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Schleswiger Nachrichten

19. August 2017 | 07:54 Uhr

Schleswig : Kreissporthalle als Notunterkunft?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bis zu 200 Transitflüchtlinge können in Schleswig kurzfristig untergebracht werden – wenn Dänemark die Grenze schließt.

Die Flüchtlingsproblematik beschäftigt auch den Katastrophenschutz im Kreis. Was geschieht, wenn Dänemark und Schweden ihre Grenzen schließen? Für dieses Szenario gilt es vorzusorgen, und damit hat der Krisenstab im Kreishaus in Schleswig bereits vor vier Wochen begonnen. Inzwischen sind die Vorbereitungen abgeschlossen. Demnach sollen Flüchtlinge, die auf der Reise nach Skandinavien im Kreisgebiet stranden und nicht in einer der grenznahen Gemeinden unterkommen können, zunächst in der Kreissporthalle des Berufsbildungszentrums (BBZ) am Eisteich in Schleswig untergebracht werden.

Mit den Vorbereitungen habe man begonnen, als sich vor einigen Wochen abzuzeichnen begann, dass Dänemark seine Grenze für Transitflüchtlinge schließen könnte, erklärt Rainer Stiemcke, Fachdienstleiter für Ordnungsangelegenheiten beim Kreis und damit für die Koordination zuständig. Und zwar in enger Abstimmung mit der Stadt Flensburg, deren Belastung durch den Flüchtlingsstrom, der sich durch den Bahnhof der Stadt zwängt, ohnehin deutlich größer ist. Während die Stadt zunächst zehn Turnhallen für den Ernstfall bereithielt, hofft der Kreis mit der Halle am Eisteich auszukommen. Die geplante Kapazität gibt Stiemcke mit 200 Plätzen an.

Allerdings weiß auch er: „Zahlen und die Dimension dessen, was noch auf uns zukommen kann, sind unberechenbar.“ Und sie sind abhängig von politischen Entscheidungen im Nachbarland. Dass das dänische Folketing heute darüber entscheiden wird, die Kontrolle von Visa und Ausweisen auf Bus- und Bahnunternehmen zu verlagern und diese mit dem Boykott des grenzüberschreitenden Verkehrs drohen (wir berichteten), bereitet ihm in diesem Zusammenhang durchaus Sorge. Gleichwohl sieht er den Kreis mit seiner Notfallplanung gerüstet, zumindest, um die ersten Tage zu überbrücken. „Ich stelle mir kalte Weihnachten vor und Flüchtlinge, die hier stranden. Für die müssen wir spontan etwas tun können.“

Die Vorlaufzeit, bevor die Eisteichhalle Menschen für mehrere Tage beherbergen kann, beziffert Stiemcke auf 24 Stunden. Diese Zeit steht den Katastrophenschutzkräften vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) und von der Johanniter Unfallhilfe (JUH) zur Verfügung, um aus dem zentralen Lager in Kappeln bis zu 200 Feldbetten heranzuschaffen. Der Bestand wurde gerade auf diese Zahl aufgestockt. Auch die Verpflegung würde von den freiwilligen Katastrophenschützern organisiert. Für die Unterstützung bei der Kommunikation steht ein mehrsprachiger „Kulturmittler“ im Kreishaus bereit, der schon heute dabei ist, wenn Flüchtlinge aus einer Erstaufnahmeeinrichtung ins Kreishaus kommen, um dort zu erfahren, wie es mit ihnen weitergehen soll.

Klar ist, dass die Kreissporthalle nicht mehr bietet als ein erstes Dach über dem Kopf, wenn tatsächlich Flüchtlinge auf dem Landweg nach Skandinavien im Kreisgebiet stranden sollten – eine vorübergehende Lösung nur für wenige Tage, sagt Stiemcke. „Das soll und darf kein Dauerzustand sein.“ Die Hoffnung ist, dass sich innerhalb dieser wenigen Tagen klären lässt, wie es für die Menschen weitergeht. Sicher ist dies bislang lediglich für jene, die sich aufgrund der politischen Situation in Skandinavien entscheiden, sich in Deutschland registrieren zu lassen. Ihr Weg würde direkt in eine Erstaufnahmeeinrichtung führen. Die Beförderung der Flüchtlinge, so ist es zumindest vorgesehen, würde von der Landespolizei übernommen werden. 

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erstellt am 10.Dez.2015 | 19:02 Uhr

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