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Schleswiger Nachrichten

24. September 2017 | 08:57 Uhr

Schleswig/Busdorf : Kommt statt Lidl nun Edeka?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die geplante Ansiedlung eines Supermarktes am Busdorfer Kreisel entzweit die Gemüter weiter – insbesondere die CDU wettert gegen die Pläne.

von
erstellt am 09.Mai.2016 | 12:40 Uhr

Es ist ein Thema, bei dem sich die Geister scheiden. Und eines, das emotionalisiert. Wenn es um die geplante Ansiedlung eines Supermarktes am Busdorfer Kreisel geht, kochen die Gemüter regelmäßig hoch. So auch bei der jüngsten Sitzung des Schleswiger Bauausschusses. Dort stand das Thema nun zum Xten Mal in den vergangenen drei Jahren auf der Tagesordnung. Konkret ging es dabei erneut um die Schaffung eines von Schleswig und Busdorf gemeinsam betriebenen Gewerbegebietes auf dem Gelände des Baustoffhändlers Carl Söhrn. Darauf hatten sich Stadt und Nachbargemeinden sowie die Politik dies- und jenseits der Stadtgrenze bereits Anfang des Jahres geeinigt – bis die Schleswiger CDU kurz vor der entscheidenden Ratsversammlung einen Rückzieher machte.

Angeführt wird deren Protest von Ratsherr Helge Lehmkuhl, der nun auch im Bauausschuss noch einmal seine ablehnende Position deutlich machte: „Wir wollen direkt auf der Stadtgrenze keinen weiteren Lebensmittelmarkt, nur wenige hundert Meter vom Friedrichsberger Einkaufszentrum entfernt.“ Von dieser Meinung ließ er sich auch nicht durch eine Planänderung abbringen, die in den vergangenen Wochen hinter verschlossenen Türen besprochen wurde, und die nun zu einem Kompromiss führen soll, mit dem alle Beteiligten leben können. Demnach könnte die Ansiedlung eines Lidl-Marktes auf dem Gelände, das zur Gemeinde Busdorf gehört, aber unmittelbar an den Friedrichsberg angrenzt, vom Tisch sein. Stattdessen steht jetzt Edeka in den Startlöchern. So könnte der Busdorfer Hans-Wilhelm Fick seinen Markt im Ortszentrum aufgeben und an den Kreisel umziehen, während Edeka-Jensen seinen Markt in der Friedrichstraße, für den der Mietvertrag Ende 2017 ohnehin ausläuft, schließt. Damit, so Bürgermeister Arthur Christiansen, würde keine zusätzliche Verkaufsfläche geschaffen, sondern vorhandene verschoben.

Dass sich am Kreisel überhaupt weiterer Einzelhandel ansiedeln darf und wird, davon ist nicht nur der Schleswiger Verwaltungschef überzeugt. Auch sein Busdorfer Amtskollege, der als Zuschauer wie mehrere Vertreter der umliegenden Lebensmittelmärkte zu Gast war, schätzt die Lage ähnlich ein. Denn der Kreis hat als zuständige Genehmigungsbehörde bereits vor Jahren grünes Licht gegeben. Auch deshalb hatten sich alle Partner an einen Tisch gesetzt, um eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten. Denn eine Klage gegen den Beschluss sei aussichtslos. Das zumindest glauben die beiden Verwaltungen sowie die Busdorfer Politik und die Schleswiger Ratsfraktionen von SPD und SSW. Mit der Schaffung eines gemeinsamen Gewerbegebietes „haben wir aber zumindest Einfluss auf die Gestaltung des Areals“, betonte Christiansen. Helge Lehmkuhl hingegen hinterfragte mehrfach die Ergebnisse von mehreren Potenzialanalysen und Rechtsgutachten, die die Stadt in Auftrag gegeben hatte. Er sei nicht davon überzeugt, dass eine Klage gegen das Bauvorhaben aussichtslos sei. „Ich renne nicht sklavisch irgendwelchen Statistiken hinterher, sondern bin in dieser Sache sehr skeptisch. Denn ich möchte nicht daran Schuld sein, dass der Friedrichsberg ausblutet, nur weil wir dieses Projekt mit Gewalt durchboxen.“ Allein durch einen Abzug von Edeka-Jensen sorge man bereits für den ersten großen Leerstand in der Friedrichstraße. „Wer weiß, was dann noch kommt?“ Eine Meinung, die auch Babette Tewes von den Grünen teilte – jedoch nicht Bürgermeister Christiansen. Der machte sehr deutlich, dass es eine Klage gegen den Kreis und damit gegen das Projekt mit ihm nicht geben wird: „Wir sitzen alle zusammen seit Jahren an einem Tisch und haben uns auf einen gemeinsamen Weg geeinigt, auch mit der CDU. Und jetzt soll ich dagegen klagen? Wenn Sie das von mir verlangen, dann müssen Sie einen Beschluss der Ratsversammlung erwirken und mich so dazu zwingen.“

Ausschussvorsitzender Klaus Bosholm (SPD) und die Vertreter des SSW waren derselben Meinung. Zudem begrüßten sie die Idee, Edeka statt Lidl am Kreisel anzusiedeln. Ebenso sprach sich CDU-Ratsherr Momme Thiesen dafür aus, einen Kompromiss zu finden – um Streit mit der Nachbargemeinde zu verhindern und gleichzeitig einen attraktiven Standort zu entwickeln, von dem beide Partner profitieren könnten. Dennoch betonte Thiesen, wie sein SPD-Kollege Jürgen Lorenzen, dass man im Falle einer Einigung sämtliche Einflussmöglichkeiten für die Entwicklung des Geländes vertraglich festzurren müsse. Ebenso müsse ausgeschlossen werden, dass sich später erneut Einzelhändler in den beiden aufzugebenden Edeka-Märkten ansiedeln. Am Ende lief die Diskussion damit auf eine mögliche Einigung hinaus, ohne dass diese bereits beschlossen wurde. Das müsste dann die Ratsversammlung in einer ihrer nächsten Sitzungen nachholen. „Darauf bin ich sehr gespannt“, fasste Klaus Bosholm die allgemeine Stimmungslage zusammen.

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