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„Kommen Sie wieder, wenn Sie Ihren Text können“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

SN-Serie „Neu am Theater“: Johannes Mölders

Seine neue Wirkungsstätte hat Johannes Mölders noch nicht so recht kennen gelernt. Seit August ist er am Landestheater und unentwegt in Anspruch genommen vom Rollenstudium. Zuerst für die Hauptrolle in dem Stück „Kleiner Mann, was nun?“, das am 28. September Premiere hatte, dann für die Produktion von „Außer Kontrolle“.

Von den neuen Schauspielern am Landestheater hat Johannes Mölders den vielleicht ungewöhnlichsten Werdegang. Als Zwölfjähriger begann er mit Keulen, Ringen und Bällen zu üben, „weil ich einsam war, in Rheinberg am Niederrhein“, wo er 1982 geboren wurde, und in Rayern, wo er aufgewachsen ist. „Irgendwann fängt man eben mit dem Jonglieren an.“ Mit 15 Jahren trat Johannes erstmals vor Publikum auf und danach regelmäßig. Er verdiente genügend Geld, um seine Reisen bezahlen zu können, die ihn vor allem zu den verschiedenen Jongleurtreffen führten.

„Spaß am Theater“ empfand Mölders erstmals, als er, in der Oberstufe des Gymnasiums angelangt, ein Bühnenprojekt gemeinsam mit einem Schulkameraden produzierte. „Antigone“ war das. Artistik- und Kleinkunstschule oder Schauspielstudium? Die Frage stellte sich mit Macht nach dem Abitur. Es war wohl innerlich ein ziemliches Gezerre, zumal Johannes Mölders während der freien Zeit beim Zivildienst gute Erfolge in „Giant Puppets“ einheimste, einer artistischen Produktion, für die ihn ein herumreisender Australier angeheuert hatte.

Für die bodenständigen Eltern, der Vater war Bankkaufmann, mochten insbesondere die Kleinkunstpläne des Sohnes ziemlich beängstigend gewesen sein, da man die Artistik in ihren seriösen Kreisen eher der Kategorie „Feuerfresser, Degenschlucker“ zurechnet. Sie ließen ihn aber stets gewähren. „Und das“, sagt Johannes Mölders liebevoll lächelnd, „rechne ich ihnen hoch an.“

Er entschied sich dann doch für die Theaterschule – die Theaterschule aber erst einmal nicht für ihn: Vier Anläufe benötigte er, bis er endlich an der Universität der Künste (UdK) in Berlin aufgenommen wurde. Die erste Kommission befand schon nach zwei Minuten: „Kommen Sie wieder, wenn Sie Ihren Text können“. Die nächste Kommission bemängelte, dass er „keine rechte Vorstellung von seiner Rolle“ habe. Vermutlich gab an der UdK schließlich den Ausschlag, dass er für seinen eigenständigen Beitrag, der zum Prüfungsprocedere gehörte, einen bewusst körpersprachlichen Auftritt wählte. Darin hatte der „alte“ Jongleur Routine. Mit nur zwei Requisiten, einem Stuhl und einem Blatt Papier gelang ihm die überzeugende Charakterstudie eines Autisten.

Die folgenden vier Jahre an der Universität betrachtete Mölders als ein Privileg: „So viel Einzelbetreuung, so viel individuelle Förderung wie in diesem Studium und an dieser Universität gibt es vermutlich nirgendwo.“

Nach einem guten Start am Schlosstheater Moers festigte sich das Selbstvertrauen des jungen Schauspielers. In Moers spielte er den Artisten Matto in Fellinis „La Strada“, bevor er nach Dortmund reiste. Dort begann er in der Sparte „Jugendtheater“. „Man glaubt kaum, wie schwer es ist, Jugendliche zu begeistern“, sagt er. „Erwachsene bleiben, eher höflich, bis zum Schluss sitzen. Jugendliche aber können richtig aufsässig werden.“

Nach zwei Jahren Dortmund folgte Paderborn. Private Gründe verlangten dann seinen Umzug nach Berlin: Seine Freundin und spätere Frau bekam ein Baby. In Berlin nahm Johannes Mölders seine Elternzeit, zumal die Freundin als Kostümbildnerin gut zu tun hatte. Beim Wiedereinstieg ins Berufsleben waren Mölders’ musikalische Talente gefragt, und zwar bei der Einstudierung zweier Produktionen des „ATZE“-Musiktheaters, mit dem er dann von Berlin aus auf Tournee ging.

Dann sollte ein zweites Kind zur Welt kommen, das die Sesshaftigkeit der jungen Familie verlangte. Außerdem wünschte sich Johannes Mölders endlich die Möglichkeit, für längere Zeit in einem festen Ensemble zu arbeiten. Er bewarb sich beim Landestheater und wurde, kaum angekommen, mit der Hauptrolle in „Kleiner Mann, was nun?“ betraut. Irgendwie passt die Rolle zu ihm. Und er passt zu ihr – nach all den Wechselfällen in seinem jungen Leben.

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erstellt am 14.Nov.2014 | 11:21 Uhr

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