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„Natürliche Entwicklung gestört“ : Kritik nach Kahlschlag am Noor

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Interessengemeinschaft Umweltschutz beklagt großflächige Mäharbeiten rund um die alte Stadtgärtnerei.

Fast vergessen steht sie da am Rande des Holmer Noors: die ehemalige Stadtgärtnerei. Seit vielen Jahren schon ist das Gebäude so gut wie verwaist, wird nur noch als Lager genutzt. Auch die Idee, das Haus als zentralen Ort in einen „Naturerlebnisraum Holmer Noor“ zu integrieren, ist längst zu den Akten gelegt. Umso mehr ärgert man sich bei der Interessengemeinschaft Umwelschutz (IGU), dass die Umweltdienste kürzlich im Auftrag der Stadt rund um das Haus kräftig aufgeräumt haben: Große Rasenflächen wurde gemäht und mehrere Bäume abgesägt, totes Holz wurde weggeräumt. „Dass es rund um die Stadtgärtnerei jetzt fast Golfplatz-mäßig aussieht, gefällt uns natürlich nicht“, klagt IGU-Vorsitzender Fritz Laß, einst Vorkämpfer für einen „Naturerlebnisraum Holmer Noor“.

Die Umweltgruppe ist der Meinung, dass durch die Mäharbeiten „die Möglichkeiten zu einer natürlichen Weiterentwicklung“ des Geländes genommen werden. Genau auf dieses Ziel aber habe man in Gesprächen mit den Umweltdiensten und der Stadtverwaltung mehrfach hingewiesen – und man sehe sich dabei im Einklang mit den Mitgliedern des Bau- und Umweltausschusses, nachdem diese die Pläne zur Schaffung eines Naturerlebnisraumes abgelehnt hatten.

Die Stadt indes erklärt, dass die jüngsten Maßnahmen „im Sinne des Gebäudeerhaltes und der Gebäudenutzung“ stattgefunden hätten. Die alte Stadtgärtnerei wird demnach sowohl vom Landestheater als auch vom Jugendaufbauwerk (JAW) als Lager genutzt. „Zufahrt und Parkplatz wurden freigeschnitten, damit die weitere Nutzung und der entsprechende Winterdienst möglich sind“, erklärt Rathaussprecherin Antje Wendt auf SN-Nachfrage. Zudem seien rund um das Gebäude Gehölzsämlinge weggeschnitten worden – „als normale Unterhaltungsarbeit zum Schutz des Gebäudes“.

Das wiederum zweifelt Laß an. Das Haus werde „höchstens alle Jubeljahre“ mal von einem der Mieter betreten. Und wenn, dann würde vielleicht Mal ein einziges Auto vorfahren. „Dafür den ganzen Parkplatz und die vielen großen Flächen rund um das Gebäude parkähnlich schier zu machen, halten wir für völlig übertrieben.“ Denn auf dem rund 22 Hektar großen Gelände gebe es eine sehr reichhaltige Flora und Fauna, die es zu schützen gelte und der man Platz einräumen müsse. Einzige Ausnahme sei der Riesenbärenklau, den es auch dort zu bekämpfen gelte. Auch dies sei ihm gegenüber, so Laß, als Argument der Stadt für die Notwendigkeit der Mäharbeiten angeführt worden. „Wenn dem so ist, trifft das aber nur auf die hintere Fläche an der Zufahrt und einen kleinen Streifen davor zu, nicht aber auf die anderen großen Flächen. Dort ist noch nie ein Riesenbärenklau gewesen.“

Die IGU fordert nun, dass ähnliche Aufräumarbeiten in Zukunft nicht mehr vorgenommen werden – auch mit Blick auf die Bewerbung der Stadt beim BUND-Landesverband als „Bienenfreundliche Gemeinde“. In diesem Zusammenhang sei auch die Fläche rund um die alte Stadtgärtnerei in dem offiziellen Antrag angegeben worden. „Demnächst kommt eine Kommission nach Schleswig und sieht sich die Gegebenheiten vor Ort an. Da kommt so ein Kahlschlag wie am Holmer Noor sicher nicht gut an“, befürchtet Laß.

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erstellt am 07.Dez.2015 | 17:54 Uhr

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