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Schleswiger Nachrichten

22. August 2017 | 22:21 Uhr

Busdorf : Küsterhaus steht vor dem Abriss

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nachdem der Wunsch der Gemeinde, das älteste Gebäude im Ort in eine museale Begegnungsstätte umzuwandeln, aus finanziellen Gründen, scheiterte, will der Neu-Eigentümer nun auf dem Grundstück ein Reihenhaus bauen.

Das reetgedeckte Küsterhaus aus dem 18. Jahrhundert muss für die Nachwelt erhalten bleiben. Darüber waren sich Busdorfs Gemeindevertreter eigentlich einig. Nachdem Hauseigentümer und -bewohner Hans-Dieter Plöhn angekündigt hatte, Haus und Grundstück zu verkaufen, loteten die Gemeindevertreter und Bürgermeister Ralf Feddersen in den vergangenen drei Jahren alle Möglichkeiten aus, um für das älteste erhaltene Haus Busdorfs eine neue Verwendung zu finden. Mehrfach wurden Konzepte für ein „Haus der Geschichte“, ein Museum als Begegnungsstätte, erarbeitet. Zur Umsetzung kam es jedoch nicht (wir berichteten). Diese Pläne, die mit einer Machbarkeitsstudie überprüft wurden, scheiterten an den finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde. Und nun fällt das historische Küsterhaus offenbar dem Bagger zum Oper.

Hans-Dieter Plöhn hat das Grundstück verkauft. Mehr als 40 Jahre lang wohnte er in dem reetgedeckten Fachwerkhaus, in dem auch schon sein Urgroßvater und sein Großvater gelebt hatten. So sehr er an dem Haus hänge, so sehr fühle er sich mit seinen bald 74 Jahren den Anforderungen, die ein derart altes Gebäude an einen richtet, nicht mehr gewachsen. „Wir wohnen hier gerne, aber ich habe bisher fast alles selbst gemacht, alles selbst repariert“, sagt Plöhn. Die Kosten für nötige Sanierungsarbeiten an Reetdach, Fenstern und Heizung liegen im sechsstelligen Bereich. Das sei ihm einfach zu teuer. Zumal Sanierungsarbeiten aufgrund der unklaren Zukunft des Hauses in der jüngeren Vergangenheit brach gelegen hätten. So regne es seit des Sturms im vergangenen Herbst auch durch, „aber ich klettere da jetzt nicht mehr hoch“, sagt Plöhn.

Das 1767 errichtete Haus steht nicht unter Denkmalschutz. Das sei in der Vergangenheit durchaus im Gespräch gewesen. „Ich habe mich aber damals dagegen entschieden, man kann dann ja überhaupt nicht mehr machen, was man will“, sagt Plöhn in Hinsicht auf die damit einhergehenden Auflagen.

Dass nun vermutlich, wenn der Bagger anrollt, innerhalb von zwei Tagen 300 Jahre Geschichte einfach verschwinden werden, mache ihn traurig, aber er freue sich auch auf seine neue Wohnung. Er hat sich eine der insgesamt sieben Reihenhauswohnungen gesichert, die auf dem gleichen Grundstück nach dem Abriss des Küsterhauses entstehen sollen.

Dort, wo heute noch ein Friseursalon, den Plöhns Lebensgefährtin betreibt, und ein Dorfmuseum zum Besuch einladen, will Bauherr Arne Sievers von dem Bauunternehmen Sievers Massivbau in Kropp sieben 90 Quadratmeter große Reihenhausscheiben errichten. „Wer will denn darin noch wohnen? – Kein Mensch“, sagt er in Bezug auf das Küsterhaus und spricht in diesem Zusammenhang von „Gefühlsduselei“. Das Interesse an den geplanten Wohnungen auf dem Grundstück in zentraler Ortslage dagegen sei groß. Er habe neben Plöhn bereits drei weitere Reservierungen. Somit werde der Abriss vermutlich in den nächsten zehn bis zwölf Wochen beginnen, sofern der Bauantrag genehmigt wird. Die Bauvoranfrage sei bereits genehmigt worden.

Natürlich bedeute ein Abriss des alten Küsterhauses am Kirchenweg einen herben Verlust für die Gemeinde. „Wie schwer so etwas wiegt, stellt man aber leider immer erst dann fest, wenn es nicht mehr da ist“, sagt Bürgermeister Ralf Feddersen. „Ein Haus mit so viel Geschichte trägt natürlich einen Teil der Identität unseres Dorfes in sich. Das geht mit der Abrissbirne für immer verloren. Mir als gebürtigem Busdorfer geht das schon sehr nah. Ich wäre froh gewesen, wenn es möglich gewesen wäre, dieses Haus für Busdorf zu erhalten“, so Feddersen.

Anderseits respektieren Bürgermeister sowie Gemeindevertreter die Entscheidung des Hauseigentümers. Für die volkskundliche private Sammlung, die sich als museale Ausstellung im Haus befindet, soll nun ein neuer Platz gefunden werden. Die Schätze, die Plöhn in rund 30 Jahren zusammensammelte – eine Vielzahl betagter Gebrauchsgegenstände aus Landwirtschaft, Alltag und Haushalt – werden mit Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeitsgruppe rund um den Busdorfer Geschichtsverein seit vielen Jahren in Stand gesetzt, gehegt und gepflegt. „Wenn sich kein Platz dafür findet, muss ich auch das alles verkaufen“, sagt Plöhn.

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