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Schleswiger Nachrichten

16. Dezember 2017 | 18:36 Uhr

Konzentration auf die Kultur

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Was Waldschlösschen-Hotelier Hans-Werner Behmer der Stadt und der Region ins Stammbuch schreibt

von
erstellt am 06.Sep.2013 | 07:45 Uhr

Erst kürzlich wurde Schleswigs erste Adresse, das Hotel Waldschlösschen, durch ein Garten-Spa komplettiert. Anlass genug für SN-Redakteur Michael Radtke, mit Hans-Werner Behmer – das Hotel ist seit 1955 in der Hand der Familie – über die Saison sowie über die Perspektiven für sein Haus und den Tourismus in der Region zu sprechen.

Herr Behmer, machen Ihnen die Behinderungen des Verkehrs durch die Rader Hochbrücke zu schaffen?
Behmer: Ja, natürlich. Das Geschäft flaut jetzt merklich ab. Die Gäste, besonders manche Wochenendbesucher, werden durch die Staus vor der Brücke abgeschreckt.

Wie ist die Saison insgesamt in Ihrem Haus bisher gelaufen?
Insgesamt sind wir sehr zufrieden und konnten im Vergleich zum Vorjahr noch zulegen.

Hat zu dieser positiven Entwicklung auch Ihr Spa- und Wellnessbereich beigetragen?
Davon gehen wir aus. Insgesamt hat sich die Gästestruktur ein bisschen mehr in Richtung „Einzelreisende“ verschoben.

Wie schätzen Sie das Potenzial von Schleswig und der Schlei als „Gesundheitsregion“ ein – nicht nur auf Ihr Haus bezogen?
Der Gesundheitstourismus ist ein Ansatz, der sehr viel Zeit braucht. Das ist eine strategische Ausrichtung, bei der man kurz- oder mittelfristig noch keine Ergebnisse sehen wird.

Immerhin sind Sie einer der wenigen professionellen Anbieter in diesem Feld, auch heute schon.
Ja, aber wir haben uns Zeit gelassen, bevor wir loslegten. Es ist sicherlich ein spannender Markt. Schließlich wird die Vorsorge für den Einzelnen immer wichtiger. Ob ich das aber nun bereits „Gesundheitstourismus“ nennen würde – das ist mir nicht eng genug definiert.

Was müsste in Schleswig mittelfristig geschehen, damit man dieses Schlagwort auch mit Leben erfüllen kann?
Nach meinem Eindruck kann man hier auf die ganz großen Investitionen noch lange warten. Man sollte sich mehr auf das Kleinteilige konzentrieren. Schleswig ist nicht der Standort für ein neues 300-Betten-Hotel. Dann müssten sich die Übernachtungszahlen verdoppeln.

Fühlen Sie sich durch die Stadt und deren Verwaltung genügend wertgeschätzt?
Summa summarum ja. Manchmal allerdings ärgert man sich auch. Da wird uns vorgeworfen, wir seien der Platzhirsch und wollten keinen weiteren Wettbewerber.
Und was sagen Sie darauf?
Unser Wettbewerb findet in ganz Schleswig-Holstein statt. Und in Mecklenburg-Vorpommern. Das ist hart genug. Ich muss nicht noch in Schleswig politisch lancierte Konkurrenz haben.

Verschlechtern solche Diskussionen Ihre Investitionsmöglichkeiten?
Das ist so. Wir haben das Geld ja auch nicht in der Portokasse. Wenn wir hier fünf Millionen Euro investieren, muss auch ich zur Bank gehen. Und wenn dann im Beleihungs-Wertgutachten auf die öffentliche Diskussion Bezug genommen wird, dann landen wir schnell bei einer höheren Risiko-Prämie. Und deswegen ärgern mich manchmal diese Schatten-Diskussionen.

Was muss sich ändern, damit Schleswig glänzender dasteht als bisher?
Ich bin da weniger pessimistisch gestimmt als viele andere. Die Stadt wird sowohl über- als auch unterschätzt. Überschätzt insofern: Für bestimmte Angebote gibt es einfach hier zu wenig Menschen. Es fehlt die Kaufkraft für solch qualifizierte Angebote. Wir müssen uns in Schleswig deshalb auf das ganz Naheliegende konzentrieren. Und unterschätzt: Dazu gehört an erster Stelle das kulturelle Angebot in der Stadt mit dem Highlight Schloss Gottorf. Da müsste man alle Mittel konzentrieren.

Gibt es noch einen zweiten wichtigen Bereich?
Ja, die Natur. Ich empfehle eine volle Konzentration auf den Fahrrad-Tourismus. Dazu braucht man gar nicht sehr viel Geld. Nehmen wir nur die alte Kreisbahntrasse, die nicht vernünftig unterhalten wird. Das ist für unsere Region eine totale Katastrophe. So verzichtet man auf eine zahlungskräftige Klientel, die in an deren Regionen in Scharen unterwegs ist.

Zählt nicht auch die geografische Lage zu den großen Vorteilen von Schleswig?
In der Tat. Wir haben ganz viele Gäste, weil sie die von hier aus wunderbare Tagestouren machen können. Das ganze Gruppengeschäft findet in Schleswig nur deswegen statt.

Wenn Sie fünf Jahre vorausdenken: Wie wird sich dann der Tourismus in Schleswig und der Region entwickelt haben?
Wir werden eine weitere Abschwächung im Tagungs- und Firmenkunden-Geschäft haben. Denn die Hauptsitze der großen Firmen verschwinden immer mehr aus dem Land. Wir werden uns also mehr auf den privaten Bereich konzentrieren müssen. Wie wir das jetzt schon mit dem Spa-Angebot getan haben. Und dann gibt es noch den Trend zu regionalen Produkten. Alles rund um die Ernährung wird immer wichtiger werden. Aber auch in dieser Hinsicht sind wir ja bereits gut aufgestellt.

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