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Schleswiger Nachrichten

20. August 2017 | 06:26 Uhr

Schleswig : Kulturzentrum FKKZ vor dem Aus

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wegen Milzbrandsporen im Boden: Das FKKZ darf nicht in den alten Bauhof am Holmer Noorweg umziehen. Der Mietvertrag für Kasernenblocks läuft im August aus.

Es schien mehr zu sein als nur ein Hoffnungsschimmer. Es war schon fast die Rettung für das alternative Kulturzentrum FKKZ, das im Sommer seine alten Kasernenblocks auf der Freiheit räumen muss. Der Vereinsvorsitzende Arne Olaf Jöhnk und Geschäftsführer Jan-Friedrich Dünne hatten sich den alten Bauhof der Stadt Schleswig schon genau angesehen – und für geeignet befunden.

Aber jetzt ist die Hoffnung verflogen. „Wir fangen wieder bei Null an“, sagt Dünne. Die Stadtverwaltung hält es für ausgeschlossen, den Bauhof „im jetzigen Zustand“ für eine Nutzung zuzulassen. Grund ist eine mögliche Schadstoffbelastung im Boden. Die war grundsätzlich zwar schon länger bekannt, galt aber bislang als unproblematisch, solange niemand das Erdreich umgräbt. Es war Bürgermeister Arthur Christiansen selbst, der Anfang Februar den Bauhof als Standort ins Spiel gebracht hatte. Damals stand das FKKZ schon kurz vor dem Ende, weil der Streit mit dem Gebäudeeigentümer Team Vivendi über die Nebenkosten für die Immobilien eskaliert war. Vivendi-Chef Volker Schlüschen hatte dem Verein kurzerhand den Strom abgedreht. Dutzende Bands, die hier ihre Probenräume hatten, konnten nicht mehr proben.

Nach einer einstweiligen Verfügung hatte Schlüschen zwar eingelenkt. Es bleibt aber dabei, dass der Nutzungsvertrag zwischen Team Vivendi und dem FKKZ im August ausläuft. In den letzten acht Jahren ist hier mit 135  000 Euro Anschubfinanzierung aus dem Programm „Jugend belebt Leerstand“ der Bundesregierung ein Treffpunkt entstanden, der insbesondere bei Musikern aus der gesamten Region beliebt ist. Am äußersten östlichen Ende der Freiheit gibt es weit und breit keine Nachbarn, die sich am Geräuschpegel von Punkrockern oder Thrash-Metal-Enthusiasten stören. Aber auch leisere Menschen wie Fotografen oder Maler haben hier Platz für ihre Ateliers gefunden.

Das FKKZ wäre zwar bereit, anders als bisher außer Nebenkosten auch eine Miete zu bezahlen, aber dennoch: „Es ist nicht einfach, etwas Vergleichbares zu finden“, sagt Dünne. „Ein Gebäude mit drei oder vier Räumen hilft uns nicht wirklich weiter.“ Entsprechend groß ist bei ihm und seinen Mitstreitern nun die Enttäuschung, dass es mit dem Bauhof nicht klappt. Dem FKKZ droht damit im Sommer das Aus.

Dass die Schadstoffbelastung auf dem Bauhof-Grundstück auf der Agenda des Bauamtes landete, liegt daran, dass die Stadt die Immobilie verkaufen möchte. Es gibt bereits einen Interessenten: einen Unternehmer aus der Region, der namentlich noch nicht genannt werden möchte. Er wäre bereit gewesen, das FKKZ aufzunehmen.

„Ohne eine vorherige Sanierung können das Gebäude oder das Grundstück nicht einer neuen Nutzung zugeführt werden“, sagt Rathaus-Sprecherin Antje Wendt. Die Stadt Schleswig habe dazu nun bereits Schritte eingeleitet. Von 1898 bis 1958 befand sich auf dem Gelände eine Lederfabrik. Aus jener Zeit sollen die gefährlichen Rückstände im Boden stammen. Nach einer ersten Einschätzung gilt die Wahrscheinlichkeit als „mittel bis hoch“, dass sich Milzbrandsporen im Erdreich befinden. Zudem soll nach Mineralöl, Arsen und Schwermetallen gesucht werden. Aber auch im 1962 eröffneten Bauhof selbst könnten Materialien verarbeitet sein, von denen man heute weiß, dass sie gesundheitsschädlich sind.

Die eigentlichen Sanierungsarbeiten sollen frühestens im Sommer nächsten Jahres beginnen. Die Gebäude parallel weiter zu nutzen, sei nicht möglich, so Wendt. Das könnte bedeuten, dass auch diejenigen Mieter den Bauhof verlassen müssen, die ihn bisher als Lager oder als Garage nutzen. Das betrifft zum Beispiel den Blutspendedienstes des Roten Kreuzes oder die Türkei-Hilfe von Muazzez Demiryürek. Erst einmal dürfen sie aber drin bleiben im alten Bauhof.

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erstellt am 27.Apr.2016 | 07:57 Uhr

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