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Schleswiger Nachrichten

25. September 2017 | 19:15 Uhr

Berender redder : Krippenbau sorgt für Ärger

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Anwohner beklagen, dass sie bei den Planungen für eine neue Kita in ihrer Nachbarschaft nicht eingebunden wurden.

von
erstellt am 13.Apr.2014 | 13:00 Uhr

„Die machen doch eh, was sie wollen. Da hört keiner zu – typisch.“ Wenn Wolfgang Schulte diese Worte ausspricht, klingt eine Menge Frust mit. Denn die, und damit meint der Hausbesitzer aus dem Berender Redder die Mitarbeiter der Stadt Schleswig, hätten mal wieder nicht das gemacht, was sie doch eigentlich versprochen hatten. Nämlich mit ihm und seinen Nachbarn zu reden. Dann wüssten Schultes und die anderen Anwohner des Karlssonweges, dass der Bau einer Krippe in ihrer Straße schon lange beschlossene Sache ist. So aber mussten sie erst die Bauarbeiter fragen, die Tage zuvor damit begonnen hatten, das entsprechende Grundstück herzurichten.

Dass dort, am westlichen Rand der Straße, der dänische Schulverband nun bis zum Spätsommer eine Krippe mit 40 Betreuungsplätzen errichtet, „dagegen habe ich ja an sich nichts“, betont Schulte ausdrücklich. Aber dass die Anwohner, „wieder mal“, nicht mit eingebunden worden seien, „das ist doch eine Sauerei“, fügt er mit Blick auf den 10. April 2013 an. Damals hatte die Stadt die Anwohner des Neubaugebietes ins Rathaus eingeladen, um sich mit ihnen auszutauschen, ihre Wünsche und Klagen aufzunehmen. „Dort hieß es auch, dass wir künftig mit eingebunden werden sollen, wenn hier etwas Neues geplant wird. Aber davon ist nichts übrig geblieben“, sagt auch Martin Caspers.

Er wohnt künftig direkt neben dem neuen Kindergarten. Etwa drei Meter trennen dann die Mauer seiner Doppelhaushälfte, die er mit seiner Frau Vera 2012 gekauft hat, vom Außengelände der Krippe. Dazwischen liegt seine Terrasse. „Wir haben nichts gegen Kinder, im Gegenteil: Wir werden selbst bald Großeltern. Aber mit Blick auf unser kleines Grundstück hätte man uns doch einfach mal bei der Planung mit einbinden können. Vielleicht hätte man das Außengelände ja auch auf die andere Seite verlegen können“, meint Caspers. Stattdessen aber sei er gar nicht über die Baupläne informiert worden. „Es war nie die Rede davon, dass hier, mitten in der Siedlung, die Krippe hinkommt. Auch im B-Plan war das nicht eingezeichnet. Wir wurden alle überrascht.“

Rathaussprecherin Antje Wendt verweist in diesem Zusammenhang auf das Konzept, mit dem der Berender Redder beworben wird: „Wohnen mit Kindern in der Stadt“. Dazu gehörten nun einmal auch Angebote für die Kinderbetreuung, sagt sie auf Anfrage der SN und fügt an: „Wo genau eine Krippe gebaut wird, muss nicht im B-Plan ausgewiesen werden. Sie hätte auch auf jedem anderen Grundstück errichtet werden können. Baurechtlich ist hier alles in Ordnung.“

Bleibt also noch der Vorwurf der mangelhaften Informationspolitik der Stadt. Die war bereits von den Anwohnern kritisiert worden, als öffentlich wurde, dass am Berender Redder eine Wohneinrichtung für behinderte Menschen gebaut wird. Gleiches gilt im Fall der Unterbringung zweier Pädophiler in der benachbarten Pflegeeinrichtung „Klappschau“ (die SN berichtete jeweils). Bürgermeister Arthur Christiansen, der damals ebenso wie bei besagter Einwohnerversammlung noch nicht in Amt und Würden war, bedauert, dass es nun erneut zu Kommunikationsschwierigkeiten gekommen ist – auch wenn ihm persönlich dieser Fall neu sei. „Wenn aber zugesagt wurde, dass die Einwohner in solche Planungen eingebunden werden, dann muss man das auch machen“, sagt er. Miteinander zu sprechen, sei immer die beste Lösung. „Wenn man mich fragt, werde ich gerne versuchen zu vermitteln zwischen Anwohnern und Bauträger.“

Letzterer wiederum zeigt sich überrascht von den Beschwerden der neuen Nachbarn. „Wir werden das Gespräch suchen. Aber aus unserer Sicht ist alles korrekt gelaufen. Wir haben das Grundstück von der Stadt gekauft, einen Bauantrag gestellt – der wurde genehmigt“, sagt Thomas Heyer vom dänischen Schulverband. Und auch Jesco Kurth vom beauftragten Flensburger Architektenbüro Brodersen sieht keine Probleme, „zumal die Zufahrt zur Krippe von der anderen Seite aus geplant ist“. Dennoch will er nun prüfen, ob man etwa durch Zäune oder kleine bauliche Änderungen die Privatsphäre der Anwohner besser schützen kann. Eine Hoffnung, die auch Wolfgang Schulte hat: „Denn noch ist ja kein Beton geflossen.“

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