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Schleswigs Knotenpunkt Nr.1 : Kreuzung statt Gottorfbrücke?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Gottorfbrücke ist altersschwach. Schleswigs Hauptverkehrsader am Oberlandesgericht könnte völlig neu gestaltet werden.

von
erstellt am 25.Okt.2014 | 19:08 Uhr

Sie wurde 1968 eingeweiht, und kaum ein Schleswiger kann sich die Stadt noch ohne sie vorstellen: Die Gottorfbrücke im Zuge der Bundesstraße 76. Sie trennt den Friedrichsberg vom Rest der Stadt, sie ermöglicht es aber auch jeden Tag tausenden Pendlern, ohne Verkehrschaos nach Schleswig zu gelangen. Doch dieser wichtige Verkehrsknotenpunkt ist marode. Fachleute prüfen derzeit, wie lange das Bauwerk der ständigen Belastung noch standhält. Anfang des kommenden Jahres sollen die Ergebnisse vorliegen. Die Prognosen sind nicht günstig. Für schwere Lkw ist die Brücke schon jetzt teilweise gesperrt.

Karl-Heinz Roos, der Leiter des Landesbetriebs Straßenbau in Flensburg, bereitet die Autofahrer jetzt vorsichtig auf das Undenkbare vor: Schleswig ohne Gottorfbrücke. „Man könnte an dieser Stelle auch eine breite Kreuzung oder einen Kreisverkehr bauen“, sagt er, betont aber auch: „Das sind erst einmal nur Gedankenspiele.“ Man müsse in alle Richtungen denken und verschiedene Varianten prüfen.

Die Riesbergbrücke am Busdorfer Kreisel, die nur wenig älter ist als die Gottorfbrücke, ist bereits 2009 komplett neu gebaut worden. Das war ein vergleichsweise einfaches Unterfangen im Vergleich zu der Mammutaufgabe, vor dem die Straßenbauplaner nun möglicherweise stehen. „An dieser Stelle eine neue Brücke zu bauen,ist ein richtig großes Problem“, sagt Roos. Denn irgendwie muss der Verkehr ja weiterfließen, wenn sich die Bauarbeiten über viele Monate hinziehen. Die Wagenkolonnen würden durch den Friedrichsberg und über die Flensburger Straße rollen – so wie bis in die 1960er Jahre, nur dass es damals viel weniger Autos gab.

Ein Neubau wäre aber nicht nur eine organisatorische Herausforderung, sondern auch eine Frage des Geldes. Noch weiß niemand, was ein Neubau kosten würde, aber es wären deutlich mehr als die 1,2 Millionen Euro für die Riesbergbrücke. Schließlich besteht die Gottorfbrücke eigentlich aus drei einzelnen Brücken: Eine führt über die Gottorfstraße, eine über den Zubringer von der Innenstadt in Richtung Süden auf die Bundesstraße und eine dritte Brücke führt über die Abfahrt aus Richtung Norden. „Die Brücken hängen alle zusammen, wir können nicht einfach eine von ihnen herausreißen und die anderen stehen lassen“, sagt Roos. Er verweist darauf, dass diese aufwendige Konstruktion geplant wurde, als die Autobahn 7 noch nicht durch Schleswig-Holstein führte und der gesamte Fernverkehr nach Dänemark über die damalige Europastraße 3 floss. Vor einer Entscheidung über die Zukunft der Gottorfbrücke soll eine Verkehrszählung Aufschluss darüber geben, ob eine ebenerdige Kreuzung den Verkehr bewältigen kann.

Ohne Gottorfbrücke müssten wohl auch die innerstädtischen Straßen in der Umgebung ganz neu gestaltet werden. Im Rathaus hat man sich darüber bisher keine Gedanken gemacht. „Die Überlegungen des Landesbetriebs Straßenbau sind uns bisher nicht bekannt“, sagt Stadtverwaltungs-Sprecherin Antje Wendt. „Es ist aber davon auszugehen, dass man die Stadt Schleswig bei derartigen Plänen frühzeitig mit einbinden würde.“

 

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