Schleswig : „Kulturleben“ gibt auf

Veranstaltungs-Tickets für Menschen mit wenig Geld: Ehrenamtliche Initiative zieht ihr Angebot zum Jahresende zurück.

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31. Oktober 2018, 12:00 Uhr

Als sie im Sommer 2016 an den Start gingen, gab es durchweg positive Rückmeldungen. Die Macher der Initiative „Kulturleben“ wollten Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen an Menschen vermitteln, die sich diese Tickets nicht selber leisten konnten. Zweieinhalb Jahre lang legte sich insbesondere das Ehepaar Beate und Rudolf Schummann für diese Idee mächtig ins Zeug. Jetzt allerdings ziehen die beiden einen Schlussstrich. Zum Jahresende wird es „Kulturleben“ nicht mehr geben.

„Wir haben uns diese Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht, weil wir viel Herzblut in diese tolle Aufgabe gelegt haben. Aber wir haben sowohl persönliche als auch fachliche Gründe für diesen Schritt“, erklärt Rudolf Schummann auf SN-Nachfrage. Einerseits falle seine Frau aus gesundheitlichen Gründen längerfristig aus. Andererseits würde das Angebot von „Kulturleben“ offenbar nicht mehr der Nachfrage der Kunden entsprechen. „Eine Vielzahl von unseren Gästen hat die Berechtigung zur Teilnahme trotz mehrmaliger Erinnerung nicht erneuert. Andere sind einfach nicht bei den Veranstaltungen erschienen, ohne sich abzumelden“, sagt er. Auch zu den wöchentlichen Sprechstunden in der Stadtbücherei seien zuletzt kaum noch Interessierte gekommen.

Das, so Schummann, habe offenbar mehrere Gründe. So würden einige Veranstalter, wie etwa die „Heimat“, keine freien Plätze mehr zur Vermittlung zur Verfügung stellen. Andere hätten ihr Angebot reduziert oder sich, wie das Landestheater, von Anfang an nicht an dem Projekt beteiligt. „Man muss den Interessierten aber kontinuierlich einen Mix an Events anbieten, sonst wird es langweilig. Aber das können wir leider nicht immer“, sagt Schummann. Nur wenige Veranstalter, wie etwa der Dom, die Landesmuseen, die Kreismusikschule, das Oberlandesgericht und die Buchhandlungen Liesegang und Schröder, hätten kontinuierlich Plätze angeboten. „Das ständige Telefonieren und Mailen, das Hinterherrennen, die Suche nach Sponsoren und Spendengelder, die auch immer weniger wurden: Das alles war und ist ziemlich anstrengend und zeitaufwendig“, sagt der Ruheständler, der gemeinsam mit seiner Frau und Mitstreiterin Irma Hansen im Schnitt bis zu drei Stunden täglich in das Ehrenamt investiert habe. Vielleicht hätten sie auch deshalb keinen Nachfolger gefunden.

Ein weiterer Beweggrund, wenn auch nicht der ausschlaggebende, wie Schummann betont, sei die fehlende Unterstützung der Verwaltung für das Projekt gewesen. „Das war immer eher hinhaltend als fördernd“, sagt er. Spätestens seitdem die Stadt im Mai dieses Jahres ihren neuen „Sozialpass“ eingeführt hat, habe sich dieser Eindruck verstärkt. Menschen mit geringem Einkommen können mit ihm zu ermäßigten Preisen das Stadtmuseum und Schloss Gottorf besuchen, zahlen für Volkshochschulkurse nur die Hälfte der normalen Gebühr und erhalten auch Vergünstigungen in der Stadtbücherei.

Dass dies zum Stolperstein für „Kulturleben“ geworden ist, glaubt Stephan Dose allerdings nicht. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Ratsversammlung und Initiator des „Sozialpasses“ sieht in beiden Angeboten „eher eine sinnvolle Ergänzung“. Er habe im Vorfeld mehrere Gespräch mit den Schummanns geführt und bedaure nun deren Rückzug ausdrücklich. Auch, weil bislang erst 22 Schleswiger den „Sozialpass“ beantragt haben, während „Kulturleben“ in den letzten zweieinhalb Jahren fast 1800 Tickets an rund 300 Kunden vermittelt hat.

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