zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

20. Oktober 2017 | 22:24 Uhr

Synode : Kleine Kirchengemeinden in Not

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Kirchenkreis muss dringend Geld sparen. Geht das zu Lasten von Kindergärten und kleinen Gemeinden? An der Mittelverteilung gab es Kritik.

von
erstellt am 10.Feb.2014 | 07:45 Uhr

Die eigenen Finanzen, Armut und Gerechtigkeit standen im Mittelpunkt der Synode des Kirchenkreises Schleswig-Flensburg am Wochenende in Flensburg. Das Geld bereitet dem Kirchenkreis heftige Probleme: Obwohl die Kirchensteuereinnahmen mit rund 18,1 Millionen Euro durch die gute Konjunktur weiter auf hohem Niveau liegen, liegt das strukturelle (durch feste Ausgaben verursachte) Defizit bei einer halben Million Euro. Hinzu kommen rund 600 000 Euro Minus bei den Kirchengemeinden und zwei Millionen Euro, die für Bauunterhaltung aus Rücklagen finanziert werden.

In ihrem Jahresbericht wies die Vorsitzende des Kirchenkreisrates, Pröpstin Johanna Lenz-Aude auf das Ziel hin, das Defizit bis 2017 abzubauen. „Wegducken geht nicht mehr“, sagte Lenz-Aude. „Wir werden jede frei werdende Stelle in den Blick nehmen, denn 85 Prozent unserer Kosten sind Personalkosten. Auch müssen wir auf vertretbare Verträge mit unseren Partnern bei den Kitas und in der Diakonie achten. Es wird keine vertraglichen Ausweitungen auf eigene Kosten mehr geben.“ Der Leiter des Kita-Werkes, Gerd Nielsen, warnte vor den Folgen: „Dieser Beschluss kann dazu führen, dass kirchliche Kita-Trägerschaften gekündigt werden müssen“, sagte er.

Auch wenn die Synode die einzelnen Haushaltsposten mit den Neuerungen der Jugendkirche, der Stadtpastorate in Schleswig und Flensburg, dem Flensburger Stadtkantorat und den Pfarrstellen für Gemeindeaufbau einmütig verabschiedete, gab es eine grundsätzliche Diskussion über die Finanzverteilung. Pastor Christoph Tischmeyer sagte: „Wir kleinen Kirchengemeinden auf dem Land haben das Gefühl, hart auf den Boden geschleudert zu werden, muss man die Geldverteilung doch so verstehen, dass kleine Kirchengemeinden so nicht mehr finanzierbar sind. Gleichzeitig wird aber immer wieder betont, dass sich die Kirche nicht aus der Fläche zurückziehen will. Dies ist ein Widerspruch.“ Er forderte, beim Sparen auf allen Ebenen hinzuschauen, damit „die Letzten nicht die Hunde beißen“.

Pröpstin Lenz-Aude räumte ein, dass die sehr kleinen Kirchengemeinden nach dem neuen Finanzgesetz der Nordkirche ihren derzeitigen Bedarf so nicht decken können. Sie forderte daher Zusammenarbeit. „Wir sehen die Notwendigkeit und auch die Chance, gemeinsam kirchliche Arbeitsbereiche aufrecht erhalten zu können, so wie in Mecklenburg. „Dort gelingt es, gemeinsam Kirchenmusiker und Diakone ergänzend zum pfarramtlichen Dienst zu haben.“ Als ein Vorreiter-Modell in dieser Richtung hob sie das Flensburger Stadtkantorat hervor, das zwei Innenstadtkirchen musikalisch begleitet.

Zuvor hatten sich die Mitglieder der Synode mit den Themen „Grundsicherung für Kinder“ und „Wegfall der Sanktionen für Bezieher von Hartz 4“ auseinander – und mit der Frage, wie sich der Kirchenkreis positioniert. In ihrer Andacht erinnerte Pröpstin Carmen Rahlf daran, dass die Synode sich bei ihrer Gründung 2009 das Thema Armut als einen Schwerpunkt für die nächsten Jahre gesetzt hatte. „Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit geht alle etwas an“, sagte sie. „Wir als Kirche wollen uns an der Seite der Menschen für eine gerechtere Welt einsetzen, in der jeder Mensch als Gottes Ebenbild einen würdigen Platz finden kann.“

Konkreter ging Diakoniepastor Thomas Nolte in einer der Arbeitsgruppen auf die Würde ein, als er berichtete, dass von Hartz 4-Empfängern in bestimmten Kreisen als „Sozialschrott“ gesprochen werde. „Manche Menschen vertreten die Meinung, dass Hartz 4-Empfänger zwar Teil des Systems seien, es sich aber nicht lohne, sie zu fördern – Sozialschrott eben, mit dem das System leben muss“, so Nolte. Er selbst zeigte sich erschüttert von dieser Haltung. „Jeder hat Wert und Würde im gesellschaftlichen System.“ Er forderte Kreativität und Mut, jeden Einzelnen zu fördern und zu begleiten.

Einen anderen Fokus hatte die Arbeitsgruppe um den Leiter des Regionalzentrums, Pastor Ingo Gutzmann. Er forderte, nicht in erster Linie auf die Armut zu schauen, sondern auf den Reichtum in Deutschland und die Frage zu stellen, wie die Reichen mehr Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen können.

Der Vorsitzende der Synode, Ulrich Schwarz sagte: „Ich möchte dazu beitragen, dass wir einen Weg zu mehr sozialer Gerechtigkeit aufzeigen. Wir Christen müssen beim Thema Armut besonders hinsehen, Position beziehen und handeln.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen