Vorwürfe gegen Helios : Krankenhaus-Mitarbeiter fühlen sich „tief getroffen“

Das Helios-Klinikum Schleswig an der Ecke Moltkestraße/Lutherstraße.
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Das Helios-Klinikum Schleswig an der Ecke Moltkestraße/Lutherstraße.

Nach der Welle der Kritik von Patienten hat Krankenhaus-Geschäftsführer Florian Friedel eine Mitarbeiterversammlung einberufen.

shz.de von
20. Januar 2015, 12:02 Uhr

Gedrückte Stimmung unter den Mitarbeitern im Schleswiger Krankenhaus. Die öffentlich geäußerten Beschwerden einiger Patienten über Unzulänglichkeiten in der Pflege sowie bei der Sauberkeit auf den Stationen hätten viele Klinik-Beschäftigte „tief getroffen“, wie eine Krankenschwester gegenüber den SN sagte. Einige ihrer Kolleginnen seien gar in Tränen ausgebrochen, als sie erfuhren, wie Patienten über ihre Arbeit urteilten. Sie hätten sich „persönlich verletzt gefühlt“.

„Unsere Mitarbeiter sind sehr schockiert über die Vorwürfe und haben überwiegend die Berichterstattung dazu als unfair wahrgenommen“, erklärte auch Helios-Geschäftsführer Florian Friedel auf SN-Nachfrage. Gemeinsam mit dem Ärztlichen Direktor Dr. Andreas Hohmann und der Pflegedienstleiterin Petra Steffen hatte er aus diesem Anlass gestern kurzfristig eine Mitarbeiterversammlung einberufen, die einen motivierenden und Mut machenden Charakter haben sollte. Dabei habe er den Krankenschwestern und Pflegern deutlich gemacht, dass die aktuellen Beschwerden „nicht als symptomatisch für den gesamten Klinikbetrieb gelten“.

Friedel verwies darauf, dass Beschwerden von Patienten zwar wie in anderen Kliniken auch in Schleswig vorkämen, prozentual gesehen jedoch eher gering seien. Das belege eine repräsentative Umfrage, die im Zeitraum von sechs Monaten unter insgesamt 4700 Patienten des Schleswiger Krankenhauses gemacht worden sei. Von diesen Befragten habe es einen Antworten-Rücklauf von mehr als 30 Prozent gegeben, von denen wiederum 92 Prozent ihr Urteil von „zufrieden bis voll und ganz zufrieden“ gefällt hätten, erklärte Friedel.

Aus Sicht der Helios-Geschäftsleitung habe sich die Pflege, die sich noch vor zwei Jahren „im Mittelfeld“ bewegt habe, stetig nach oben verbessert. Als bedauernswert bezeichnet er es, dass nun in der Öffentlichkeit „ein verzerrtes Bild über die Arbeit im Krankenhaus entstanden“ sei, weil einige der Vorwürfe noch aus Klinikaufenthalten früherer Jahre stammten. Seither aber habe Helios konsequent die medizinische und pflegerische Leistung „erheblich verbessert“. „Dieses lässt sich durch Zahlen und Statistiken jederzeit belegen“, betonte Friedel. Unabhängig von der Patientenbefragung aber könne jeder, der ein Problem habe, sich sofort an die Station wenden: „Oder der Patient kann die Telefonnummer anwählen, die auf jeder Station für Beschwerden ausgehängt ist“, sagte Friedel auf SN-Nachfrage.

Es ist das Verhältnis zwischen dem eigenen Arbeitseinsatz und der Anerkennung oder Wertschätzung von außen, die von vielen Krankenhausmitarbeitern als nicht ausgewogen genug empfunden wird. „Man arbeitet, tut und macht – und dann solche Kritik“, beklagt sich eine Schwester. „Das macht uns schwer zu schaffen.“

Doch andererseits werden Krankenschwestern und Pfleger auf ihren Stationen vielfach von Arbeit überrollt, weil die Personaldecke im Pflegebereich dünn ist. So schildern Mitarbeiter gegenüber den SN die angespannte Arbeitssituation. Eine Krankenschwester sagt: „Wie oft habe ich das Gefühl, auf der Station allein dazustehen.“

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