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Podiumsdiskussion bei Helios : „Kliniken müssen Geld verdienen“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Geschäftsführer John Friedrich Näthke über Rendite-Ziele, Pflegekräfte-Mangel und Patienten-Versorgung.

Mit Gesundheit Geld verdienen – und aus einem Krankenhaus Profit schlagen? Darf man das überhaupt? „Man muss es sogar“, betont Helios-Geschäftsführer John Friedrich Näthke. Für ein Krankenhaus, das laufend in eine qualitätvolle Medizin investieren will, gebe es keinen anderen Weg als Rendite-orientiert zu wirtschaften. Konsequent vertrat Näthke seinen Standpunkt während einer Podiumsdiskussion zu diesem Thema am Mittwochabend. Auch als im Gegenzug von politischer und gewerkschaftlicher Seite kritisiert wurde, wie sehr gerade die Pflegekräfte unter dem Arbeitsdruck in einem wirtschaftlich ausgerichteten Krankenhaus zu leiden hätten, blieb er dabei: „Wir alle müssen uns angesichts der demographischen Entwicklung von der Vorstellung trennen, als Patienten in einem Krankenhaus permanent umsorgt werden zu können.“ Zu gewährleisten sei in jedem Fall eine bestmögliche medizinische Versorgung im Krankenhaus – aber eine darüber hinausgehende Fürsorge am Krankenbett sei nicht mehr bezahlbar. Das heißt laut Näthke im Klartext: „Versorgen – ja, umsorgen – nein. Denn Kliniken werden auf Dauer mit weniger Pflegepersonal auskommen müssen.“

Das Helios-Klinikum selbst war der Veranstalter dieser Podiumsdiskussion. Eingeladen waren: SPD-Landtagsabgeordnete Birte Pauls, Johann Brunkhorst als Leiter der Techniker Krankenkasse Schleswig-Holstein, Thomas Bublitz als Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Privatkliniken sowie Verdi-Gesundheitsexpertin Karina Schulz. Die Moderation übernahm Karin Henningsen vom NDR. In die mit 80 Stühlen vollbesetzte Klinik-Caféteria waren auch viele Schwestern und Pfleger gekommen, über deren Arbeitssituation zwar ausführlich diskutiert wurde. Doch Betroffene aus dem Pflegebereich meldeten sich selbst nicht zu Wort, wohl aus Sorge um den eigenen Arbeitsplatz.

15 Prozent Rendite – „das streben wir weiterhin an“, sagte Geschäftsführer Näthke. Man müsse Gewinne machen, um Kapital bilden zu können, mit dem man in Neubauten, wie derzeit in Schleswig mit 30 Millionen Euro Eigenbeteiligung, investieren könne.

Birte Pauls hingegen hält dieses hohe Rendite-Ziel, wie sie sagte, für „eindeutig moralisch verwerflich“. Pauls: „Das geht doch nicht. Man kann doch nicht so eine hohe Rendite erreichen wollen auf Kosten von kranken Menschen und auf dem Rücken der Pflegekräfte.“ Sie forderte: „Bei der hohen Rendite hat Helios Luft nach oben für mehr Personal und bessere Rahmenbedingungen.“

Auch für Johann Brunkhorst von der Techniker Krankenkasse ist eine Gewinnmarge von 15 Prozent „ein bisschen viel“, wie er sagte. Es gelte, das richtige Maß zu finden. Ein großer Konzern wie Helios müsse Kostendämpfung nicht vornehmlich beim Personal betreiben, sondern sich eher finanzielle Vorteile beim Einkauf oder bei der Organisation verschaffen. Gerade in Krankenhäusern müsse man in zufriedene Mitarbeiter investieren.

Näthke führte an, dass zwei Drittel des Krankenhaus-Budgets den Personalkosten vorbehalten seien. Auf den Einwand eines Zuhörers, dass bei Gesundheitskonzernen wie Helios die Aktionäre die Rendite mitbestimmten, führte der Geschäftsführer folgende Vergleichsrechnung ins Feld: „Von hundert Euro im Budget fließt bei uns nur knapp ein Euro an Aktionäre, und der wird zu einem Großteil wieder in Medizin investiert.“

Mit einer ironischen Bemerkung zum „ineffizienten Gesundheitssystem in Deutschland“ meldete sich Dr. Hodjat Shekarriz, Chefarzt und Chirurg am Helios-Klinikum, zu Wort: „Es ist das zweitteuerste der Welt, und trotzdem gibt es bei uns massiven Ärzte- und Pflegekräftemangel. Da stimmt doch was nicht in diesem System.“

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erstellt am 06.Nov.2015 | 14:40 Uhr

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