Selk : Klaus Dietrich ist neuer Bürgermeister

Handschlag: Klaus Dietrich (l.) wurde zum Bürgermeister von Selk gewählt, sein Stellvertreter ist Christoph Brügmann.
Handschlag: Klaus Dietrich (l.) wurde zum Bürgermeister von Selk gewählt, sein Stellvertreter ist Christoph Brügmann.

Selker Gemeindevertreter wählen Nachfolger des zurückgetretenen Arne Reimer / Nur noch acht Ratsmitglieder: Ausschüsse zusammengelegt

shz.de von
20. Mai 2015, 01:00 Uhr

Vier Wochen nach dem überraschenden Rücktritt von Bürgermeister Arne Reimer hat Selk wieder einen Chef: Der bisherige Stellvertreter Klaus Dietrich wurde am Montagabend von der Gemeindevertretung einstimmig in das Amt gewählt. Ihm zur Seite steht als Stellvertreter Christoph Brügmann, der ebenfalls alle Stimmen erhielt. Als zweite Stellvertreterin des Bürgermeisters bleibt Maike Matthies im Amt.

Die Querelen der Vergangenheit waren in dieser Sitzung kein Thema. Da zeitgleich mit Reimer auch Ulrich Siems und zuvor bereits Michael Sörensen aus der Gemeindevertretung ausgeschieden waren, reduziert sich die Zahl der gewählten Vertreter, die alle der Wählergemeinschaft angehören, auf acht. Nach der Kommunalwahl 2013 war der Gemeinderat in Selk noch mit elf Funktionsträgern besetzt gewesen – Nachrücker gab es nicht, weil die Liste der gemeldeten Kandidaten leer ist.

Da sich die kommunalpolitische Arbeit nun auf weniger Schultern verteilt, beschloss die Gemeindevertretung, die Zahl der Ausschüsse zu reduzieren. Es wird weiterhin einen Finanzausschuss geben, die Ausschüsse für Bauen, Wege und Umwelt sowie für Kultur, Sport und Freizeit werden jedoch in einem Hauptausschuss gebündelt. Auf diese Weise soll die politische Arbeit in der Gemeinde effektiver gestaltet werden.

Klaus Dietrich war vor der Wahl zum Bürgermeister Stellvertreter von Reimer. Seit sieben Jahren engagiert sich der 68-jährige pensionierte Techniker im Gemeinderat und gleich mehrfach auf musikalischer Ebene: Vor 35 Jahren gründete Dietrich die Haddebyer Jugendbläsergruppe. Zudem leitet er die Haddebyer Amtsfeuerwehrkapelle und die Jagdhornbläser-Gruppe.

„Danke für das Vertrauen. Ich gehe davon aus, dass ich Eure Unterstützung habe. Darauf vertraue und baue ich“, sagte Dietrich in seiner Dankesrede. Er bat die gewählten Vertreter und Zuhörer, nach vorne zu schauen und zu tun, was für die Gemeinde Selk gut ist. „Ein paar Punkte müssen jedoch noch abgearbeitet werden“, sagte Dietrich – der einzige Hinweis auf ungeklärte Probleme aus der Vergangenheit. Auf die Gründe für das Ausscheiden von Reimer und Siems ging der neue Bürgermeister jedoch nicht ein.

Während die Gemeindevertreter Einigkeit und gutes Miteinander demonstrierten, kam aus den Reihen der Zuhörer teilweise heftige Kritik. So wurde die angeblich langatmige Vorgehensweise einzelner gemeindlicher Tätigkeiten in der Vergangenheit bemängelt. Insbesondere nachträgliche Forderungen im Zusammenhang mit dem Kiesabbau in Selk, die die Gemeindekasse mit 13  000 Euro belasteten, verstehe so mancher Bürger nicht. Thema war auch der Lärmschutzwall entlang der A  7, dessen Aufschüttung von mehr als 10  000 Kubikmeter Sand und anderen Materialen auf dem analytischen Prüfstand stand und nun für unbedenklich erklärt wurden (wir berichteten). Nach Fertigstellung des Schutzwalls, so ist es vertraglich festgelegt, haftet die Gemeinde Selk als Eigentümerin und ist für Unterhalt und Pflege verantwortlich. „Das Üble am Lärmschutzwall ist, dass dieser uns nicht vor Lärm schützt. Das stößt uns sauer auf“, sagte Klaus Dietrich.

Indes bemängelte eine Bürgerin, den fehlenden Gemeinschaftssinn und die Uneinigkeit des Gemeinderates in der Vergangenheit. „Ich bitte, dass man nun freundlich miteinander von vorne anfängt“, sagte Gaby Assall. In scharfem Ton erkundigte sich Karl-Heinz-Tunger, in welcher Form und mit welchen technischen Möglichkeiten sich Gemeinderat und Bürgermeister für Selk einbringen wollen – und ließ zwischen den Zeilen anklingen, dass er dem Gremium die Arbeit nicht zutraut.

„Mit der Tatsache, dass Bürgermeister Reimer zurückgetreten ist, müssen wir leben. Das Geschäft geht weiter und trotz des reduzierten Personenkreises können wir diese Arbeit leisten, da lassen wir uns nicht diffamieren“, entgegnete Gemeinderatsmitglied Thilo Kolberg. Tunger zog seine Frage daraufhin zurück.

Als erste Amtshandlung des neu aufgestellten Gemeinderates folgte die Kündigung der Mitgliedschaft im Bücherei-Verein zum Ende des Jahres. Die Gemeinde verzeichnete eine Reduzierung der Ausleihen bei steigenden Kosten. „Wir haben die Bücherei in Busdorf. Dort kann jeder hinfahren und sich Bücher ausleihen“, sagte Dietrich. In der nächsten Sitzung wird sich die Gemeinde mit der finanziellen Unterstützung der Busdorfer Bücherei beschäftigen. Gaby Assall kündigte an, für ältere Bürger einen Fahrdienst zur Bücherei einzurichten oder andere Hilfestellung bereitzustellen.





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