Schleswiger Büchernacht : Kontrastprogramm zur Fußball-WM

Marlene Dangel und Rasmus Emersleben nutzen die ungewohnten Öffnungszeiten, um in Ruhe zu schmökern.
Marlene Dangel und Rasmus Emersleben nutzen die ungewohnten Öffnungszeiten, um in Ruhe zu schmökern.

250 Leseratten versammelten sich am Sonnabend zur Büchernacht in der Stadtbücherei. Einige von ihnen stahlen sich zwischendurch für zwei Stunden zum Public Viewing auf den Königswiesen davon.

shz.de von
23. Juni 2014, 07:45 Uhr

„Es steht 1:0 für die Bücher“, freute sich Kulturamtsleiter Holger Rüdel, als er in der Stadtbücherei die vierte Schleswiger Büchernacht eröffnete. Denn trotz des Weltmeisterschaftsspiels zwischen Deutschland und Ghana waren sie am Sonnabend in die Stadtbücherei gekommen: die Lesewütigen, die Zuhörer und auch jene zwölf Vorlesende, die aus ganz besonderen Werken vortragen wollten. Rund 250 Besucher waren es insgesamt.

Die Mischung war dabei so bunt wie das Angebot der Stadtbücherei selbst: Friseurmeister Marius Fricke las aus dem „Mängelexemplar“ von TV-Moderatorin Sarah Kuttner und brachte die Zuhörer zum Lächeln. Der frühere Dompastor Johannes Pfeifer wählte etwas Plattdeutsches, und Anke Carstens-Richter, Vorsitzende des Bücherei-Fördervereins Alibris, begeisterte mit Alessandro Bariccos „Novecento – Die Legende vom Ozeanpianisten“.

Zwar verschwanden einige Besucher für knapp zwei Stunden zum Fußballgucken – der kleine Bildschirm am Eingang der Bücherei reichte dann doch nicht für alle – aber viele kamen später tatsächlich wieder.

Einige blieben auch den ganzen Abend, um zu lauschen. Eine von ihnen war Urlauberin Karin Holtschke aus der Oberlausitz, die die Werbung für die Büchernacht in der Fußgängerzone entdeckt hatte. „Das Angebot heute Abend begeistert mich wirklich. Besonders hat mir jedoch Novecento gefallen.“ Auch jüngeren Besuchern waren die ungewöhnlichen Öffnungszeiten aufgefallen. Die 14-jährige Marlene Dangel nutzte die Zeit zum Lesen: „Normalerweise habe ich nie so lange Zeit, um in der Bücherei wirklich zu lesen.“

Während der zweiten Halbzeit unterhielt die Lürschauer CDU-Bundestagsabgeordnete Sabine Sütterlin-Waack mit dem humorvollen Werk „Kein Feuer, das nicht brennt“ von Rayk Wieland. Büchereileiterin Ursula Nielsen freute sich: „Zu Beginn hatten wir gleich ein volles Haus, und über den ganzen Abend hinweg fanden Besucher den Weg zu uns.“

Auch Susanne Pertiet vom Förderverein war zufrieden: „Natürlich war es unglücklich, dass der Termin mit dem Deutschlandspiel kollidierte, aber wir wollten auch nicht von dem altbewährten Zeitraum der letzten Jahre abweichen.“ Und jetzt gelte: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“ Die Suche nach Vorlesern für die fünfte Büchernacht im Juni 2015 hat bereits begonnen.

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