Knick-Erlass sorgt für Zündstoff

Podiumsdiskussion über die Zukunft der Eider-Treene-Sorge-Region mit Umweltminister Robert Habeck

shz.de von
06. Mai 2013, 03:59 Uhr

Erfde | "Naturschutz und Tourismus" sollten die Hauptthemen der von Matthias Stührwoldt moderierten Veranstaltung sein, zu der etwa 70 interessierte Zuhörer in "Lührs Landgasthof" erschienen waren. Seine Aufgabe erfüllte der hauptberufliche Landwirt und bekannte Buchautor souverän und mit viel Humor. Vorweg gesagt: Das Thema "Tourismus", vertreten durch Marianne Budach von der "Interessengemeinschaft Grünes Binnenland", kam dabei etwas zu kurz. Das lag wohl auch an der Zusammensetzung des Podiums, auf dem neben Umweltminister Robert Habeck der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde Schleswig-Flensburg, Thorsten Roos, der Landwirt und Kommunalpolitiker Sven Rahn aus Erfde und für die Grünen Jens Dücker-Rösel (Landwirt, Medienautor), ebenfalls aus Erfde, gehörten.

Auch Robert Habeck trug zum Thema "Tourismus" lediglich bei, wie sehr ihn die hiesige Landschaft, zum Beispiel von der Aussichtsplattform zwischen Meggerdorf und Bergenhusen, immer wieder beeindrucke.

Zuerst stellte Thorsten Roos seinen Arbeitsbereich kurz vor und verwies dabei insbesondere auf die Kooperation mit Hochschulen, Schulen, Angelsportverband und weiteren Interessenverbänden. Als gutes Beispiel nannte er den Verein "Kuno" (Kultur nachhaltig organisieren).

Die Diskussion nahm Fahrt auf, als Sven Rahn, der überwiegend Milchwirtschaft mit entsprechend viel Weideland betreibt, energisch darauf hinwies, dass diese Landschaft so sei, weil sie seit Jahrhunderten von Landwirten genutzt und erhalten werde. An Robert Habeck gewandt fuhr er fort: "Die Knick-Diskussion ist in unserer Region unangebracht. Es gibt die Knicks nur, weil Bauern sie geschaffen und instand gehalten haben." Bevor der Minister darauf antwortete, stellte er drei Themenbereiche vor, die heute im größten Teil der Bevölkerung unstrittig seien, was vor zehn Jahren noch undenkbar schien: Maßnahmen zum Klimaschutz, die Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie und das Verständnis für Umwelt- und Naturschutz.

Thorsten Roos erläuterte die "Angebots-Palette" des Landes zum Naturschutz. Diese reiche vom Flächen-Ankauf über langfristige Pacht bis hin zum fünfjährigen Vertragsnaturschutz. Gleichzeitig verdeutlichte er: "Es wird weiterhin eine intensive landwirtschaftliche Nutzung größerer Flächen geben, ja geben müssen."

Jens Dücker-Rösel führte aus, dass der Erhalt der Landschaft Vorrang haben müsse und erst danach weitere Schritte wie Ausbau des Tourismus, Verbesserung der Infrastruktur und des ÖPNV folgen sollten.

Sven Rahn eröffnete die Schlussrunde mit einem Plädoyer: "Nur von Naturschutz und Tourismus - davon kann man auch hier nicht leben. Die Landwirtschaft ist und bleibt unverzichtbar. Und für Schutzmaßnahmen müssen als Ausgleich echte wirtschaftliche Anreize für uns Landwirte gegeben werden. Diese sind derzeit nicht vorhanden."

Robert Habeck erläuterte abschließend die Ursachen für den "Mais-Boom", der nicht zuletzt in dessen höherer Energieeffizienz gegenüber Restabfällen in Biogasanlagen begründet sei und stellte klar, dass dies durch EU-Recht gesichert sei. Hier seien den Landesregierungen "die Hände gebunden".

Abschließend trug Matthias Stührwoldt auf Bitten der Zuhörer noch den humorvollen Beitrag "Mudder im Modder" vor.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen