Unverhofftes Wiedersehen : Kleine Ponys – große Freundschaft

Ein fröhliches Team: Heute kümmert sich Greta (5) um „Mister Watson“ (links) und Shetty „Skipper“. Fotos: Schnoor
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Ein fröhliches Team: Heute kümmert sich Greta (5) um „Mister Watson“ (links) und Shetty „Skipper“. Fotos: Schnoor

Wie „Skipper“ und „Mister Watson“ nach einer langen Zeit der Trennung wieder zueinander fanden.

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11. August 2018, 07:00 Uhr

Dies ist die Geschichte eines großen Happy Ends, eine so rührende Geschichte, dass „wir alle Tränen in den Augen hatten“, sagt Birthe Lüchau.

Die Hauptrollen sind tierisch besetzt mit „Skipper“ und „Mister Watson“. Das kleine graue Shetlandpony und der edle braune Deutsche Reitpony-Wallach leben in Dannewerk zusammen als dicke Kumpels, heute fast schon Rentner, 28 und 23 Jahre alt. Vor zwei Jahrzehnten lernten sie sich kennen. Damals ahnte wohl niemand, wie das Leben sie einmal auseinanderreißen – und schließlich wieder vereinen würde.

Rückblick in die 90er Jahre: Die Lüchaus sind Pferdenarren, ein Hufschmied-Haushalt mit eigenem Stall und Koppeln. Hier können sich Pferde und Ponys wohlfühlen. Zunächst zieht das kleine Shetty „Skipper“ ein. Das Kerlchen wird das erste Pony für die große Tochter Judith. Später, als die Kleine größer wird und erste Erfolge im Turniersport feiert, kommt „Mister Watson“ dazu.

Auch die jüngere Schwester Joana macht mit den beiden ihre ersten Reiterfahrungen. „Wir haben die Tiere mit jeweils drei Jahren gekauft“, erinnert sich die Mutter. Ist die Arbeit getan – Sattel und Trensen hängen gewaschen und gepflegt in der Kammer – stehen „Skipper“ und der fünf Jahre jüngere „Watson“ beieinander auf der Koppel, fressen, spielen, lassen es sich gut gehen. Es wohnen einige Pferde auf dem Hof der Lüchaus – „Aber Skipper und Watson, die hatten es schon immer gut miteinander.“

Dann jedoch kommt der Tag des Abschieds, denn: Die Mädchen waren größer geworden, zu groß und was ihre Turnierteilnahmen anging auch zu anspruchsvoll für Pony „Watson“. „Wir haben ihn deshalb zunächst leihweise weggegeben. In eine andere Familie, deren Kinder sich gut um ihn kümmerten.“ Dann wurde das Deutsche Reitpony verkauft. Doch den Kontakt zu dem hübschen braunen Kerl ließen die Lüchaus nie ganz abbrechen. „Wir wussten eigentlich immer, wo er ist.“ Auch als er wieder fort musste aus dem neuen Zuhause, dann noch einmal den Eigentümer wechselte. Dennoch: Mit den Jahren entfernten sich Mensch und Pony – bis Birthe Lüchau eines Nachts „glauben Sie es mir oder nicht“, von „Mister Watson“ träumte. Noch am selben Tag fand sie beim Durchforsten von Kleinanzeigen – „Das mach ich regelmäßig, nur war ich dieses Mal später als sonst“ – eine Verkaufsanzeige: „Mister Watson“ sollten wieder verkauft werden. „Da haben wir dann nicht lange gefackelt“, erzählen Mutter und Töchter. „Wir waren uns sofort einig: Jetzt holen wir ihn zurück nach Hause.“

Sofort machten sich Judith und Joana auf den Weg, den Ponyfreund aus Kindertagen abzuholen. Ein „seltsames Gefühl“ sei das gewesen, sagt Judith Lüchau, inzwischen 28 Jahre alt und verheiratet. Da war er wieder, der freundliche Mister Watson. Stand und wartete. Und zurück bei den Lüchaus bekam er einen phantastischen Empfang.

„Schon als wir mit dem Hänger auf den Hof rollten, wurde Skipper unruhig“, berichtet Joana Lüchau. Und als sein alter Kumpel ausgeladen wurde, und die ersten Schritte ins alte Zuhause machte, „da konnte ich das kleine Pony kaum halten“, erzählt sie weiter. „Wie verrückt“ habe er sich gebärdet und schließlich „konnten wir alle nur zusehen, dass wir den Weg frei und das Gatter aufmachen. Die beiden stürmten aufeinander zu, stiegen und spielten und freuten sich wie verrückt. Es gab wohl niemanden, der in diesem Moment keine Tränen in den Augen hatte, so rührend war das.“

Unzertrennlich sind „Skipper“ und „Mister Watson“ seitdem. Sogar auf dem privaten Reitplatz der Lüchaus laufen sie oft zusammen – zum Beispiel wenn Greta, die Tochter einer Freundin der Familie, mit „Mister Watson“ im Sattel ihre Runden dreht. Die kleine blonde Pferdenärrin kümmert sich jetzt um das Deutsche Reitpony – und natürlich auch um seinen kleinen Shetty-Freund, denn die beiden genießen soviel Zeit wie möglich miteinander, spielen trotz ihres Alters gern und viel. Birthe Lüchau schaut gedankenvoll. „Da kauft und verkauft man so einfach Pferde. Wir denken wohl viel zu wenig darüber nach, was das für die Tiere bedeutet.“

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