zur Navigation springen

Kreis Schleswig-Flensburg : Krisen in Nahost: Wohin mit den Asylbewerbern?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der rasante Anstieg der Asylbewerberzahlen stellt Kreis und Ämter vor Probleme: Wohin mit den Menschen? Quartiere sind längst Mangelware, und auch die ehrenamtlichen Betreuer geraten an ihre Grenzen.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2014 | 07:59 Uhr

Schleswig | Während des Jugoslawien-Konfliktes Anfang der 1990er Jahre gab es zuletzt eine vergleichbare Entwicklung der Flüchtlingszahlen im Kreis Schleswig-Flensburg. Heute sind es die Krisen in Syrien, Irak und Afghanistan, die die Zahl Hilfe suchender Menschen ansteigen lässt. Allerdings sind der Kreis und die Ämter darauf offenbar deutlich schlechter vorbereitet. Es fehlt an Wohnraum und Personal, um den Menschen die Eingliederung auf Zeit zu erleichtern.

Die Zahlen, die Rainer Stiemcke, Fachdienstleiter für Ordnungsangelegenheiten im Kreis, dieser Tage zu verdauen hat, haben es in sich: 50 Prozent mehr Asylbewerber im Jahr 2013, prognostizierte 70 Prozent mehr in diesem Jahr – ein rasanter Anstieg, dessen Ende angesichts der geopolitischen Lage derzeit nicht abzusehen ist. Und weil eben diese Lage es mit sich bringt, dass die Menschen selbst bei abgelehnten Asylanträgen vielfach nicht in ihre unsichere Heimat zurückgeschickt werden können, steigt die Zahl jener, für die die Ämter Unterkünfte bereitstellen müssen, ebenfalls stetig an.

Denn der Flüchtlingsstrom wird – streng reglementiert – von der zentralen Aufnahmestelle des Landes in Neumünster mit festen Quoten zunächst auf die Kreise und dann von dort je nach Einwohnerzahl weiter auf die Ämter verteilt. Aus den Amtsverwaltungen höre er immer öfter: Wir finden keinen Wohnraum mehr, sagt Stiemcke. Zum Teil weichen die Ämter nach seinen Worten schon auf Ferienwohnungen oder Hostels aus, wenn sie keine Wohnungen anmieten können, um die ihnen zugewiesenen Flüchtlinge unterzubringen.

„Alles das, was wir mal hatten, können wir heute nicht mehr nutzen“, betont der Fachmann zudem. Neben den vier Gemeinschaftsunterkünften im Kreis Schleswig-Flensburg, die es in den 90er Jahren noch gab (Altes Strandhotel Kappeln, Unaften Gasthof, Mehrfamilienhaus Nieby, Berghof Harrislee), wurden damals teils auch Gasthöfe auf dem Land genutzt, um Flüchtlinge unterzubringen. Das wäre baurechtlich und brandschutztechnisch heute nicht mehr haltbar“, so Stiemcke.

Außerdem setze der Kreis auf eine dezentrale Unterbringung, sagt er. „Wir wollen eine bestmögliche Integration im ländlichen Raum, keine Gettobildung.“ Das funktioniert bisher nicht zuletzt durch den Einsatz ehrenamtlicher Lotsen im ländlichen Raum ganz gut. Sie kümmern sich um die Neuankömmlinge, helfen ihnen bei Behördengängen und der Erledigung täglicher Dinge in der für sie vollkommen fremden Welt.

Doch auch diese Lotsen geraten an ihre Grenzen. Gut 40 Menschen engagieren sich im Kreis in dieser Form für die Flüchtlinge, eine Zahl, die nicht mehr ausreiche, sagt Stiemcke, der zudem die Sprachbarriere als größtes Problem dieser Arbeit ins Feld führt, wenn es darum geht, die Hilfe weiterzuentwickeln. Deshalb hat er trotz des erheblichen Sparzwangs beim Kreis eine zusätzliche Stelle für seinen Fachbereich beantragt, in den 90er Jahren gab es davon zwei.

Sie soll nach Möglichkeit mit einer Integrationsfachkraft besetzt werden, die sich nicht nur um die Bedürfnisse der Flüchtlinge im Kreisgebiet kümmern soll, sondern auch die Lotsen betreuen und ihnen als Anlaufstelle dienen soll. Die Stelle wäre für den Kreis refinanzierbar, denn das Land erstattet einen Teil der Kosten mit einer Pauschale (60 Euro je Asylbewerber pro Quartal). Deshalb hofft Stiemcke auf einen Zuschlag noch in diesem Jahr, damit schnell eine geeignete Person eingestellt werden kann. „Ideal wäre natürlich jemand, der Arabisch und Farsi spricht“, sagt er.

> Es werden zudem händeringend weitere ehrenamtliche Lotsen für die Unterstützung der Asylsuchenden gesucht. Wer Interesse hat, kann sich melden unter Telefon 04621/ 87247.


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert