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Schleswig-Flensburg : Kreis baut eigenes Digitalfunk-Netz auf

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bei der Alarmierung von Feuerwehr und Rettungsdienst im Kreis kommt es immer widder zu Pannen. Deshalb soll jetzt ein eigenes Funknetz aufgebaut werden. In einer Sondersitzung will die Politik den Weg frei machen.

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erstellt am 14.Nov.2014 | 13:00 Uhr

Der Kreis Schleswig-Flensburg wird ein eigenes Netz für die digitale Alarmierung aufbauen und die bisherige Zusammenarbeit mit der Firma E-Message aus Berlin einstellen. Zwar steht der endgültige Beschluss durch den Kreistag noch aus, und auch die eigentlich erwartete Empfehlung des Gesundheits- und Brandschutzausschusses wurde noch einmal verschoben. Doch nachdem die CDU-Fraktion alle Interessenvertreter noch einmal gehört hat, hat auch sie grünes Licht signalisiert. In einer Sondersitzung am 4. Dezember soll der Ausschuss den Beschluss rechtzeitig vor der entscheidenden Kreistagssitzung am 17. Dezember fassen.

Um das Funknetz zu Beginn des Jahres 2016 in Betrieb nehmen zu können, sind Investitionen notwendig. Dafür hat der Kämmerer im Haushaltsentwurf für das kommende Jahr 340 000 Euro vorgesehen. In der Verwaltung hatte man längt alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den eigentlich bereits in der August-Sitzung des Ausschusses einstimmig empfohlenen Weg gehen zu können. „Von der Vertagung durch die CDU sind wir kalt erwischt worden“, so Kreismitarbeiter Rainer Stiemcke. Man sah den eigenen Zeitplan bereits in akuter Gefahr. Die CDU allerdings benötigte nur wenige Tage, um die – wie Ausschussmitglied und CDU-Kreisgeschäftsführer Rainer Haulsen betonte – vielen noch offenen Fragen zu klären.

Mit seiner Marschroute folgt der Ausschuss dem Wunsch des Kreisfeuerwehrverbandes, der in der August-Sitzung eindringlich für diese Lösung geworben hatte. Kreiswehrführer Mark Rücker hatte auf gravierende Missstände im Betrieb des Miet-Systems hingewiesen, für das sich der Kreis im Jahr 2006 entschieden hatte. So sorgten beispielsweise Funklöcher im Bereich Glücksburg immer wieder für Ärger bei der Feuerwehr. Im Mai dieses Jahres gab es sogar einen zunächst unbemerkten Totalausfall des Alarmierungsnetzes. Bei den Stürmen Xaver und Christian im vergangenen Jahr sei das Netz zudem restlos überlastet gewesen, so der Kreiswehrführer.

Eine Erhebung bei den Feuerwehren hatte 2013 insgesamt 80 Störungsmeldungen ergeben, nicht nur im nördlichen Kreis, sondern auch in den Ämtern Kropp-Stapelholm, Schafflund und Südangeln. Unterbliebene Alarmierungen mehrerer Pager, verspätete Alarmierungen und Netzlücken waren die gravierendsten Störfälle. Im finalen Gespräch mit der CDU am vergangenen Mittwoch konnten Firmenvertreter die Bedenken gegen das E-Message-System nach Angaben Haulsens nicht ausräumen.

Mit dem im Haushalt bereitgestellten Geld sollen flächendeckend so genannte digitale Alarm-Umsetzer beschafft und aufgebaut werden, um eine kreisweit sichere und mehrfach abgesicherte Alarmierung sicherstellen zu können. Angestrebt werde in diesem Zusammenhang die Beschaffung einer Netztechnik, die in das bereits bestehende Alarmierungsnetz des Kreises Nordfriesland und der Stadt Flensburg integrierbar wäre, heißt es in der Beschlussvorlage der Kreisverwaltung. Hieraus ergäben sich voraussichtlich erhebliche Synergieeffekte, die wiederum zu deutlichen wirtschaftlichen Vorteilen führen würden. Im Idealfall würde die im Sommer geschätzte Summe von 340 000 Euro deutlich unterschritten.

Die notwendigen Geräte für die digitale Alarmierung über das Kreisnetz müssten anders als bisher durch die Wehren gekauft werden. Derzeit zahlen die Feuerwehren für jeden Alarmmelder (Pager) 37,49 Euro Miete pro Jahr. Insgesamt wurden 82 Verträge geschlossen, über die 2153 Endgeräte (1864 Pager, 289 Sirenen) betrieben werden. Die Anschaffungskosten für die neuen Geräte werden nach Aussage des Kreises zur Hälfte aus Mitteln der Feuerschutzsteuer gefördert. Auch diese sind im Haushaltsentwurf 2015 bereits vorgesehen.

Der von der Arbeitsgruppe empfohlene und nun vom Ausschuss beschlossene Weg wird ausdrücklich auch durch die Leitstelle Nord unterstützt, da sich hieraus die Chance ergibt, die zurzeit noch im Zuständigkeitsraum der Leitstelle Nord existierenden unterschiedlichen Alarmierungssysteme zu harmonisieren. Hieraus würden sich eine Reihe operativ-taktischer, wirtschaftlicher und organisatorischer Vorteile ergeben, heißt es. Zur Finanzierung der laufenden Netzbetriebskosten (Abschreibungen, Instandsetzung, Arbeitsplatzkosten, Strom) sollen auch die örtlichen Feuerwehrträger sowie die Träger des Rettungsdienstes herangezogen werden.


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