Glocken werden abgebaut : Kraftakt im Domturm

Fachgespräch hoch oben im Glockenstuhl: Sebastian Otto (li.) von der Fachfirma Otto-Buer aus Neustadt in Holstein mit Bischof Gothart Magaard.
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Fachgespräch hoch oben im Glockenstuhl: Sebastian Otto (li.) von der Fachfirma Otto-Buer aus Neustadt in Holstein mit Bischof Gothart Magaard.

Sanierungsarbeiten: Bis zum Wochenende sollen alle fünf Glocken samt Stuhl und Aufhängungen abgenommen werden.

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08. Februar 2018, 07:32 Uhr

Dieser Job ist wahrlich nichts für Menschen mit schwachen Nerven. Hoch oben im Turm des Schleswiger Doms klettern seit gestern die Männer der Spezialfirma Otto-Buer aus Neustadt in Holstein zwischen den dicken Holzbalken herum, befestigen Seile und Ketten und bereiten so alles vor, um einen echten Kraftakt zu bewerkstelligen. Denn bis zum Wochenende wollen sie alle fünf Domglocken, die in etwa 65 Metern Höhe hängen und insgesamt mehr als neun Tonnen wiegen, auf den Boden geholt haben.

„Das ist keine leichte Aufgabe, wie man sich vorstellen kann“, sagt Bischofs-Referent Andreas Hamann, der für die Koordination der Domsanierung zuständig ist. Und in deren Zuge sei es notwendig, dass die Glocken Platz machen für die Arbeiten. Denn der marode Turm muss nicht nur außen, sondern auch innen auf Vordermann gebracht werden. Außerdem, so erläutert Norbert Witt vom Architekturbüro Krekeler in Brandenburg, das für die Generalplanung verantwortlich ist, wären die Glocken auch aus einem anderen Grund im Weg. Denn da, wo diese sonst hängen, wird eine massive Stahlkonstruktion eingebaut, die später den oberen Teil des Gerüsts trägt, das außen am 112 Meter hohen Domturm angebracht wird. „Deswegen müssen wir nicht nur die Glocken rausnehmen, sondern auch den Glockenstuhl. Und der wiegt nochmal ein paar Tonnen“, sagt Witt.

All das wird nun in den kommenden Tagen mit Hilfe einer starken Seilwinde durch die verschiedenen Bodenöffnungen, die sich auf mehreren Ebenen im Turm-Innern befinden, herabgelassen. Danach werden Glocken, Glockenstuhl, Klöppel und die Joche (die einzelnen Aufhängungen) auf dem Gelände der Firma Otto-Buer für die Dauer der Sanierungsarbeiten eingelagert. „Bei uns steht das alles sicher und trocken“, sagt Chef Sebastian Otto, der aus einer alten Glockengießerfamilie stammt und sich auf sämtliche Arbeiten rund um das Thema Glocken spezialisiert hat. „Auch für uns sind solche Arbeiten, wie hier oben im Dom, nicht alltäglich. Aber wir wissen, wie man schwere Lasten innerhalb eines engen Turmes bewegt und werden das auch hier hinkriegen“, sagt er.

Die Schleswiger Glocken, so hat der Experte bereits festgestellt, seien allesamt in gutem Zustand. Das gelte auch für die „Kleine Herrenglocke“, die aus dem Jahr 1397 stammt und damit die mit Abstand älteste ist. Die anderen wurden erst, mit einer weiteren Ausnahme, in den 1950er- und 60er-Jahren gegossen – weil ihre Vorgängermodelle das Schicksal vieler anderer Glocken teilten und während des Zweiten Weltkrieges eingeschmolzen wurden, um aus ihnen Geschütze herzustellen.

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