Jübek : Kleiderkammer muss Kita Platz machen

Bürgermeister Herbert Will (5.v.li.) hatte Gemeindevertreter und Gäste in die Kleiderkammer eingeladen, um sich ein Bild von den Räumlichkeiten zu machen.
Bürgermeister Herbert Will (5.v.li.) hatte Gemeindevertreter und Gäste in die Kleiderkammer eingeladen, um sich ein Bild von den Räumlichkeiten zu machen.

Der Jübeker Kindergarten platzt aus allen Nähten – jetzt zieht die Gemeinde Konsequenzen.

shz.de von
26. Januar 2017, 07:57 Uhr

Der Kindergarten hat seine Kapazitätsgrenze erreicht. Leiterin Britta Petersen gab in der jüngsten Sitzung der Jübeker Gemeindevertretung einen alarmierenden Sachstandsbericht: „Trotz 27 Anmeldungen können wir im Sommer nur 20 Kinder aufnehmen.“ Dabei unterstützte sie die pädagogische Fachberaterin auf Kreisebene, Marion Rossen, mit rechtlichen Vorgaben. So dürfe es eigentlich nicht sein, dass sofort nach den Sommerferien die genehmigten 100 Plätze ausgereizt seien. „Für über Dreijährige haben wir bis Sommer 2018 nur noch einen Resthalteplatz.“

Bürgermeister Herbert Will wusste um dieses Problem und hatte deshalb zuvor in die Kleiderkammer eingeladen, die wegen gestiegenen Raumbedarfs im Kindergarten erst im Herbst 2014 am jetzigen Ort eingerichtet worden war. Dort nehmen mittwochs ab 14.30 Uhr DRK-Frauen Kleidungsstücke an und leisten bei der Ausgabe von jährlich 6000 Stück ehrenamtlichen Aufwand, wie DRK-Vorsitzender Otto Tams betonte.

Im weiteren Sitzungsverlauf lobte Hartmut Bartels den Bürgermeister für seinen „Spagat, beiden gerecht zu werden“. Man wolle auf keinen Fall gezwungen sein, eigene Kinder in fremde Kindergärten abzugeben, war die einhellige Meinung. Und deshalb soll der Bauausschuss bis März dem Plenum eine Lösung präsentieren, wie die Kleiderkammer als Institution zu retten ist, wenn der Kindergarten „Siebenstein“ ab September ihren jetzigen Raum übernimmt.

Bürgermeister Herbert Will erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass sich die Vertretung seit 2010 immer wieder mit dem größer werdenden Kindergarten befassen musste. Bei der Suche nach Gründen fiel ihm allerdings nichts ein als: „Hier muss was in der Luft liegen.“

In anderem Sinne gilt das auch für den derzeitigen Sachstand zu Windeignungsflächen. Das Land hat nämlich einen großen Bereich an der Jübek- und Belligau zum Vorranggebiet für Repowering erklärt, den die Gemeinde als Biotopverbundfläche nicht für Windkraftanlagen zulassen wollte. Das war extra in einem Landschaftsplan ausgewiesen, der seinerzeit viel Geld gekostet hat. So will man sich nicht von der Landesregierung überfahren lassen und wird eine fundierte Stellungnahme abgeben.

Auch die Telekom hat dem Bürgermeister „einen dicken Hals“ beschert, aber das wird kein Nachspiel haben. Jahrelang sei das Unternehmen aufgefordert worden, schnelles Internet auszubauen. Nachdem sich jetzt 22 Gemeinden an die Gründung des Breitbandzweckverbandes „Mittlere Geest“ gemacht hätten, wolle die Telekom plötzlich an fünf Standorten in Jübek die Kabelverzweiger überbauen. Damit würden von der übergemeindlichen Glasfaser-Idee nur noch die Außenanlieger profitieren. Aus Solidarität mit den anderen Kommunen beschlossen die Jübeker dennoch einstimmig den Abschluss eines öffentlich-rechtlichen Vertrages zur Gründung des Zweckverbandes.

Nicht einfach hinnehmen will der Bürgermeister allerdings die Aufforderung, einen neuen Bebauungsplan für das Gewerbegebiet erstellen zu lassen. Dazu war es gekommen, weil die Genehmigung für eine erweiterte KFZ-Halle verwehrt worden war mit der Begründung, dass nach einer Änderung des Baurechts im Außenbereich so etwas nicht mehr erlaubt sei.

Eine andere Baumaßnahme indes vervollständigt das örtliche Geschäftszentrum: Wo früher die Meierei stand, soll zwischen Apotheke und Bank ein Versorgungs- und Praxiszentrum entstehen. Ein zweigeschossiges Gebäude ist hier zulässig mit symmetrischer Dachform und einer maximalen Firsthöhe von 11,70 Meter ohne glänzende Eindeckung, das sich harmonisch in das benachbarte Ensemble einfügen soll. Die Gemeindevertretung prüfte und beriet die hierzu eingegangenen Stellungnahmen und schickte das Projekt auf den weiteren Weg.



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