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Streit um Zuschüsse : Kreis gibt eine Million fürs Theater in Schleswig

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach kontroverser Debatte stellt der Kreistag einen Zuschuss in Aussicht. Der bleibt allerdings weit hinter den Erwartungen der Stadt Schleswig zurückbleibt

Einen Zuschuss von einer Million Euro stellt der Kreis Schleswig-Flensburg der Stadt Schleswig für den Bau einer neuen Theaterspielstätte zur Verfügung. Das ist das Ergebnis einer kontrovers geführten Debatte im Kreistag. Damit bleiben die Politiker um 50 Prozent unter der Summe, die die Stadt Schleswig eigentlich gefordert hatte, um die Enden ihrer Finanzkalkulation zusamenzubringen. Schleswigs Bauausschussvorsitzender Klaus Bosholm (SPD) und Projektleiterin Julia Pfannkuch war die Enttäuschung nach der Sitzung ins Gesicht geschrieben. Sie werden dieses Ergebnis mit in die Stadtgremien nehmen, wo im November über die Fortführung des Projektes entschieden werden soll. Die nun noch fehlende Million stellt der Kreis zwar in Aussicht, allerdings in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Novelle des Finanzausgleichsgesetzes (FAG). Und diese sieht zurzeit noch jährlich rund 1,5 Millionen Euro mehr bei der Stadt und 7,6 Millionen Euro weniger für den Kreis vor.

Dem Beschluss vorausgegangen war eine lebhafte Debatte, in deren Verlauf bis auf die Grünen alle Fraktionen eigentlich darin übereinstimmten, dass die Stadt Theaterstandort bleiben müsse, nur nicht über Voraussetzungen und Zeitplan. „Das Interesse Schleswigs, sich als Kulturhauptstadt zu positionieren, ist auch für den Kreis bedeutend“, betonte CDU-Fraktionschef Timo Kux. Er machte aber auch keinen Hehl daraus, dass in der Fraktion so kontrovers wie selten über den Zuschuss diskutiert worden war. Und Kux übte Kritik: Die Stadt Schleswig habe den Kreispolitikern den Schwarzen Peter zugeschoben, indem Wohl und Wehe des 16,6-Millionen-Euro-Projektes vom Kreiszuschuss abhängig gemacht werde. Zumal über diesen hinaus bislang lediglich der städtische Anteil von fünf Millionen Euro gesichert sei. Kux: „Das ist zu wenig.“ Zudem rechnete Kux vor, dass die Stadt mit den zusätzlichen 1,5 Millionen Euro pro Jahr aus dem FAG über die nächsten 25 Jahre rund 25 Millionen Euro selbst finanzieren könnte.

Auch SPD-Fraktionschef Ingo Degner hatte zwar durchaus Kritik im Detail („Multifunktionalität könnte ich mir besser vorstellen“), erwies sich jedoch als vehementester Verfechter des Zuschuss-Planes. „Wir wollen ein Theater mit vier Sparten. Wenn wir uns mit zwei Millionen Euro beteiligen können, dann ist das gut angelegtes Geld“, sagte der Schleswiger. Auch die wiederholt geäußerte Kritik an der zugrunde gelegten Machbarkeitsstudie ließ Degner nicht gelten. Diese sei seriös erstellt und enthalte stichhaltige Zahlen. Selbst die vom Kreis geforderte Dynamisierung der Landesmittel für das Landestheater sei von Kulturministerin Anke Spoorendonk bereits mehrfach zugesagt worden. „Es geht hier um die Zukunft des Landestheaters. Da stehen wir als Gesellschafter in der Verantwortung.“

Carsten-Peter Brodersen (FDP) forderte zur Vertagung auf, bis verlässliche Daten vorlägen. Auch sei die Größenordnung des Projektes nicht der angespannten Finanzlage angepasst. „Wir sind nicht hier, um Wünsche eines Generalintendanten zu erfüllen.“ Klaus-Dieter Wagner (Freie Wähler) befürchtet gar ein „Schleswig 21“.

Manfred Wilner-Höfer (Grüne) erklärte, der Kreis könne das Geld der Kulturstiftung nur einmal verplanen, bisher seien aus deren Etat 500 000 Euro für die „Baustelle Unewatt“ vorgesehen. Fraktionskollegin Barbara Leonhard erklärte, vor einem Kreiszuschuss müsse das Land erst einmal ein schlüssiges Konzept für die Schleswig-Holsteinische Theater-Landschaft vorlegen. Sie befürchte einen „Elbphilharmonie-Effekt“.

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