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Schleswig : Krankenhaus zu verkaufen – für 2,5 Millionen Euro

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Kreis Schleswig-Flensburg will das alte Klinikgebäude verkaufen. Es gibt sechs Interessenten.

von
erstellt am 15.Jun.2016 | 10:48 Uhr

Für 2,5 Millionen Euro ist das alte Martin-Luther-Krankenhaus zu haben. Bundesweit wird der gesamte Gebäudekomplex auf dem Immobilienmarkt zu diesem Preis angeboten. „Großes Klinikanwesen mit Schleiblick zu verkaufen!“, heißt es laut Anzeige mit diesen Infos zum Krankenhaus: „Baujahr 1962, kein Bestandsschutz, ca. 24  381 Quadratmeter Nutzfläche, ca. 18  500 Quadratmeter Grundstück“.

Eigentümer des sechsstöckigen Krankenhaus-Gebäudes ist der Kreis Schleswig-Flensburg. Der hatte das Kieler Immobilienbüro Otto Stöben mit der freien Vermarktung des Gebäudes beauftragt. Die Resonanz darauf ist nicht schlecht und erstaunt auch ein wenig: Danach gibt es tatsächlich sechs Interessenten für Schleswigs Krankenhaus. Das teilte die Kreisbehörde auf SN-Nachfrage mit. Die Bewerber seien aufgefordert, bis zum 30. Juni ein „grobes Nachnutzungskonzept für die Liegenschaft vorzulegen“, erläutert Landrat Wolfgang Buschmann. Denn sowohl für die Stadt Schleswig, mit der der Kreis in enger Abstimmung die Verkaufsverhandlungen führen wird, als auch für den Kreis selbst sei es wichtig, dass der neue Gebäude-Eigentümer ein Nutzungskonzept vorlegt, das „nachhaltig im Sinne der Stadtentwicklung ist und keine Konkurrenz zur Innenstadt darstellt“.

Jedoch: Haupt-Interessent für das Krankenhaus dürfte weiterhin die Gewoba Nord sein. Die Wohnungsbaugenossenschaft hat ihren Hauptsitz in der Moltkestraße 32, also in unmittelbarer Nachbarschaft. Das erhöht natürlich den Reiz am Erwerb der alten Klinik, bestätigt Dietmar Jonscher vom Gewoba-Vorstand gegenüber den SN. Von Anfang an hat die Gewoba ihr großes Kaufinteresse deutlich gemacht, und hinter verschlossenen Türen wird auch seit über einem Jahr mit dem Kreis verhandelt. Das Konzept, das die Gewoba für die Nutzung des großen Klinik-Komplexes hat, sei auf den Gesundheitsstandort Schleswig ausgerichtet, sagt Jonscher. „Wir können uns gut vorstellen, neben Miet- und Seniorenwohungen sowie Betreutem Wohnen auch Angebote für Patienten aus dem Helios-Klinikum zu machen, die nach ihrer Entlassung noch pflegerische Hilfe haben möchten.“ Auch für Angehörige von Patienten im nicht weit entfernten neuen Helios-Klinikum sieht die Gewoba Unterbringungsmöglichkeiten. Vor der Mammutaufgabe, den „großen alten Klotz“ von Grund auf zu sanieren, scheut die Gewoba demnach offenbar nicht zurück. Jonscher: „Die Grundsubstanz des Krankenhauses ist solide. Und wenn erst die Altlasten und die ganze Kliniktechnik entfernt sind, dann würde unsere Genossenschaft daraus etwas Gutes machen können.“

Landrat Buschmann bestätigt, dass die Gewoba „natürlich enorm viel Sachverstand mitbringt, um so ein Gebäude auf Vordermann zu bringen“. Dennoch sei der Kreis als Eigentümer verpflichtet, für den Verkauf zunächst eine Markterkundung vorzunehmen. Von großer Bedeutung sei aber das Nutzungskonzept: „Wir berücksichtigen dabei auf jeden Fall die Auswirkungen auf innerstädtische Entwicklungen.“ Zwar entscheidet der Kreis in alleiniger Verantwortung, jedoch in enger Abstimmung mit der Stadt. So ist es vertraglich geregelt. Die Stadt hatte 2007 ihren verbliebenen Geschäftsanteil am Krankenhaus von 5,01 Prozent an den Kreis verkauft.

Bürgermeister Arthur Christiansen betont das besondere Anliegen, dass durch die künftige Nutzung im Klinik-Altbau keine Konkurrenz zur Innenstadt aufgebaut werde, sondern zu deren Belebung beitrage. Christiansen gegenüber den SN: „Alles, was dort entsteht, sollte Innenstadt-verträglich sein. Etwa durch die Ansiedelung von Dienstleistungen auf dem Gesundheitssektor, durch Wohnmöglichkeiten, Hotellerie oder Gastronomie.“

Wer nun Eigentümer des alten Krankenhauses wird – diese Entscheidung will der Kreis im späten Herbst fällen. Vorerst zieht am 16. Juli die gesamte Klinik-Mannschaft samt Patienten um in den Neubau an der St. Jürgener Straße. Landrat Buschmann: „Danach wird man uns das alte Krankenhaus übergeben – besenrein.“

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