Kleine Loks, schwere Züge

Wo früher die Gleise der Kreisbahn verliefen (hier am Holmer Noor), befindet sich seit Ende der achtziger Jahre ein Geh- und Radweg. Foto: Jennert
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Wo früher die Gleise der Kreisbahn verliefen (hier am Holmer Noor), befindet sich seit Ende der achtziger Jahre ein Geh- und Radweg. Foto: Jennert

Schleswig wie es war - das ist Thema der Serie "Alt und Neu". Als Reaktion auf die Wünsche der Leser hat SN-Autor Karl Rathjen zahlreiche Folgen neu aufgelegt. In der heutigen Ausgabe widmet er sich der Geschichte der Kreisbahn.

shz.de von
11. August 2009, 07:17 Uhr

Schleswig | Um 1910 gab die Schleswiger Postkarten-Vereinigung eine Ansichtskarte heraus, die einen Güterzug der Schleswiger Kreisbahn auf dem Damm am Holmer Noor entlang Richtung Angeln zeigt. Im Hintergrund überragt der St.-Petri-Dom die Dächer der Altstadt.

Nachdem 1880 die Verbindung vom "Staatsbahnhof" im Friedrichsberg an der Schlei entlang bis zur Altstadt hergestellt war, nahm am 11. Mai 1883 die "Schleswig-Angler Eisenbahn" ihren Betrieb bis nach Süderbrarup auf, wo der Anschluss an die Bahn von Kiel nach Flensburger Bahn hergestellt wurde. Es war ein Vorteil wie sich später herausstellte, dass die Bahn bereits in der Normalspur erbaut worden war. In der Langen Straße musste ein Haus dem neuen Gleiskörper weichen, und die Schlachterstraße wurde mit einem Viadukt überspannt, bevor die Bahn im weiten Bogen am Holmer Noor entlang geführt wurde. Ein kleines Bahnhofsgebäude mit Schuppen und Verladerampen entstand an der Königstraße. Das Ensemble fiel 1903 einem Brand zum Opfer. Auf dem Platz entstand ein neues repräsentatives Bahnhofsgebäude "Schleswig-Altstadt", das 1905 eingeweiht werden konnte und noch heute den Kreuzungsbereich Plessenstraße/Königstraße schmückt.

Doch die Bahn hatte sowohl technische als auch finanzielle Schwierigkeiten, denn der Personenverkehr der Bahn war unbedeutend, und auch das erwartete Güterverkehrsaufkommen hielt sich in Grenzen. Landwirtschaftliche Produkte, Dünger und Brennstoffe waren, die wesentlichen Güter die befördert wurden. Der Magistrat der Stadt Schleswig musste eingreifen, um die Bahn für den Verkehr nach Angeln hinein zu erhalten. Sie erwarb 1896 unter Preis alle Aktien des Unternehmens und war damit für den weiteren Betrieb der Bahn verantwortlich.

Die verstärkten Bemühungen des Kreises Schleswig, das Eisenbahnnetz im Kreisgebiet zu vervollständigen und zu sanieren, führten dazu, dass im Januar 1901 der Kreis Schleswig den Betrieb kaufte und ihn dann bis zu seiner Auflösung fortführte.

Die Bemühungen der Stadt und ab 1901 auch des Kreises um die Konzessionierung einer Streckenverlängerung nach Kappeln hatten 1903 Erfolg. Die Erweiterung konnte am 21. Dezember 1904 in Betrieb genommen werden. Unter der Regie des Kreises kamen weitere Strecken hinzu: Eröffnung nach Satrup am 15. Juli 1904 (bis 1965) und nach Friedrichstadt am 1. Dezember 1905 (bis 1934).

Heute ist die Kreisbahn nur noch Geschichte. Ein kleines Stück Gleis im Straßenkörper der Langen Straße erinnert daran, dass über diese Anhöhe keuchend einst die kleinen Lokomotiven die schweren Züge ziehen mussten. Die Strecke Süderbrarup - Kappeln wird noch von der Museumsbahn genutzt.

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