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Schleswiger Nachrichten

21. Oktober 2017 | 23:59 Uhr

Schleswig : Küchentipps auf historischen Wegen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kräuterführung der Volkshochschule rund um den Gottorfer Barockgarten kommt bei den Teilnehmern sehr gut an.

Fast hätten Kräuterexpertin Telse Polenski und Besucherin Silja Gothe aus Borgwedel am Sonnabend allein die Kräuterführung der Volkshochschule unter dem Motto „Wie schmeckt der Frühling?“ rund um den Barockgarten von Schloss Gottorf gemacht. Denn pünktlich um 11 Uhr war am Treffpunkt niemand sonst von den 20 angemeldeten Teilnehmern zu sehen. Da das Wetter aber bestens war, ging Polenski davon aus, dass sie vor den Kräutern erstmal ihre Teilnehmer finden musste. Denn so viele spontane Absagen waren doch höchst zweifelhaft. Tatsächlich standen dann alle Übrigen – warum auch immer – auf dem Parkplatz der „Stampfmühle“ und erhielten nach einem kurzen Spaziergang zum Herkulesbrunnen gleich zur Einstimmung einen Saft aus der Traubenkirsche, die häufig links und rechts an den Straßen in unsere Gegend zu finden ist. Auch hier.

„Ich trinke mit, damit Sie nicht denken, ich will Sie vergiften“, sagte Polenski scherzhaft. Während der rund zweistündigen Tour erfuhr die gemischte Gruppe aus Laien und Experten dann von der gelernten Gartenarchitektin viel Interessantes rund um alles, was derzeit am Barockgarten, der vor nun zehn Jahren nach historischem Vorbild wiedereröffnet wurde, wächst und blüht. „Ich komme extra aus Dörpstedt zu dieser Führung, da ich viele Kräuter und Pflanzen im Garten habe, aber niemanden kenne, der mir erklärt, was man damit macht“, sagte Walburga Glöckner, die sich auch deshalb bisher nicht traute, „mal etwas davon zu essen“. Einzige Ausnahme sei Borretsch. „Den hab’ ich im Garten und auch schon einmal probiert.“ Die bis zu 70 Zentimeter hochwachsende Pflanze mit Laubblättern und blauen Blüten sieht nicht nur schön aus, sondern „schmeckt auch herrlich nach frischer Gurke“, bestätigte Silja Gothe.

Im Barockgarten fand man diese Pflanze zwar nicht, dafür aber allerlei anderes Zauberzeug, welches man bisher als ungenießbares Unkraut verbuchte. Hoch im Kurs war bei vielen zum Beispiel die in großen Mengen am Wegesrand stehende Süßdolde und deren leckerer Anisgeschmack. „Da spare ich mir zukünftig den teuren Kerbel aus dem Geschäft“, beschloss Silja Gothe, die genügend Süßdolden im heimischen Garten habe. Auch die Knoblauchrauke kommt bei vielen Teilnehmern zukünftig anstatt des Knoblauchs auf den Tisch, da sie erfreulicherweise nicht nachhaltig im Atem nachzuspüren ist.

Während Steffi und Thorsten Wiepert aus Kropp per Smartphone die einzelnen Pflanzen fotografierten, schrieben andere mit Zettel und Stift eifrig mit, in der Hoffnung, am Ende noch alle Pflanzen richtig zuordnen zu können. Unnötig war dies beim Spitzwegerich, denn dessen heilende Wirkung bei Insektenstichen aller Art ist mittlerweile hinlänglich bekannt.

Kaum einen Meter konnte man gehen, ohne eine neue Pflanze zu entdecken. Und zu allen hatte Telse Polenski allerhand Wissenswertes auf Lager, obwohl sie vor einem Jahr das letzte Mal im Barockgarten unterwegs war. „Es war eine tolle, kurzweilige Führung“, lautete nicht nur Silja Gothes Fazit. Das ein oder andere Kraut werde demnächst sicher auf ihrem Teller landen.

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