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Kreis Schleswig-Flensburg : Kosten für Schulbegleitung explodieren

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Kreis zahlte im vergangenen Jahr 2,8 Millionen Euro – und die Tendenz geht in Richtung sieben Millionen.

von
erstellt am 22.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Schleswig | Die Unterlagen, mit denen sich der Jugendhilfeausschuss des Kreises zu befassen hatte, umfasste mehr als 200 eng beschriebene Seiten voller Zahlen. Da durchzublicken wäre fast unmöglich gewesen, hätte nicht die Verwaltung die kritischen Punkte mit der Alarmfarbe rot markiert. Durchgehend rot gekennzeichnet sind die Zahlen immer dann, wenn es um das Thema Schulbegleitung geht. Und das hat vor allem finanzielle Gründe. Vor sechs Jahren noch gab der Kreis rund 500  000 Euro aus, um Schülern mit Handicap durch eine Begleitung im Unterricht einen geordneten Schulbesuch zu ermöglichen, inzwischen ist die Rede von 2,8 Millionen. Allein in diesem Jahr ist die Zahl der Fälle um 30 auf nun 240 angestiegen. Und auch damit, so wurde im Jugendhilfeausschuss mit einiger Resignation verkündet, sei das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Innerhalb der nächsten fünf Jahre könnte der Finanzbedarf auf sieben Millionen Euro ansteigen.

Schulbegleiter werden schon seit längerer Zeit Kindern zur Seite gestellt, die körperliche oder psychische Behinderungen haben, die eine Hilfe notwendig machen – sei es, weil sie hyperaktiv sind, in der Bewegung eingeschränkt, unter dem Down-Syndrom leiden oder Formen von Autismus aufweisen. Schulbegleiter sind ausschließlich für diese Kinder da und ermöglichen ihnen die Teilnahme am Unterricht. Anders als Schulassistenten werden sie über die Eingliederungshilfe von den Landkreisen finanziert.

Die Zahl der Anträge auf eine Schulbegleitung ist in der Vergangenheit mit der Abschaffung der Sonderschulen enorm angestiegen. Seitdem gilt das Prinzip der Inklusion: Kinder, deren Behinderungen keine Beschulung in Förderzentren notwendig machen, besuchen Regelschulen. Um den erhöhten Aufwand in diesen Schulen aufzufangen, werden unter anderem Schulassistenten und für einzelne Kinder auf Antrag auch Schulbegleiter eingesetzt.

Die „Explosion“ der Kosten erklärt Reiner Hakanson, der kommissarische Fachbereichsleiter beim, unter anderem damit, dass die Auswirkungen der Inklusion auf die Schulen nicht in vollem Ausmaß vorhergesehen wurden. „Es hat sich gezeigt, dass die damit verbundenen Aufgaben nicht allein durch die Schulen erfüllt werden können“, sagte er. Einen Teil der Kosten habe sich der Kreis allerdings auch ganz bewusst selbst aufgebürdet. „Bei uns gilt der Grundsatz, dass Kinder unsere Zukunft sind“, erklärte Hakanson auf die Frage nach den stark gestiegenen Ausgaben, „deshalb gehen wir im Gegensatz zu anderen Kreisen bei der Genehmigung der Anträge auf Schulbegleitung auch relativ offensiv vor.“ Zusätzliche Kosten entstehen dem Kreis auch durch einen Vertrag mit einem privaten Anbieter von Schulbegleitung, der angesichts der hohen Fallzahlen geschlossen wurde. Die höhere Qualität der Arbeit müsse auch mit höheren Stundensätzen bezahlt werden.

Angesichts der schweren finanziellen Probleme des Kreises betonte Hakanson aber auch ausdrücklich, dass natürlich jeder Einzelfall geprüft und die finanzielle Situation im Blick behalten werde.

Die prognostizierte Kostensteigerung auf sieben Millionen Euro für das Jahr 2020 bezeichnete Hakanson als „Horrorszenario“, das nicht zwangsläufig eintreten müsse. „Es handelt sich um Berechnungen unserer Finanz-Fachleute auf der Basis der bisherigen Steigerungen. Die Zahlen sind nicht belastbar, wir hoffen, dass sie nicht so drastisch ausfallen.“ Dabei setzt der Fachmann auf einen Schulterschluss. „In der Schule darf kein Kind zu kurz kommen – und dafür müssen sich alle einbringen.“ Was gemeint ist: Auch das Land müsse seinen Beitrag leisten. Das machte Hakanson an einem Beispiel deutlich: „Wenn es für ein Kind einen Bedarf von 20 Stunden gibt, könnten wir zehn Stunden über Schulbegleitung beisteuern, die Schule die anderen zehn Stunden.“ Von einer solchen Kostenteilung sind Kreis und Land allerdings noch weit entfernt– das Land hat zwar aktuell noch einmal drei Millionen Euro für die Schulbegleitung zugesagt. Aber das Geld wird im ganzen Land verteilt und ist somit nicht mehrals ein Tropfen auf dem heißen Stein.

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