Schleswig : Klinikhäuser zum Abriss freigegeben

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie will sich auf den hinteren Teil des Hesterbergs konzentrieren: Abgerissen und an anderer Stelle des Geländes neu gebaut wird die alte Zentralklinik (Bildmitte vorn, links daneben der Famila-Markt) an der Friedrich-Ebert-Straße.
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Die Kinder- und Jugendpsychiatrie will sich auf den hinteren Teil des Hesterbergs konzentrieren: Abgerissen und an anderer Stelle des Geländes neu gebaut wird die alte Zentralklinik (Bildmitte vorn, links daneben der Famila-Markt) an der Friedrich-Ebert-Straße.

Haus 1 auf dem Stadtfeld sowie zwei Gebäude auf dem Hesterberg sollen weichen. Helios will auch Klinik an der Friedrich-Ebert-Straße neu aufbauen.

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12. Januar 2015, 10:52 Uhr

Von drei älteren Klinik-Häusern will sich Helios noch in diesem Jahr verabschieden. So soll das mehrstöckige ehemalige Klinikgebäude auf dem Stadtfeld zum Abriss freigegeben werden. Es steht seit Längerem ungenutzt leer, wurde seither nur hin und wieder von Studios für Filmaufnahmen angemietet. Ebenfalls geplant ist, zwei Häuser der Kinder- und Jugendpsychiatrie auf dem Hesterberg-Gelände dem Abrissbagger zu überlassen – und zwar der von Efeu überwucherte Backsteinbau („Haus G“) sowie das „Haus P“.

Besagtes Klinikgebäude auf dem Stadtfeld („Haus 1“), das architektonisch das Gesicht der 70er Jahre widerspiegelt und dessen Fassade im Laufe der Jahrzehnte stark ergraut ist, wird ersatzlos von der Bildfläche verschwinden. „Dort bleibt danach nur Rasenfläche“, sagt Helios-Geschäftsführer Florian Friedel auf SN-Nachfrage.

Auf dem elf Hektar großen Hesterberg-Areal indessen werde sich bald einiges tun, kündigt er an. „Wir wollen alle Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie nur noch auf den hinteren Bereich dieses Geländes konzentrieren.“ Nämlich auf die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, die sich um die Schule Hesterberg gruppieren. Diese Domizile sollen einem neuen Standard zugeführt werden, und in ihnen wird künftig die komplette Kinder- und Jugendpsychiatrie untergebracht sein. Insgesamt befinden sich auf dem Hesterberg 13 Gebäude, von denen zur Zeit fünf leerstehen.

Den vorderen Bereich des Areals – also an der Friedrich-Ebert-Straße 5, neben dem Famila-Supermarkt – will die Helios-Klinik nach Friedels Angaben veräußern. Gespräche mit der Stadt, die das Planungsrecht über dieses städtebaulich interessante Teilstück hat, laufen bereits an. Denn die im Eingangsbereich ansässige Zentralklinik für die Kinder- und Jugendpsychiatrie – ebenfalls Anfang der 70er Jahre gebaut – ist das vierte Gebäude, das dem Abriss preisgegeben wird. Allerdings erst in den nächsten Jahren, heißt es. „Die Zentralklinik reicht für unsere Zwecke nicht mehr aus“, teilt Friedel mit. Stattdessen sei geplant, einen neuen Anbau der Tagesklinik an eines der Häuser im Umkreis der Schule Hesterberg anzudocken. Dieses will man innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre umsetzen.

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist seit 1872 auf dem Hesterberg beheimatet. Frühere Umzugspläne von Helios, nach denen sämtliche psychiatrische Einrichtungen auf dem Stadtfeld konzentriert werden sollten, sind nach den neuesten Plänen endgültig begraben worden.

Die lange Geschichte der Kinderpsychiatrie auf dem Hesterberg ist, wie die meisten dieser Einrichtungen Deutschlands, für ehemalige Bewohner auch mit vielen traurigen Erinnerungen verbunden. Denn in den 50er bis 60er Jahren mussten Kinder und Jugendliche dort unter teilweise unwürdigen Bedingungen ausharren. Der Abriss der Häuser auf dem Hesterberg könnte somit vielleicht für manche der Betroffenen ein zusätzlicher Akt der Befreiung von dieser Erinnerungslast bedeuten.

Heute gehört die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Schleswig zu den modernsten und größten Einrichtungen in ganz Deutschland. Friedel: „Hier wird auf allerhöchstem Niveau behandelt.“ So sei die Institutsambulanz jährlich Anlaufpunkt für mehr als 14  000 junge Menschen mit psychischen Problemen. Zu den Behandlungsfeldern gehören Angst- und Zwangserkrankungen, Essstörungen oder auch depressive Verstimmungen. Auch Kinder mit emotionalen Verhaltens- und Entwicklungsstörungen werden hier behandelt. Im Schnitt würden beständig 120 junge Patienten stationär oder auch teilstationär im Klinikum auf dem Hesterberg, das über insgesamt 50 Betten verfügt, aufgenommen.

Mehr als 20 hochspezialisierte Ärzte und 145 Mitarbeiter aus dem Pflege- und Erziehungsdienst sind nach Angaben von Friedel in der Kinder- und Jugendpsychiatrie auf dem Hesterberg beschäftigt.

Ein bisschen Filmgeschichte geschrieben hat auf seine alten Tage das leerstehende Klinikgebäude auf dem Stadtfeld. So diente es als Kulisse für den „Tatort“ mit „Borowski“ – und auch mehrere Episoden für den „Landarzt“ wurden hier gedreht. Erstaunlich dabei: In der „Landarzt“-Fernsehserie wirkt die Klinik fast wieder wie neu. Doch die Wirklichkeit holt das Haus ein: Der Abrisstermin naht.

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