Kommandant der ersten "Gorch Fock"

Bernhard Rogge (1899-1982)
Bernhard Rogge (1899-1982)

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25. Januar 2011, 08:05 Uhr

Schleswig | Als Schleswiger Landrat war ihm nur eine kurze Amtszeit beschieden: Kaum war Bernhard Rogge im September 1945 von den britischen Besatzungsbehörden in das Amt berufen worden, hatten sie ihn nach einigen Wochen auch schon wieder entlassen. Sein Werdegang als Marineoffizier währte dagegen entschieden länger. "Ich kenne Sie als Seeoffizier, der in vier Marinen gedient und sich in Krieg und Frieden bewährt hat", lobte 1979 der damalige Bundespräsident Karl Carstens anlässlich des 80. Geburtstages von Rogge, dessen Karriere noch in der Kaiserlichen Marine begonnen hatte. In den folgenden Jahrzehnten diente er nacheinander in der Reichsmarine der Weimarer Republik, in der Kriegsmarine des NS-Regimes und in der Bundeswehr.

Bernhard Rogge wurde am 4. November 1899 als Sohn des Regierungsassessors und späteren Tonderner Landrats Friedrich Rogge in Schleswig geboren. Nach dem Besuch der Oberrealschulen in Tondern und Potsdam trat er 1915 als jugendlicher Kriegsfreiwilliger in die Kaiserliche Marine ein. Schon bald zum Leutnant befördert, nahm er an Bord verschiedener Kleiner Kreuzer an dem Krieg teil und durfte mit den Eisernen Kreuzen I. und II. Klasse bereits die ersten hohen Auszeichnungen entgegennehmen.

Seine militärische Laufbahn unterbrach er kurzzeitig, als er nach dem Ende des Ersten Weltkrieges eine landwirtschaftliche Lehre begann. Doch schon 1920 ließ er sich von der Reichsmarine reaktivieren. Er stieg auf zum Ausbildungsoffizier auf dem Kreuzer "Emden". In den 1930-er Jahren wurde ihm das Kommando über das Segelschulschiff "Gorch Fock" übertragen, dem Vorgängerschiff der heutigen "Gorch Fock". Den Beginn des Zweiten Weltkrieges erlebte Rogge als Kommandant des Hilfskreuzers "Atlantis", der im Atlantik, Pazifik und Indischen Ozean operierte. Während seiner fast zwei Jahre andauernden Feindfahrt brachte er 22 Schiffe auf. Für seinen Einsatz wurde er mit dem Ritterkreuz mit Eichenlaub belohnt. Da sich unter seiner Kriegsbeute britische Geheimdokumente befanden, die für Japans Kriegsführung von großer Bedeutung waren, schenkte ihm der japanische Kaiser Hirohito ein kostbares Samuraischwert.

1943 wurde Bernhard Rogge zum Konteradmiral befördert. Im November 1944 übernahm er im Rang eines Vizeadmirals das Amt des Befehlshabers des Flottenausbildungsverbandes Flensburg-Mürwik, der sich gegen Kriegsende an der Rettung deutscher Flüchtlinge aus Ostpreußen beteiligte.

Die Briten nahmen Rogge gefangen - und setzten ihn nach kurzer Internierungsdauer in seiner Geburtsstadt Schleswig als Landrat ein. Dabei handelte es sich um eine ehrenamtliche Funktion. Die hauptamtliche Leitung der Verwaltung lag in der Hand von August Mankowski, einem erfahrenen Kreisbeamten, der bis 1950 als Kreisdirektor amtierte. Doch nach einigen Wochen ging Rogges Amtszeit abrupt zu Ende. So überraschend wie seine Einsetzung kam auch seine Entlassung durch die Besatzungsbehörden. Als Grund für die Absetzung vermuten Zeithistoriker, dass die Briten von Rogges Mitwirkung an Todesurteilen gegen flüchtige Marineangehörige auch noch nach Kriegsende erfahren hatten. Nachfolger im Amt des Landrats wurde Schleswigs Bürgermeister Dr. Hans Hinrichs.

Die Gründung der Bundeswehr eröffnete Rogge die Chance auf eine neue Karriere. 1957 trat er als Konteradmiral in die Bundesmarine ein und wurde Befehlshaber des Wehrbereichs I (Schleswig-Holstein/Hamburg), 1958 übernahm er zusätzlich die Führung über die Nato-Landverbände in Schleswig-Holstein. Er starb am 29. Juni 1982 in Reinbek.

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