Schleswig : Kornmarkt setzt auf Selbstgemachtes

Bei „Du selbst“ bieten vier Frauen Geschenke und Kleidung aus eigener Herstellung an.
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Bei „Du selbst“ bieten vier Frauen Geschenke und Kleidung aus eigener Herstellung an.

Von wegen ausgestorben: Am östlichen Ende der Fußgängerzone siedeln sich immer mehr kreative Handarbeiterinnen mit eigenen Läden an.

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17. Juli 2014, 07:25 Uhr

So schnell kann es gehen: Es ist erst gut ein halbes Jahr her, da wirkte der Kornmarkt wie ausgestorben. Ein Leerstand reihte sich an den anderen, immer mehr Geschäfte gaben auf. Inzwischen aber scheint sich das Blatt gewendet zu haben. „Totgesagte leben halt länger“, sagt Dirk Sievers vom Geschäft „Woll-Sievers“, das seit fünf Jahren am Kornmarkt ansässig ist. „Es ist toll, was sich hier entwickelt und dass immer mehr Läden dazu kommen.“

Tatsächlich haben sich am östlichen Ende der Fußgängerzone in den vergangenen Monaten einige neue Geschäfte angesiedelt. Auffällig dabei: Sie alle setzen auf selbst hergestellte Kleidung, Kunsthandwerk, Kindersachen oder Stoffwaren. „Der Trend geht ganz klar dahin. Die Leute, insbesondere Mütter, wollen wieder selber nähen und basteln – oder zumindest individuelle Stücke kaufen.“, sagt Anja Erichsen. Noch vor zehn Jahren sei es hingegen „total uncool“ gewesen, zu Hause an der Nähmaschine zu sitzen, „und heute sind die Nähkurse an der VHS allesamt ausgebucht“. Die 41-Jährige stellt unter dem Namen „Stars & Freckles“ individuelle Kinderkissen her und verkauft zudem Stoffe zum Nähen. Dabei teilt sie sich ihren Laden mit Jennifer Reich, deren „Lille Butik“ in erster Linie skandinavische Kindermode anbietet.

Dass nun weitere Geschäfte mit ähnlichen Ideen in ihrer Nachbarschaft aufgemacht haben, stört Erichsen nicht. Im Gegenteil: „Jede Tür, die am Kornmarkt offen steht, kann nur bereichernd sein. Man merkt schon jetzt, dass die Kunden wieder richtig Lust haben, einzukaufen. Gerade diese Inhaber-geführten, besonderen Geschäfte machen doch den Unterschied, sind Herz und Seele einer Stadt. Man findet immer seine Nische“, sagt sie und glaubt deshalb, „dass es hier gerade erst richtig anfängt“.

Das sieht auch Karin Meyer so. Die 60-Jährige hat Ende März am Kornmarkt ihren Laden „fraumeyer“ eröffnet und damit definitiv aufs richtige Pferd gesetzt, wie sie betont. Sie näht selbst Kleidung, verkauft unter anderem aber auch selbst gemachte Kuscheltiere von anderen Handarbeiterinnen. Dieses Angebot komme bei den Kunden, Einheimische wie Touristen, sehr gut an. „Ich bin positiv überrascht von der tollen Resonanz. Deshalb würde ich mir wünschen, dass sich hier, im schönsten Teil der Fußgängerzone, noch mehr Kreative ansiedeln. Man muss sich nur trauen.“

Wie Anja Erichsen betont auch Karin Meyer, dass sie in den anderen Geschäften keine Konkurrenz sieht. „Ich würde eher von Mitbewerbern sprechen. Wir haben hier einen tollen Zusammenhalt, jeder gönnt dem anderen den Erfolg“, sagt sie – auch mit Blick auf Petra Jessen-Voltelen. Die 40-jährige gebürtige Schleswigerin ist mit ihrem Laden „Allerhand im Wunderland“ die jüngste Kornmarkt-Ansiedlerin. Sie setzt ebenfalls auf ein individuelles Angebot. Zusammen mit zwei anderen Schneiderinnen hat sie eine Monster-Kollektion zusammengestellt, die sie nun verkauft. Zudem vermietet sie einzelne Regal-Fächer an andere Kunsthandwerker und Handarbeiter. So bietet sie neben den eigenen Produkten und Stoffen unter anderem auch Babyschuhe an, die Inge Molles aus Neuberend hergestellt hat. Daneben stehen Kinderbücher, die die Schleswigerin Karin Sachse selbst geschrieben und bemalt hat. „Ich wusste, dass der Kornmarkt ein Schleswiger Sorgenkind war. Aber das hat mich zum Glück nicht davon abgehalten, hier mein Geschäft zu eröffnen“, sagt sie.

Das wiederum freut auch Monika Siegel. Schleswigs Stadtmanagerin hat die Entwicklung am Kornmarkt genau beobachtet und findet sie „großartig“. Die Ladeninhaber würden mit ihrem individuellen Angebot gemeinsam ein Signal nach außen geben: „Hier ist das Quartier für kreative, Inhaber-geführte Geschäfte.“ Das sei der richtige Weg, dem hoffentlich noch viele folgten.

Damit das so ist, appelliert Dirk Sievers noch einmal an die Vermieter der Läden. „Man muss die Geschäftsleute auch am Leben lassen. Dann bin ich optimistisch, dass es klappt mit einem Kornmarkt, der wieder auflebt.“

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