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Doris-Rüstig-Ladewig-Stiftung : Künstler protestieren gegen die Landesschau-Jury

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Etliche Künstlerinnen und Künstler sind mit der Auswahl für die Landesschau in der Gottorfer Reithalle nicht einverstanden. Sie haben eine Protest-Ausstellung organisiert.

shz.de von
erstellt am 03.Dez.2013 | 17:00 Uhr

Schleswig | Ihre Hoffnungen waren hoch gespannt. 201 Künstlerinnen und Künstler hatten insgesamt 454 Werke eingereicht – zur 60. Landesschau des Landesverbands Schleswig-Holstein des Bundes Bildender Künstler (BBK); sie ist noch bis zum 2. Februar in der Reithalle auf der Gottorfer Schlossinsel zu sehen. Doch von allen präsentierten Arbeiten fanden nur 132 Werke von 108 Künstlerinnen und Künstlern – darunter 27 Nicht-Mitglieder des BBK – Gnade vor den Augen der siebenköpfigen Jury. Und genau das sowie die Art der Auswahl hat etliche der ausjurierten BBK-Mitglieder jetzt ordentlich auf die Palme gebracht.

Hinter dem „Schaufenster der großen Kreativität“, so Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) über die Werkschau, gibt es ein Gezanke, das über das künstler-typische Konkurrenzdenken hinausgeht. 36 der Kunstschaffenden, deren Werke von der Jury nicht berücksichtigt wurden, präsentieren deshalb ihre Produkte unter dem Titel „Salon des Refusés“ in einer unjurierten Parallelausstellung in der Doris-Rüstig-Ladewig Stiftung, Gallberg 30 (bis zum 22. Dezember) sowie im Galerierestaurant Kontraste, Haart 10, in Neumünster (bis 13. Januar).

Das Plakat zum „Salon“ macht, vielleicht nur ironisch, deutlich, in welcher Tradition die Ausstellungskuratoren Helmut R. Klein – für Schleswig – und Jürgen Baum – für Neumünster – ihren Protest sehen. Dort heißt es unter Bezug auf die ganz großen Namen der Kunstgeschichte: „Renoir, Monet, Manet und viele andere wurden auch zurückgewiesen.“ Das stimmt, soweit.

Doch was kritisieren die alternativen Künstlerinnen und Künstler eigentlich genau an „ihrem“ BBK? Da soll es zum Beispiel einen „ästhetischen Konsens“ geben, „der zum Ausleseinstrument wird und sich der notwendigen Diskussion über Kunst an sich entzieht“.

Besonders im Fokus der Kritik: die Arbeit der Jury. Hier heißt es in einer Mitteilung der Doris Rüstig-Ladewig Stiftung: „Wir jurieren uns selber, d.h. die Juroren sind befangen, weil sie einige (gut) kennen und andere nicht.“ Auch bleibe „bei der Tradition, Juroren automatisch in der Landesschau zu präsentieren, ein Beigeschmack zurück“. Entsprechend wünscht man sich „eine Neuordnung für die Jurierung der Landesschau“. Baum und Klein schlagen vor, dass sich einmal für die Landesschau angenommene Künstler „erst im übernächsten Jahr“ wieder bewerben können. So will man Resignation und Schwund unter den BBK-Mitgliedern entgegenwirken.

Die rührige Vorsitzende des Landesverbands, Deborah di Meglio, ist besonders über die Durchstecherei-Vorwürfe „verärgert“. Schließlich würden alle BBK-Mitglieder über die Zusammensetzung der Jury abstimmen – ein „Prozess, hinter dem ich total stehe“. Sie selber sei in diesem Jahr ausjuriert worden.

Auch Dr. Thomas Gädeke, als stellvertretender Direktor des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte aktuelles Mitglied der Jury, kann den Vorwürfen der Zurückgewiesenen nichts abgewinnen. Die Namen der Bewerber seien der Jury nicht bekannt und eine automatische Aufnahme der Juroren in die Ausstellung sei „nicht der Fall“; die Jurierung insgesamt, betont der wettbewerbs-erfahrene Kunstkenner, erfolge „einwandfrei“.

Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass es unter etlichen BBK-Mitgliedern, und das nicht nur wegen angeblicher Übervorteilung, Unmut gibt. Die Änderungsvorschläge der BBK-Rebellen (zu denen auch die Besetzung der Jury mit Externen gehört) werden mit Interesse in der Mitgliedschaft aufgenommen. So meint zum Beispiel die Künstlerin Katharina Kleinfeld: „Alle Änderungsvorschläge finde ich prima!“ Und Birgit Rautenberg-Sturm schreibt an Helmut Klein: „Chapeaux! Das ist eine blendende Idee und echt überfällig.“

Vielleicht wäre in der Tat ein wenig mehr Transparenz und professionelle Präsenz beim BBK nicht verkehrt. Auf dessen Website heißt es zur Landesschau: „Ausstellungsdauer: 0 Tage“. Soweit würden selbst die BBK-Rebellen nicht gehen. Ein Besuch beider Ausstellungen scheint da die beste Lösung zu sein.

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