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Danewerk, Gleisanlage und Noor-Wanderweg : Kreis Schleswig-Flensburg lockt mit „negativem Kaufpreis“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Eigentum, das die Kasse belastet, soll verkauft werden – zur Not wird auch draufgezahlt.

von
erstellt am 27.Mai.2017 | 00:00 Uhr

Schleswig | Der Kreis Schleswig-Flensburg zieht seine Sparmaßnahmen konsequent durch. Eigentum, das nicht die Kernaufgaben berührt und dauerhaft Kosten verursacht, wird abgestoßen. Keine einfache Aufgabe, wie sich am Beispiel des Danewerk zeigt. Da wurde das kostbare und kostspielige historische Erbe zunächst dem dänischen Kulturverein angeboten, dann dem Amt Haddeby und schließlich die Frage aufgeworfen, ob sich nicht die Landesmuseen darum kümmern könnten. Ein Ergebnis gibt es noch nicht, aufgegeben aber wird nicht – schließlich geht es um viel Geld. Um die spektakuläre Waldemarsmauer nur zu erhalten, sind fünfstellige Summen notwendig. Jetzt wird das kulturhistorische Denkmal erst einmal mit einer Plane abgedeckt, damit zumindest keine weiteren Schäden entstehen.

Die Wartung des Danewerk – für Dänen und die hier lebende dänische Minderheit eines der wichtigsten nationalen Symbole – reißt seit Jahren ein Loch in die Kasse des Kreises. Die sanierungsbedürftige Festungsanlage aus dem Mittelalter, die auf der Nominierungsliste für das UNESCO-Welterbe steht, soll weg von der Kostenliste, aber natürlich physisch irgendwie erhalten bleiben.

Als Belastung empfindet der Kreis Schleswig-Flensburg auch die Infrastruktur der Angelner Dampfeisenbahn, die in der Sommersaison zwischen Kappeln und Süderbrarup Touristen durch die schöne Landschaft fährt. Die Instandhaltung der Gleisanlagen belastet den Haushalt – und deshalb ist die Kreispolitik fest entschlossen, die Schienen und Grundstücke zu verkaufen – für einen „negativen Kaufpreis“ von 60.000 Euro. Das heißt: Der Kreis will sein Eigentum abgeben und zahlt dem Käufer dafür Geld. Langfristig aber spart er Unterhaltungskosten.

Die Angelner Dampfeisenbahn.

Die Angelner Dampfeisenbahn in neuem Gewand.

Foto: Staudt
 

Nach langen und schwierigen Verhandlungen scheint das jetzt tatsächlich zu gelingen. Die Anrainergemeinden der Strecke planen, einen Zweckverband mit dem Ziel zu gründen, den Betrieb der Museumsbahn auch weiterhin zu ermöglichen. Im Werkausschuss des Kreises wurde nun ein entsprechender Entschluss gefasst. Darin heißt es, dass der Kreis nach Abschluss der Vereinbarung künftig keine finanzielle Beteiligung mehr leistet. Neben dem „negativen Kaufpreis“ verpflichtet sich der Kreis jedoch, für eventuelle Bodenbelastungen aufzukommen und bei der Einstellung des Bahnbetriebs den Abbau der Bahnübergänge zu übernehmen.

Einmal eine Ablösesumme zu zahlen, um sich aus langfristigen Verpflichtungen zu verabschieden – das scheint eine gängige Methode zu sein. Bereits 2011 hatte der Kreis Schleswig-Flensburg sich mit einer Einmalzahlung von 2,3 Millionen Euro aus der Verantwortung für die Fördeland-Therme in Glücksburg freigekauft. Das zuvor als lukrativ und wertvoll für die Infrastruktur eingeschätzte Prestigeobjekt wurde zu einem mächtigen Verlustgeschäft, als in der Nachbarstadt Flensburg das Campusbad eröffnete. Der Ausstieg des Kreises Schleswig-Flensburg erwies sich als positiv für die Kreisfinanzen. Die Stadt Glücksburg jedoch taumelt seitdem am Rande des Ruins.

Dass der Kreis seinen Weg weitergeht, zeigte auch ein ganz frischer Beschluss aus dem Werkausschuss. Thema war der Wanderweg um das idyllische Haddebyer Noor in unmittelbarer Nähe der Schlei. Die Flurstücke, auf denen der Weg verläuft, sind in privater Hand, gehören zur Stiftung Naturschutz und zum Teil auch dem Kreis Schleswig Flensburg. „Für die Pflege, die das Amt für uns übernimmt, zahlen wir jährlich 37.000 Euro“, erläuterte Ulrich Thon, Leiter des Servicebetriebs. Zudem bestehe dringender Handlungsbedarf an einer Treppe und einem Steg.

Das Wikingerschiff „Erik Steuermann“ lädt auf dem Haddebyer Noor zum Segeltörn ein.
Das Haddebyer Noor.
 

In zehn Jahren, so Thon, müsse man rund 250.000 Euro für Sanierungen ausgeben. Er sprach sich im Ausschuss dafür aus, sich aus den Verpflichtungen freizukaufen. „Vielleicht könnte ja das Amt Haddeby in die Verantwortung einsteigen“, sagte Thon, der vom Ausschuss die Genehmigung erfragte, in Verhandlungen einsteigen zu können. Die erhielt er – und zudem noch einige nützliche Tipps. Arno Asmus (CDU) regte an, die Stiftung Naturschutz in die Verhandlungen einzubeziehen. Die hätte genügend Geld. Unterstützung erhielt er von Christoph Jaenicke (Grüne): „Wenn jemand Geld hat, dann die Stiftung.“

Thon kündigte an, zunächst Verbindung mit dem Amt Haddeby aufzunehmen. Zur Höhe des „negativen Kaufpreises“ in diesem Fall wollte er im Ausschuss lieber keine Angaben machen: „Dies ist ein öffentlicher Ausschuss. Wenn ich hier Summen nennen würde, könnte das unsere Verhandlungsposition schwächen.“

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