleich: Im Sommer, wenn sie von der Gärtnerei selbst angebaut werden, kostet ein Kilo nur 2,90 Euro. Logisch – wenn man aus Südeuropa kaufen muss, ist es teurer, aber so einen großen Unterschied, den gebe es selten.

Die Schleswigerin Britta Hoppenheit spart sich an diesem Sonnabend deswegen die Zucchini und kauft stattdessen für ihre Chinapfanne zwei Paprika – für stattliche fünf Euro. Ohne auf den Preis zu achten, ist hingegen Hans Willers aus Schleswig mit Hund Bakir unterwegs. „Ich habe von den gestiegenen Preisen noch nichts mitbekommen, denn in der Regel geht bei uns meine Frau einkaufen. Sie hat mich gebeten, Rosenkohl zu holen, und das werde ich auch tun.“ Rosenkohl ist allerdings vom exorbitanten Preisanstieg nicht betroffen, denn er kann sogar jetzt noch hier im Norden aus der Erde geholt werden. Aber wer weiß heutzutage noch genau, welches Gemüse derzeit importiert werden muss und welches nicht? „Dass es alle Waren zu jeder Zeit zu kaufen gibt, macht es den Kunden nicht leicht, zu unterscheiden, welches Gemüse gerade frisch geerntet wurde“, meint Gerda Großkopf aus Fleckeby, die „aufgrund der guten Parkmöglichkeiten“ den Wochenmarkt in Schleswig dem Markt im eigentlich näher gelegenen Eckernförde regelmäßig bevorzugt. „Mir ist es sehr wichtig, regionale Produkte zu kaufen und ich weiß, was gerade frisch geerntet wird oder gut eingelagert werden kann.“

Fazit: Die meisten Wochenmarkt-Kunden zeigen sich unbeeindruckt von den gestiegenen Preisen. Großabnehmer von Gemüse – wie etwa Restaurants und Hotels – werden es da zurzeit deutlich schwerer haben.

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